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Mittwoch, 29.03.2017
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Weltweit erstmalig: Chirurg setzt neuartiges Kunstknorpel-Implantat in Knie ein

Medizinische Hochschule Hannover

Etwa 2,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem chronischen Knorpelschaden im Knie. Die Ursache für den degenerativen Knorpelschwund sind meist frühere Verletzungen des Kniegelenks oder altersbedingter Verschleiß. An der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde jetzt eine neue Art der Therapie durchgeführt: Einem 62-jährigen Patienten wurde ein Stück neuartiger Kunstknorpel implantiert. Die MHH ist weltweit das erste Klinikum, das das Verfahren am Kniegelenk angewendet hat. Bisher wurde das Ersatzteil nur an der Großzehe des Fußes eingesetzt.
Für den Laien sieht das Implantat des amerikanischen Herstellers Cartiva fast so aus wie ein Fruchtgummi. Es ist etwa zehn mal zehn Millimeter groß, elastisch und hat eine konische Form. „Die Form sorgt für einen festen Halt im Knieknorpel des Patienten“, erklärt Professor Dr. Michael Jagodzinski. Der Oberarzt an der MHH-Klinik für Unfallchirurgie hatte dem Patienten im Juni 2012 das künstliche Knorpelstück ins rechte Knie eingesetzt. „Dabei wird das Implantat regelrecht in den Knieknorpel des Patienten eingepresst“, erläutert der Chirurg. Der Kunstknorpel wächst nicht ein, optimalerweise bildet sich drumherum aber eine Verhärtung aus Bindegewebe (Sklerose), die zusätzlichen Halt gibt.

Professor Dr. Christian Krettek, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, ist zuversichtlich, dass das neuartige Implantat, das zu 80 Prozent aus Wasser und zu 20 Prozent aus Polyvenylalkohol (PVA) besteht, auch nach mehreren Jahren noch fest im Knie sitzt. Denn genau das ist das Problem bei den herkömmlichen Implantaten. „Bei vielen Patienten lockern sie sich. Nur bei etwa 40 Prozent ist der Zustand nach zehn Jahren noch zufriedenstellend“, erläutert Professor Krettek.

Langzeitergebnisse liegen für das neuartige Implantat im Knie noch nicht vor. Doch ein knappes Jahr nach der ambulanten Operation sind sowohl Professor Jagodzinski als auch der erste Patient Wolfgang J. mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich konnte direkt nach der Operation ohne Gehhilfen die Klinik verlassen“, erinnert sich Wolfgang J. „Aber das Entscheidende war, dass ich keine Schmerzen mehr im Kniegelenk hatte. Lediglich die Wunde tat weh.“

Fahrradfahren nach einer Woche


Eine Woche nach dem Eingriff konnte der Mann aus Lindwedel (Heidekreis) wieder anfangen Fahrrad zu fahren. Bei ihm war es durch jahrzehntelange sportliche Belastung – Wolfgang J. ist passionierter Läufer, Skifahrer und Tennisspieler – zur Abnutzung des Kniegelenks und zu dem Knorpelschaden gekommen. Heute ist die Funktionstüchtigkeit des Kniegelenks zwar noch nicht ganz wieder hergestellt, aber Wolfgang J. freut sich, dass er in diesem Jahr immerhin schon Ski fahren konnte. Bevor er an der MHH das Implantat bekam, hatte er eine Mikrofrakturierung vornehmen lassen. Die Therapie, bei der durch das absichtliche Bohren kleiner Löcher in den Knorpel Reparaturmechanismen ausgelöst werden sollen, hatte bei ihm aber nicht angeschlagen.

Trotz des erfolgreichen Verlaufs bei Wolfgang J. betont Professor Jagodzinski, dass sich das neue Implantat nicht für jeden Patienten und nicht für jede Art von Knorpelschaden eignet. „Die Zielgruppe sehen wir vor allem in Patienten, die älter als 50 Jahre sind und einen lokalisierten Knorpelschaden oder eine begrenzte Arthrose haben. Jeder Einzelfall muß sehr genau abgewogen werden.“

Professor Dr. Michael Jagodzinski ist seit Jahren auf die innovative Behandlung von Knochen- und Knorpeldefekten in Gelenken spezialisiert. Sein besonderes Interesse gilt dem so genannten Tissue Engineering, also der Rekonstruktion verschiedener Gewebe aus körpereigenem Material. Die Klinik für Unfallchirurgie der MHH ist als einzige Klinik in Deutschland in der Lage, ganze Gelenkflächen aus körpereigenem Material zu ersetzen, in Kombination mit dem Ersatz von Gelenkknorpel und Bändern.
(Medizinische Hochschule Hannover, 15.03.2013 - KBE)
 
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