Junger Stern verlor dichte Materialhülle innerhalb von nur zwei Jahren Verschwundene Staubscheibe gibt Astronomen Rätsel auf - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Junger Stern verlor dichte Materialhülle innerhalb von nur zwei Jahren

Verschwundene Staubscheibe gibt Astronomen Rätsel auf

Diese Illustration zeigt den Stern TYC 8241 2652 mit der dichten Staubscheibe, die ihn bis zum Jahr 2009 umgab. © Gemini Observatory/AURA artwork by Lynette Cook

Eine auf bisher unerklärliche Weise verschwundene Staubscheibe um eine fremde Sonne sorgt für Verblüffung unter den Astronomen. Fast 30 Jahre lang hatten sie um den sonnenähnlichen Stern TYC 8241 2652 deutlich einen dichten Ring aus heißem Staub beobachtet. Doch jetzt ist diese Staubscheibe plötzlich verschwunden – innerhalb von weniger als zwei Jahren, wie ein internationales Astronomenteam im Fachmagazin „Nature“ berichtet. So etwas habe man noch nie zuvor beobachtet. Es gebe bisher auch kein physikalisches Modell, das dieses Ereignis zufriedenstellend erklären könne, sagen Carl Melis vom Center for Astrophysics and Space Sciences der University of California in San Diego und seine Kollegen.

„Das ist so, als wenn man heute eine Aufnahme des Planeten Saturn machen würde und nur zwei Jahre später, bei der nächsten Aufnahme, wären die Ringe dann plötzlich weg“, erklärt Ben Zuckerman von der University of California in Los Angeles, einer der Koautoren der Studie. Das Verschwinden des Staubs um TYC 8241 2652 sei so bizarr und so plötzlich, dass man zuerst an einen Fehler in den Beobachtungsdaten geglaubt habe. Immerhin habe die Scheibe um den Stern so viel Staub enthalten, dass dieser unser gesamtes inneres Sonnensystem hätte ausfüllen können. „Wir haben auch überlegt, ob vielleicht irgendetwas das Scheibenmaterial einfach nur vor unseren Blicken verborgen hat“, schreiben die Forscher. Aber keines der Modelle dafür habe gepasst.

Staub entstand durch Kollision von Gesteinsbrocken

Der sonnenähnliche Stern TYC 8241 2652 liegt rund 450 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Centaurus. Er ist rund zehn Millionen Jahre alt und damit nach kosmischen Maßstäben noch sehr jung, wie die Astronomen berichten. Die dichte Staubscheibe um den Stern hatte bereits 1983 der Infrared Astronomical Satellite (IRAS) der US-Raumfahrtbehörde NASA entdeckt. Sie sei durch die Kollision größerer Gesteinsbrocken in der Umlaufbahn des jungen Sterns entstanden, sagen die Astronomen.

Die Astronomen hatten die alten Aufnahmen des Sterns mit neueren aus den Jahren 2009 bis 2012 abgeglichen. Sie nutzten dazu unter anderem Beobachtungsdaten des Gemini South Teleskops in Chile und des Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) Satelliten der NASA. Die Aufnahmen ergaben, dass sich das Leuchtsignal der Staubscheibe Mitte 2009 bereits um mehr als die Hälfte abgeschwächt hatte. 2010 sei es dann kaum mehr messbar gewesen, sagen die Astronomen

In dieser Illustration ist der Zustand nach dem Verschwinden der Staubscheibe um den Stern TYC 8241 2652 zu sehen: Es bleibt nur leerer Raum mit wenig kaltem Staub und einigen größeren

Stern scheint keine Schuld am Verschwinden zu haben

Nach Angaben der Forscher gibt es momentan keine überzeugende Erklärung dafür, warum die Staubscheibe um TYC 8241 2652 so plötzlich verschwunden ist. „Dieses Phänomen scheint nicht vom Stern verursacht worden zu sein“, sagt Melis. Denn man habe keinerlei Hinweis darauf, dass der Stern den Staub mit einer Explosion oder einem anderen dramatischen Ereignis weggeblasen oder verschluckt hätte.

Anzeige

Theoretisch könnte Gas im Umfeld des Sterns den Flug der Materiepartikel stark abgebremst und sie in den Stern stürzen lassen haben, sagen die Forscher. Dafür allerdings müsste es mindestens genauso viel Gas wie Staub im Umfeld des Sterns geben, was die Astronomen für eher unwahrscheinlich halten. Plausibler wäre ihrer Ansicht nach, dass die Staubteilchen so oft miteinander kollidierten, dass sie in extrem winzige Partikel zerfielen. Unterhalb einer gewissen Größe könnten sie dann leicht durch den Sternenwind ins All hinaus geblasen werden. Dieser Kollisions-Prozess dauere aber den theoretischen Berechnungen nach deutlich länger als nur gut zwei Jahre, wie die Forscher einräumen. Letztlich seien daher beide Theorien nur bedingt überzeugend. (doi:10.1038/nature11210)

(Nature, 05.07.2012 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

All-Chemie mit dem Radioteleskop - Astrophysiker auf der Suche nach nach extraterrestrischen Molekülen

Superteleskope im Weltraum - Der Beginn einer neuen Ära

Kosmische Nebelschleier - Planetare Nebel geben Rätsel auf

Big Eyes - Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos

Radioastronomie - Mehr als nur kosmisches Rauschen und SETI...

Satelliten - Augen aus dem All

News des Tages

Bücher zum Thema

Geheimnisvoller Kosmos - Astrophysik und Kosmologie im 21. Jahrhundert von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr

Sterne - Wie das Licht in die Welt kommt von Harald Lesch und Jörn Müller

Astronomie - Eine Entdeckungsreise zu Sternen, Galaxien und was sonst noch im Kosmos ist von Neil F. Comins

Kosmische Kollisionen - von Lars Lindberg Christensen, Davide de Martin und Raquel Yumi Shida

Unser Fenster zum Weltraum - 400 Jahre Entdeckungen mit Teleskopen von Lars Lindberg Christensen und Govert Schilling

Hubble - Deep Space

Was zu entdecken bleibt - Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox

Der Weltraum - Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest

Die Wunder des Nachthimmels - Alles über Sternbilder, Planeten und Galaxien von Bob Berman

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige