Erfahrungen des ersten Lebensjahres hinterlassen Spuren im Gehirn Frühkindlicher Stress macht Frauen anfälliger für Depressionen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erfahrungen des ersten Lebensjahres hinterlassen Spuren im Gehirn

Frühkindlicher Stress macht Frauen anfälliger für Depressionen

Schreiender Säugling © SXC

Leiden Mädchen in ihrer frühesten Kindheit unter Stress, sind sie als Jugendliche und Erwachsene anfälliger für Depressionen und Ängste. Das haben US-amerikanische Forscher in einer Langzeitstudie mit 57 Kindern herausgefunden. Im Gehirn verändere sich die Verknüpfung zwischen zwei Hirnarealen, die für Gefühle und die Gefühlskontrolle zuständig seien, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Neuroscience“.

Demnach führt Stress im ersten Lebensjahr, beispielsweise durch überforderte Mütter, dazu, dass diese Kinder langfristig mehr Stresshormon Cortisol im Körper haben Als junge Erwachsene litten Frauen mit einer verringerten Verknüpfung zwischen diesen Gefühlsschaltkreisen häufiger unter Depressionen oder Ängsten als Gleichaltrige.

„Bei Frauen hinterlässt früher Stress und der dadurch erhöhte Cortisol-Spiegel einen klaren Abdruck im Gehirn“, konstatieren Cory Burghy und ihre Kollegen von der University of Wisconsin-Madison. Ihres Wissens nach sei dies die erste Studie, die Hinweise darauf liefere, warum Stress in der frühen Kindheit später im Leben Depressionen fördern könne. Warum dieser Effekt nur bei Frauen so deutlich auftrete, sei noch unklar, sagen die Forscher. Es könne aber sein, dass der Stoffwechsel von Mädchen sensibler auf frühkindlichen Stress reagiere. Möglicherweise wirke sich dieser bei ihnen auch stärker auf die Aktivität bestimmter Gene aus.

Überforderte Mütter geben Stress an Kinder weiter

Depression © SXC

Für ihre Studie hatten die Forscher 57 heute 18-Jährige untersucht, die seit ihrer Geburt an einer Langzeitstudie teilgenommen hatten. Im Rahmen der Studie waren für alle Teilnehmer in ihrem ersten Lebensjahr psychologische Daten erhoben worden. Aus diesen ging unter anderem hervor, ob die Mütter mit der Sorge um die Kinder überfordert waren oder nicht und ob es Beziehungsprobleme bei den Eltern gab. Säuglinge bekommen solche Probleme und Konflikte unbewusst mit und reagieren darauf mit Stress.

Mit viereinhalb Jahren wurde bei allen Kindern eine Speichelprobe genommen und darin der Gehalt des Stresshormons Cortisol bestimmt. „Bei den Mädchen hatten diejenigen mit mehr Stress im ersten Lebensjahr auch als Viereinhalbjährige noch höhere Cortisol-Spiegel“, berichten die Forscher. Dies sei unabhängig von der aktuellen Stressbelastung der Kinder messbar gewesen.

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Verknüpfung zwischen Emotionszentrum und Kontrollareal

Als 18-Jährige testeten die Forscher erneut mittels Fragebogen den psychischen Zustand der Teilnehmer und unterzogen sie zudem einem Hirnscan. Bei diesem bestimmten sie die Ruhe-Aktivität in den Mandelkernen – den Gefühlszentren des Gehirns – und im präfrontalen Cortex, der Hirnregion, die für die Kontrolle von Impulsen und Emotionen zuständig ist. Aus dem Vergleich dieser Werte lasse sich ablesen, wie gut beide Areale miteinander verknüpft seien, erklären die Forscher.

Das Ergebnis: Bei Frauen mit einem als Kind erhöhten Cortisol-Spiegel waren die beiden Gefühlschaltkreise weniger stark verknüpft als bei Frauen mit geringeren Cortisolwerten. Gleichzeitig gaben diese jungen Frauen auch vermehrt an, unter Depressionen oder Ängsten zu leiden, wie die Forscher berichten. Dieser Zusammenhang sei unabhängig vom gegenwärtigen Stressniveau oder Cortisolspiegel nachweisbar. Bei den männlichen Teilnehmern sei dieser Zusammenhang dagegen nicht zu finden.

„Unsere Ergebnisse zeigen eine überzeugende Entwicklungskette von frühkindlichem Stress über die Cortisol-Spiegel in der Kindheit bis hin zu Veränderungen in der Gehirnfunktion bei den jugendlichen Frauen“, konstatieren die Burghy und ihre Kollegen (doi: 10.1038/nn.3257).

(Nature Neuroscience, 12.11.2012 – NPO)

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