Rund um die künstlichen Lichtquellen leben überdurchschnittlich viele räuberische Insekten und Kleintiere Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rund um die künstlichen Lichtquellen leben überdurchschnittlich viele räuberische Insekten und Kleintiere

Straßenlaternen verändern Tierwelt des Bodens

Natriumdampf-Hochdrucklampe © Tilman Kluge (deutschsprachige Wikipedia)

Straßenlaternen schaffen sich eine ganz eigene kleine Welt: Im und auf dem Erdboden rund um die Lampen leben völlig anders zusammengesetzte Tiergemeinschaften als in etwas größerer Entfernung. So finden sich im Lichtschein mehr räuberische Kleintiere als im Dunkeln. Das haben britische Forscher jetzt in Cornwall entdeckt, als sie mehrere Tage lang konsequent alle Tiere einsammelten, die sich rund um Straßenlaternen und in den dunklen Bereichen dazwischen tummelten. Noch ist nicht klar, ob diese Verschiebung zu ökologschen Problemen führen können. Das müsse aber nun dringend untersucht werden, mahnen die Wissenschaftler. Denn die Bodenfauna sei einer der wichtigsten Faktoren für das Ökosystem Boden, berichten Thomas Davies von der University of Exeter und seine Kollegen im Fachmagazin „Biology Letters“ der britischen Royal Society.

Die Forscher suchten sich für ihre Untersuchung ein Gebiet mit grasbedecktem Boden in Cornwall aus, in dem 14 Natriumdampf-Hochdrucklampen im Abstand von jeweils 35 Metern zueinander standen. An drei Tagen und den darauffolgenden Nächten stellten sie jeweils unter den Lampen und in den dunklen Bereichen dazwischen kleine Fallen auf. Insgesamt fingen sie so 1.194 Insekten und andere Kleintiere ein, die zu 60 verschiedenen biologischen Gruppen gehörten. Es gab unter anderem Weberknechte, verschiedene Spinnen, Laufkäfer, Kurzflügler, Ameisen, Schnecken, Asseln, Springschwänze, Milben, Grashüpfer und Grillen.

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Die genauere Betrachtung zeigte: Rund um die Lampen hatten sich sehr viel mehr räuberische und aasfressende Tiere angesiedelt als in den dunklen Bereichen – möglicherweise, weil das Licht immer wieder neue Beutetiere anlockt. Besonders Laufkäfer, Weberknechte, Landasseln, Flohkrebse und Ameisen seien im Vergleich ungewöhnlich zahlreich vertreten gewesen, berichten die Wissenschaftler. Die unter den Lampen lebende Tiergemeinschaft sei völlig anders zusammengesetzt als die ursprünglich in diesem Gebiet vorhandene, resümiert das Team.

Auch wenn diese Veränderung auf den ersten Blick nicht besonders dramatisch zu sein scheint, macht sie den Wissenschaftlern doch Sorgen. Zwar sei bereits bekannt gewesen, dass künstliches Licht das Verhalten von Tieren ebenso wie ihren Tagesrhythmus verändern kann, erläutern sie. Dass sich der Einfluss jedoch bis in die Zusammensetzung der Bodenfauna erstreckt, sei bisher nicht bekannt gewesen. Ob diese Veränderungen tatsächlich die Funktion des Ökosystems beeinflussen, müsse jetzt dringend untersucht werden, mahnen sie. Ein Übermaß an räuberischen Kleintieren in der Nähe der Lampen könnte beispielsweise dazu führen, dass Kadaver von Tieren und andere organische Materie zu schnell beseitigt werden und der Boden so auf Dauer an Nährstoffen verarmt. Umgekehrt könnte auch der Abwandern dieser Tiere aus den dunklen Bereichen den Boden dort ungünstig verändern.

(doi: 10.1098/rsbl.2012.0216)

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(Biology Letters (The Royal Society), 23.05.2012 – ILB)

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