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Frage: Hilft Vitamin C wirklich gegen Erkältungen?

Wissenswert

Hilft Vitamin C bei Erkältungen wirklich? © Clipdealer

Nießen, Husten, laufende Nase – mit dem nasskalten Winter haben auch Erkältungen wieder Hochsaison. Viele Menschen versuchen, einen drohenden Schnupfen mit Vitamin C abzuwenden. Der Griff zu einer Vitamin-Sprudeltablette beim ersten Anzeichen für eine laufende Nase gehört für sie daher längst zur Routine. Das Vitamin, so heißt es, stärkt das Immunsystem und hilft so dem Körper, die Krankheitserreger abzuwehren. Aber wirkt die in Sanddorn, Schwarzen Johannisbeeren, Paprika oder Zitrusfrüchten besonders reichlich vorhandene Substanz tatsächlich? Lässt sich mit Vitamin C eine Erkältung verhindern?

Für den zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling war die Sache klar. Er proklamierte bereits in den 1970er Jahren die heilsame Wirkung der Ascorbinsäure, so die chemische Bezeichnung des Vitamins C. Der Forscher empfahl die Einnahme von mindestens 1.000 Milligramm am Tag, um Schnupfen, Alterserscheinungen, aber auch Krebs zu verhindern. Pauling selbst konsumierte im Alter sogar 18 Gramm täglich – und wurde immerhin 93 Jahre alt.

Kein Allheilmittel

Heute allerdings widersprechen die meisten Forscher Paulings These vom Allheilmittel Vitamin C – und auch die Daten sprechen gegen ihn: So ergab eine Auswertung von Untersuchungen an mehr als 11.000 Menschen weltweit, dass es einen Schnupfen weder verhindert noch verkürzt, wenn man täglich 200 Milligramm Vitamin C zu sich nimmt. Diese Dosis ist immerhin doppelt so hoch wie die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesration von 100 Milligramm.

„Es macht daher einfach keinen Sinn, 365 Tage im Jahr Vitamin C einzunehmen, nur um das Risiko eines Schnupfens zu verringern“, erklärt Harri Hemilä von der Universität von Helsinki, der sich seit gut 25 Jahren mit dem Vitamin befasst. Eine hohe Vitamin C-Dosis wirke nur bei den Menschen, die zuvor zu wenig davon im Körper hatten oder die, wie Polarforscher, Marathonläufer oder andere Extremsportler, hohem körperlichen Stress ausgesetzt seien. Bei diesen senke es die zuvor erhöhte Schnupfenanfälligkeit um die Hälfte.

Ob eine einzige, besonders hohe Vitamin C-Dosis direkt am Anfang eines Schnupfens diesen noch stoppen kann, ist umstritten. „Das Vitamin C könnte dazu beitragen, eine Erkältung zu verkürzen, aber es scheint nicht gegen eine Infektion oder gegen den Ausbruch der Krankheit zu schützen“, sagt die Medizinerin Linda Vorvick von der University of Washington.

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Helfer für das Immunsystem

Das Vitamin C ist demnach zwar kein Allheilmittel, aber auch nicht vollkommen nutzlos. Der Körper benötigt es, damit das Immunsystem richtig funktioniert. Das Vitamin wandelt zudem aggressive chemische Substanzen, die sogenannten freien Radikalen, zu harmloseren Verbindungen um.

Bislang galt daher bei Vitamin C oft die Devise: Zuviel schadet nicht. Denn was der Körper von dieser wasserlöslichen Substanz nicht verwenden kann, scheidet er einfach mit dem Urin wieder aus. Eine Überdosierung ist daher nicht möglich – glaubte man jedenfalls.

Doch zumindest für einige Menschen, wie beispielsweise Diabetiker, stimmt dies nicht, wie vor einigen Jahren schon eine Studie zeigte. Demnach kann das Vitamin C bei diesen Patienten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. „Diabetiker sollten daher vorsichtiger als andere Menschen mit solchen Nahrungszusätzen sein“, warnte Studienleiter David Jacobs von der University of Minnesota in Minneapolis.

Lieber Obst als Vitaminpillen

Viele Experten warnen ohnehin davor, wahllos Vitaminpillen zu schlucken. Denn während die positive Wirkung von vitaminreichem Gemüse und Obst eindeutig belegt sei, seien Nutzen und Risiken isolierter Wirkstoffe strittig.

„Ob der Körper die in Tabletten, Kapseln oder Konzentraten vorhandenen Inhaltsstoffe in dieser unnatürlichen Form überhaupt aufnehmen kann, ist nicht belegt“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es sei in jedem Falle sehr viel sinnvoller und gesünder, regelmäßig Obst und Gemüse zu essen.

20.01.2012 – NPO

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