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Freitag, 10.02.2012
Kleinvieh macht auch Mist...
Das Projekt SETI@home

Kontrollraum eines Radioteleskops in den 1960er Jahren 
Kontrollraum eines Radioteleskops in den 1960er Jahren
© CSIRO
Gemessen an den bescheidenen Anfängen in den 1960er Jahren hat sich in der Radioastronomie - und damit auch in der SETI-Forschung - einiges getan. Mehr als 60 unterschiedliche Projekte haben bis heute den Himmel nach Spuren außerirdischen Lebens durchsucht.

Längst durchforsten die Empfänger der SETI-Wissenschaftler nicht mehr mühsam eine Radiofrequenz nach der anderen, wie noch zu Zeiten von Frank Drake oder Jerry Ehman, sondern sie können Millionen von Radiokanälen simultan absuchen. Gleichzeitig hat sich auch die Sensibilität der Ausrüstung um das mehr als Hundertmilliardenfache verbessert - geradezu ein technischer Quantensprung.

Aber trotz aller technischen Neuerungen braucht eine gründliche Durchmusterung des Himmels nach möglichen außerirdischen Signalen auch heute noch vor allem eines: Zeit, viel Zeit. Doch daran mangelt es leider: Die Anzahl der leistungsfähigen Radioteleskope weltweit ist begrenzt, entsprechend begehrt und hart umkämpft ist auch die Beobachtungszeit. In der Regel ist jede Minute eines Teleskops über Monate und Jahre hinaus verplant, die Kosten für eine eigene Anlage im wahrsten Sinne des Wortes astronomisch - und damit für die SETI-Forscher unbezahlbar.

SETI hört mit
 Empfänger-Plattform des Arecibo-Radioteleskops
Empfänger-Plattform des Arecibo-Radioteleskops
© NAIC/NRAO  Empfänger-Plattform des Arecibo-Radioteleskops
Doch die SETI-Forscher behelfen sich in dieser Situation einfach mit einem Trick: Seit 1999 sammeln sie ihre Daten am Arecibo-Radioteleskop vornehmlich nach den Huckepack-Prinzip: Während andere Radioastronomen ihre "gebuchte" Teleskopzeit nutzen, um das Teleskop auf die verschiedenen von ihnen erforschten Himmelsregionen zu richten, hört der kleine SETI-Empfänger hoch über der gewaltigen Schüssel einfach mit. Wie eine kleine Wanze klinkt er sich in den einlaufenden Datenstrom ein und speichert alles, was ihm vor die Aufnahmegeräte kommt.

Auf diese Weise können die SETI-Forscher zwar nicht selbst bestimmen, welche Himmelsregionen sie wann abtasten, dafür aber schafft ihr Empfänger im Laufe eines Jahres meist einen vollständigen Himmelsdurchlauf. Er hat damit mehr Daten gesammelt, als es in den üblicherweise nur knapp bemessenen offiziell gebuchten Teleskopzeiten möglich gewesen wäre.

Computerpower gesucht
Doch die gewaltigen Datenmengen wollen auch analysiert werden. Um ein mögliches Signal aus dem kosmischen Hintergrundrauschen herauszufiltern und zu identifizieren, braucht es enorme Rechenkapazitäten - am besten gleich mehrere Supercomputer. Doch diese sind für die nicht gerade in Fördergeldern schwimmenden SETI-Forscher unbezahlbar. Was also tun? Ganz einfach: Aus der Not eine Tugend machen.

SETI@home auf Desktop-PC 
SETI@home auf Desktop-PC
© MMCD/UC Berkeley
Warum sollte man nicht statt eines teuren Supercomputers ein ganzes Netzwerk aus vielen kleinen Rechnern nutzen? Über das Internet verbunden und gleichzeitig an jeweils verschiedenen Datenpaketen arbeitend, könnten vielleicht sogar einfache Desktopcomputer verwendet werden, um zusammen die gewaltige Aufgabe zu bewältigen. Vielleicht würde es dafür sogar ausreichen, nur die ungenutzte Rechnerzeit zu nutzen, die Zeit, in der vielleicht ohnehin nur ein Bildschirmschoner läuft? Gedacht, getan - das SETI@home-Projekt war geboren.

Seit 1999 läuft nun SETI@home, das erste weltweite Internetprojekt im Dienste der SETI-Forschung, bereits mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz: Über eine Millionen Jahre Rechenzeit, mehr als vier Millionen Teilnehmer weltweit und eine Kapazität von zehn Teraflops. Das Projekt hat schon jetzt einige Rekorde gebrochen und seinen Platz in der Geschichte sicher: Es ist das erste und bislang größte weltweite Rechnernetzwerk und gehört heute zu den leistungsfähigsten Supercomputern überhaupt.

Doch ein Erfolg fehlt in der Bilanz des Projektes bisher noch - dummerweise der alles Entscheidende: die Entdeckung eines "echten" ETI-Signals. Zwar haben die heimischen PCs der Teilnehmer inzwischen mehr als fünf Milliarden möglicher Signale analysiert, ein auch nur annähernd eindeutiges Lebenszeichen von außerirdischen Intelligenzen war allerdings bislang nicht dabei...

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