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Freitag, 10.02.2012
Das Erbe von Finnegans Wake
"Three Quarks for Muster Mark"

James Joyce war die Exaktheit der Physik ein Greuel, denn der 1882 geborene irische Schriftsteller liebte das Unbestimmte, das nicht Greifbare - liebte die Visionen. Als dann aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Physik mit der neuen Quantenmechanik ihre »Exaktheit« verlor, fand auch Joyce seinen Zugang zur ungeliebten Wissenschaft.

Proton 
Proton
© Imageobserver
Die Erkenntnis, dass auch die Physik zu »verschwimmen« begann, wenn man in den Mikrokosmos eintaucht, verewigte Joyce in seinem letzten Werk »Finnegans Wake«. In diesem Buch, an dem er 18 Jahre lang schrieb und das er 1939 veröffentlichte, spielt Joyce mit Wörtern ganz so wie Physiker mit Atomen. Er spaltet sie, lässt sie zu neuen verschmelzen und sucht nach ihrem ureigensten Kern.

Dies hat den Physiker Murray Gell-Mann so fasziniert, dass er James Joyce einen ewigen Platz in der Quantenphysik zukommen ließ. Denn als er 1965, also 24 Jahre nach Joyce Tod, die elementarsten Teilchen der Materie entdeckte, benannt er sie nach einem Zitat aus Finnegans Wake: »Three Quarks for Muster Mark!« »Drei Quarks«, so erkannte Gell-Mann zusammen mit George Zweig, bilden das Herzstück unserer herkömmlichen Kernmaterie, den Protonen und Neutronen.

Frei kommen diese Quarks nicht vor, das verhindert die starke Kernkraft. Quarks werden innerhalb von Protonen durch Gluonen zusammengehalten, dabei liegt es in der Natur der starken Kernkraft, dass sie größer wird, wenn sich die Quarks voneinander entfernen. Ganz im Gegensatz zur elektromagnetischen Kraft oder der Gravitation, die mit größerem Abstand schwächer werden. Um aber das Wesen der Quarks zu verstehen, benötigen die Physiker freie Quarks.

Galxien - ein Meer aus up- and down-Quarks 
Galxien - ein Meer aus up- and down-Quarks
© NASA
Doch dafür sind die Physiker rund 13 Milliarden Jahr zu spät dran, denn nur kurz nach dem Urknall waren diese »elementarsten« Elementarteilchen frei und ungebunden. Bis etwa zehn Mikrosekunden nach der Geburt des Universum schwammen Quarks und Gluonen ungebunden im sogenannten Quark-Gluonen-Plasma umher. Nur ein Wimpernschlag später war das Quark-Gluonen-Zeitalter beendet.

Schnell suchten sich zu diesem Zeitpunkt die Quarks ihre entsprechenden Antiquarks und lösten sich in Strahlung auf, doch am Ende blieb jedes Milliardste Quark als Single zurück - eine Asymmetrie, der die gesamte Materie im Weltall zu verdanken ist. Denn da Quarks von Natur aus nicht gern alleine bleiben, schlossen sie sich zu Trios zusammen und kreierten so Protonen und Neutronen, also »normale« Materieteilchen, die die Physiker Baryonen nennen.

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