Alpha Centauri B könnte sogar noch weitere Trabanten besitzen Astronomen entdecken erdähnlichen Planet am sonnennächsten Stern - scinexx | Das Wissensmagazin
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Alpha Centauri B könnte sogar noch weitere Trabanten besitzen

Astronomen entdecken erdähnlichen Planet am sonnennächsten Stern

Diese künstlerische Darstellung zeigt den Planeten, der den Stern Alpha Centauri B umläuft; Alpha Centauri B ist das am hellsten leuchtende Objekt im Bild, das zweithellste ist Alpha Centauri A, unsere Sonne ist oben rechts als heller Stern ebenfalls erkennbar. © ESO / L. Calçada

Der Nachbarstern der Sonne besitzt einen Planeten: Astronomen haben um den nur 4,3 Lichtjahre entfernten Stern Alpha Centauri B einen Erdzwilling entdeckt. Der Himmelskörper hat in etwa die gleiche Masse wie die Erde. Damit sei er der leichteste jemals um einen sonnenähnlichen Stern entdeckte Exoplanet. Kein anderer sei zudem unserem Sonnensystem so nahe, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Der neuentdeckte Himmelskörper umkreist seinen Stern sehr nah – er benötigt nur 3,2 Tage für einen Umlauf. Daher liegt er nicht in der sogenannten habitablen Zone – seine Oberfläche ist viel zu heiß, um lebensfreundliche Bedingungen zu bieten. Der Planet sei in dieser Beziehung daher kein echter Zwilling der Erde, betonen die Astronomen. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass es um Alpha Centauri B weitere, möglicherweise in der lebensfreundlichen Zone liegende Planeten gebe.

„Diese Entdeckung ist ein wichtiger Schritt hin zum Nachweis einer zweiten Erde in der unmittelbaren Umgebung der Sonne“, sagt Erstautor Xavier Dumusque von der Universität Genf. Alpha Centauri B erweise sich dafür als besonders vielversprechender Kandidat. Der Stern ist Teil Doppelsternsystems, das gemeinsam mit Proxima Centauri als nächster Nachbar des Sonnensystems gilt. Alpha Centauri B ist etwas kleiner und leuchtschwächer als unsere Sonne, aber gehört zum gleichen Sternentyp wie diese. Theoretische Studien hätten bereits darauf hingedeutet, dass um Alpha Centauri B ein Erdzwilling entstanden sein könnte, sagen die Forscher.

Der neuentdeckte Planet zieht seine Bahn nur 0,04 astronomische Einheiten von seinem Planeten entfernt – das entspricht gerade mal vier Hundertstel des Abstandes der Erde zur Sonne. Er besitzt nach den Berechnungen der Astronomen mindestens die 1,13-fache Masse der Erde und kommt damit unserem Heimatplaneten sehr nahe. Wie groß er ist und woraus er besteht, lasse sich aus den bisherigen Messungen aber noch nicht ableiten, sagen die Forscher. Dafür müsse man den Planeten erst direkt bei seinem Vorüberzug vor dem Stern beobachten.

Diese Grafik erklärt das Prinzip der bei der Planetensuche eingesetzen Radial-Geschwindigkeits-Methode: Die Schwerkraft des Planeten verändert je nach dessen Position die Bewegung des Sterns und damit auch die Wellenlängen des von ihm auf die Erde gelangenden Lichts - eine höhere Geschwindigkeit auf uns zu verschiebt das Licht in den blauen Bereich, eine Bewegung von uns weg in den roten. © ESO

Stern zeigte verräterische Geschwindigkeits-Schwankungen

Entdeckt haben die Astronomen den Planeten um Alpha Centauri B anhand von winzigen Veränderungen in der Bewegung des Sterns: Je nach Position bremst die Schwerkraft seines Begleiters den Stern entweder leicht ab oder beschleunigt ihn. „Ein Erdzwilling verursacht bei einem Stern wie Alpha Centauri B typischerweise Schwankungen von wenigen Zehntel Metern pro Sekunde“, erklären Dumusque und seine Kollegen. Von der Erde aus betrachtet verschiebt sich dadurch das Spektrum des eingefangenen Sternenlichts entweder leicht in den roten oder blauen Bereich.

Um so geringe Veränderungen registrieren zu können, nutzten die Astronomen den HARPS-Spektrographen am 3,6-Meter Teleskop des La Silla Observatoriums der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Mit diesem Instrument könne man anhand des Lichtspektrums eines Sterns noch Bewegungsschwankungen von 0,8 Metern pro Sekunde detektieren, berichten die Forscher. Im Falle von Alpha Centauri B sei es allerdings aufgrund zahlreicher Störfaktoren schwierig gewesen, das Planetensignal zu identifizieren. „Das

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ist ein ganz besonderer Fund. Dafür mussten wir unsere Technik bis an die Grenzen des Machbaren ausreizen“, sagt Dumusque. Allein die magnetische Aktivität des Sterns und seine Sonnenflecken beeinflussten das Spektrum des Sternenlichts sogar drei Mal stärker als die durch den Planeten verursachte Bewegungsschwankung. (doi:10.1038/nature11572)

(Nature, 18.10.2012 – NPO)

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