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Freitag, 29.07.2016
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Geothermie-Kraftwerke in Deutschland

Technische Spielerei oder ernsthafte Alternative?

Bohrplatz in Unterhaching

Bohrplatz in Unterhaching

Geothermie – wer denkt da nicht an brodelnde Geysire, rauchende Vulkane oder dampfende Thermalquellen als sichtbare Zeugnisse des Energiereichtums im Erdinneren? Oder an Island, das „Eldorado“ der Erdwärmenutzung, wo sogar die Straßen im Winter mit kostenloser Fußbodenheizung ausgestattet sind. Seit nunmehr über zwanzig Jahren wird jedoch auch in Deutschland am Einsatz von Geothermie-Kraftwerken gearbeitet. Aber ist dies hier bei uns nun bloß technische Spielerei oder doch eine ernsthafte Alternative zu herkömmlichen Energieträgern?

Manch einer mag überrascht sein, aber die geothermische Zukunft in Deutschland hat längst begonnen: Neben der Wärmeversorgung privater Haushalte durch Erdwärmekollektoren oder dem großtechnischen Betrieb von Heizkraftwerken in Erding und Waren wurde im letzten Jahr auch erstmals eine Anlage zur Stromerzeugung in Neustadt-Glewe in Betrieb genommen. Zwar werden zunächst nur 500 Haushalte mit der Energie aus der Tiefe versorgt, aber ein Anfang ist gemacht.

Im Vergleich mit den anderen regenerativen Energiequellen hat die Geothermie einen entscheidenden Vorteil: Sie steht unabhängig von Witterung oder Jahres- und Tageszeiten immer zur Verfügung. Kraftwerke und private Haushalte haben also nicht wie bei der Wind- oder Solarenergie das Problem der schwankenden Versorgung. Und weltweit gibt die Erde etwa viermal so viel Energie ab, wie die Menschheit derzeit verbraucht. Doch bedeutet die Geothermie auch in Deutschland die Lösung aller Energieprobleme?

Leider weit gefehlt. Denn die natürlichen Voraussetzungen sind bei uns alles andere als optimal. Je nach Region muss für die Stromgewinnung mehrere Kilometer in die Tiefe gebohrt werden. Erst dann erreicht die Temperatur mehr als 100° Celsius, in der Regel die „Schallgrenze“ für eine effiziente Stromerzeugung aus Wärme. Und wie so oft bei der Einführung neuer Energieträger sind auch die Investitionskosten und technischen Probleme der Geothermie relativ hoch.

Doch dass die Geothermie vor allem in der Wärmegewinnung eine ernsthafte Alternative darstellt, belegen nicht nur die Bemühungen des Bundesumweltministeriums, den Marktanteil von 0,04 Prozent im Jahr 2003 bis zum Jahr 2020 auf sieben Prozent anheben zu wollen. Denn schon heute sind zahlreiche Privathaushalte mit Erdwärmesonden ausgestattet und beziehen ihre Heizenergie aus der Erdoberfläche. Jüngste Erfolgsmeldungen aus Unterhaching, Offenbach oder auch Bad Urach zeugen zudem von einem industriell nutzbaren Potenzial der Erdwärme in mehreren Kilometern Tiefe.

Dabei ist die technische Nutzung der Erdwärme in Deutschland keineswegs eine Erfindung der jüngsten Zeit. Denn bereits vor zwanzig Jahren wurde in Waren an der Müritz die erste geothermische Heizzentrale verwirklicht. Daraufhin folgten Anlagen in Neubrandenburg, Prenzlau und weiteren Standorten. Aufgrund der geologischen Bedingungen war der Geothermie in Deutschland bislang der Durchbruch verwehrt. Doch möglicherweise läuten die derzeit erfolgreich durchgeführten Pilotprojekte und die technische Weiterentwicklung bald eine Trendwende ein.

Inhalt:

  1. Tiefgründige Hitze
    Geologische Bedingungen
  2. Römische Untergrund-Heizung
    Erdwärmesonde in Aachen
  3. Strom aus der Tiefe
    Allround-Kraftwerk in Neustadt-Glewe
  4. Wie kommt das Loch in die Erde?
    Geothermale Bohrtechnik – Teil 1
  5. Heißer Tropfen aus dem Stein
    Hot-Dry-Rock-Verfahren in Bad Urach
  6. Nasser Wärme-Tresor
    Aquiferenspeicher im Berliner Reichstag
  7. „Steinreiches“ Aachen
    Geothermale Bohrtechnik – Teil 2
  8. Geothermale Zukunft
    Tiefenbohrungen in Unterhaching und Offenbach
Andreas Heitkamp
Stand 12.11.2004