Perfektes Manöver: Rosetta passierte den Himmelkörper in nur 800 Kilometern Entfernung Erste Bilder des Asteroiden Steins - scinexx | Das Wissensmagazin
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Perfektes Manöver: Rosetta passierte den Himmelkörper in nur 800 Kilometern Entfernung

Erste Bilder des Asteroiden Steins

Eines der ersten Bilder des Asteroiden Steins. Am Nordpol findet sich ein tiefer Krater von etwa zwei Kilometern Durchmesser. Zudem zieht sich eine Kette von sieben kleineren Kratern in senkrechter Richtung über die Oberfläche des Asteroiden. © ESA/ MPS/ UPD/ LAM/ IAA/ RSSD/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA

Die ESA-Raumsonde Rosetta ist am Freitag Nacht in nur 800 Kilometern Entfernung an dem Asteroiden Steins vorbeigeflogen. Mit Hilfe ihres Kamerasystems gelangen spektakuläre Aufnahmen des Himmelskörpers, die unter anderem die Existenz eines extrem großen Kraters auf der Oberfläche des Asteroiden enthüllen.

Die ersten Signale von der Raumsonde erreichten die Erde gegen 22.14 Uhr. Genau wie geplant war die Sonde um 20.58 Uhr (MESZ) mit einer Geschwindigkeit von 31.000 Kilometern pro Stunde relativ zu Steins an dem kleinen Gesteinsbrocken im Asteroidengürtel vorbei geflogen. Das ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt leitete die Daten direkt an das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau weiter. Dort filterten in der Nacht 14 Wissenschaftler erste Bilder aus den Rohdaten.

Ihren Auswertungen zufolge hat Steins eine längliche, an einem Ende spitz zulaufende Form. In vertikaler Richtung misst der Asteroid vier Kilometer, in horizontaler Richtung 5,9 Kilometer. „Seine Oberfläche ist mit Kratern übersäht, von denen sich ein besonders großer am Nordpol befindet“, beschreibt Holger Sierks, Leiter des OSIRIS-Teams am MPS. Der Durchmesser dieses Kraters beträgt etwa zwei Kilometer. Besonders auffällig ist zudem eine Kette von sieben kleineren Kratern, die senkrecht zur Äquatorebene verläuft.

Einschlagskrater fast halb so groß wie Asteroid

Der Forscher erklärt nach einer ersten Analyse der bereits übertragenen Bilder: „Was sofort auffällt, ist ein anderthalb bis zwei Kilometer großer Einschlagskrater auf Steins, der bald fast halb so groß ist wie der Durchmesser des Asteroiden, erklärt Max-Planck-Forscher Horst Uwe Keller. „Erstaunlich, dass dieser kleine Körper den Einschlag damals überstanden hat. Vermutlich ist der ganze Asteroid durch und durch von Bruchstrukturen durchzogen. Bemerkenswert ist auch eine Reihe von kleinen Einschlagskratern, die sich in einer Linie befinden. So etwas haben wir noch auf keinem anderen Asteroiden gesehen.“

Die Bilder präzisieren Erkenntnisse, die aus bodengebundenen Beobachtungen des Asteroiden stammen. Die tatsächliche Größe von Steins weicht nur wenig von diesen Beobachtungen ab. Die Strukturen der Oberfläche wie etwa der große Krater am Nordpol waren zuvor in den Modellierungen jedoch nicht zu erkennen.

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Da es sich bei Steins um einen sehr seltenen Typ von Asteroiden handelt, der bei einer großen kosmischen Kollision vor mehreren Milliarden Jahren aus einem größeren Planetoiden im jungen Sonnensystem herausgeschlagen worden ist, sind die Wissenschaftler sehr gespannt auf die detaillierte Auswertung der Bilder und Messdaten der Experimente.

Präzisionsarbeit in 365 Millionen Kilometern Entfernung

Zur Vorbereitung des Vorbeiflugs hatten die Raumflug-Ingenieure der ESA Präzisionsarbeit geleistet und die Raumsonde bis an die Grenze der technischen Belastbarkeit gebracht. Im August wurde der kleine Asteroid auf mehreren hundert Aufnahmen der Sternen-Navigationskamera und des OSIRIS-Kamerasystems von Rosetta beobachtet und sein Orbit und die genaue Lage zum Zeitpunkt des Rendezvous im Raum präzisiert. Die Sonde konnte so genau auf Steins ausgerichtet werden, dass im letzten Monat nur zwei kleine Korrekturmanöver erforderlich waren.

Kurz vor dem Vorbeiflug wurde die Raumsonde in einem schnellen Manöver komplett gedreht. Anschließend wurde sie in den einprogrammierten Vorbeiflug-Modus versetzt und die Navigation vollautomatisch durch die Navigationskamera übernommen. Zwischen 20.47 Uhr und 22.14 Uhr (MESZ) bestand keine Funkverbindung zwischen Rosetta und der Erde. Umso größer war dann die Erleichterung der Wissenschaftler und Ingenieure, als zur vorausberechneten Zeit die ersten Signale empfangen wurden.

Die Entfernung der Raumsonde von der Erde betrug am Freitag 365 Millionen Kilometer, die Signale sind waren von Rosetta zur Erde also zwanzig Minuten unterwegs. Um 2.00 Uhr (MESZ) am Morgen

des 6. September 2008 wurde mit der Datenübertragung begonnen, die noch andauert. Rosetta befindet sich auf dem Weg zum Kometen Churyumov-Gerasimenko, den sie 2014 erreichen wird. Das Manöver an Steins war der siebte nahe Vorbeiflug an einem Asteroiden in der Geschichte der Raumfahrt.

(DLR, MPG, 08.09.2008 – NPO)

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