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„Alien“-Signal von Proxima Centauri enträtselt

Analysen enthüllen irdischen Ursprung des ungewöhnlichen Radiosignals

Parkes-RAdioteleskop
Ein vom Parkes-Radioteleskop in Australien detektiertes Radiosignal schien von Proxima Centauri zu kommen – oder doch nicht? © David McClenaghan/ CSIRO, CC-by-sa 3.0

Nicht außerirdisch: 2020 fingen Astronomen eine potenzielle Technosignatur von unserem Nachbarstern Proxima Centauri ein – ein potenzielles Radiosignal einer außerirdischen Technologie. Doch jetzt enthüllen Nach-Analysen: Das BLC1 getaufte Radiosignal ist doch irdischen Ursprungs und entstand durch die Verzerrung terrestrischer Funksignale. Nützlich ist BLC1 dennoch, weil dadurch die Checklisten und Prüfalgorithmen optimiert werden konnten, wie das Team im Fachmagazin „Nature Astronomy“ erklärt.

Im Rahmen der Projekte SETI und Breakthrough Listen lauschen Astrononen schon länger ins All hinaus, um Technosignaturen einzufangen: Radiosignale, die von einer außerirdischen Zivilisation stammen könnten. Bisher allerdings konnte keiner der wenigen Kandidaten für ein solches Signal verifiziert werden – weder das berühmte WOW-Signal von 1977, noch ein im Jahr 2015 von russischen Astronomen detektiertes Signal.

Proxima Centauri
Proxima Centauri besitzt Staubringe und zwei Planeten – kam dasBLC1-Signal von dort? © ESO/M. Kornmesser, CC-by-sa 4.0

BLC1 – ein Signal von Proxima Centauri?

Doch im Sommer 2020 gab es erneut Alarm bei den „Alien“-Suchern: Das Parkes-Radioteleskop in Australien hatte ein Signal eingefangen, das aus Richtung unseres Nachbarsterns Proxima Centauri zu kommen schien. Die für Störsender ungewöhnliche Frequenz von 982,002 Megahertz, die extrem enge Frequenzbreite von nur rund einem Hertz und eine für sich bewegende Quellen typische Drift der Frequenz im Signalverlauf entsprachen den Kennzeichen einer Technosignatur.

„Das Ereignis liegt in einem Frequenzbereich, für den keine lokalen Radiostörquellen bekannt sind, und hat viele Charakteristiken, die zu einem Sender passen könnten, der in einem anderen Sternensystem steht“, erklären der Signal-Entdecker Shane Smith von der University of California in Berkeley und seine Kollegen. Hinzu kam, dass dieses Signal immer nur eingefangen wurde, wenn das Parkes-Teleskop direkt auf Proxima Centauri gerichtet war, nicht bei den Kontrollmessungen in andere Richtungen.

Aber war das BLC1 getaufte Signal wirklich außerirdischen Ursprungs? Um das zu klären, haben Smith, seine Kollegin Sofia Sheikh und weitere Astronomen der Breakthrough Listen Initiative zunächst die Messungen mit dem Parkes-Teleskop und einem zweite Radioteleskop in Australien im Jahr 2020 und 2021 wiederholt. Doch in beiden Fällen ließen sich nach Herausfiltern aller Störquellen keine Radiosignale mit ähnlicher Frequenzdrift wie BLC1 aufspüren. Das Signal trat nicht mehr auf.

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Signal-„Klone“ in den Off-Source-Daten

Daraufhin überprüften die Astronomen noch einmal die 2019 gesammelten Rohdaten des Parkes-Teleskops. Dabei stießen sie auf vier ähnliche Signale, die zuvor wegen ihrer geringen Stärke im Störrauschen untergegangen waren und die ebenfalls auftraten, wenn das Teleskop auf Proxima Centauri gerichtet war. Noch wichtiger aber: 36 weitere, sehr ähnliche Signale traten auch während der Off-Source-Stellung des Teleskops auf – wenn dieses zu Kontrollzwecken andere Himmelsgegenden anvisierte.

„Unsere Software turboSETI hatte diese Signale zwar in einem frühen Stadium der Prüfung zunächst als Treffer markiert, sie dann aber als Störsignale verworfen, weil sie in der Off-Source-Stellung aufgetreten waren“, erklären die Forschenden. Die weitere Fahndung ergab, dass es in den Off-Source-Beobachtungen 27 weitere Radiosignale gab, die BLC1 stark ähnelten, deren Frequenzdrift aber gespiegelt war.

Verzerrte Echos elektrischer Oszillatoren

Das Entscheidende jedoch: All diese „Lookalikes“ des Rätselsignals BLC1 traten auf, wenn das Parkes-Radioteleskop von Proxima Centauri abgewandt war und stattdessen in andere Richtungen schaute. „Zudem tauchen diese Signale in regelmäßigen Abständen in den Daten auf und diese Intervalle scheinen zu einem Mehrfachen der Frequenz zu passen, die von Oszillatoren in verschiedenen gängigen Elektronikgeräten eingesetzt werden“, erklärt Sheikh.

Aus den Ergebnissen ihrer Analysen schließen die Astronomen, dass das potenzielle „Alien“-Signal BLC1 nicht kosmischen, sondern irdischen Ursprungs ist. Am wahrscheinlichsten entstand seine ungewöhnliche Frequenz und Signalgeometrie ihren Angaben zufolge durch eine intermodulare Verzerrung der Radioemissionen eines mit zwei Megahertz getakteten Uhrenoszillators. Durch die Wechselwirkung mit einigen anderen Störsignalen entstanden dann das BLC1-Signal und seine Ebenbilder.

„Alles zusammen spricht dies dafür, dass das Signal von menschlicher Technologie stammt, auch wenn wir die genaue Quelle nicht identifizieren konnten“, sagt Sheikh.

Checklisten und Prüfalgorithmen verbessert

So enttäuschend dies zunächst für die Suche nach außerirdischen Lebenszeichen scheint – für die Fahndung nach extraterrestrischen Intelligenzen sind das Signal und die Lehren daraus ein wichtiger Fortschritt, wie das Team betont. „Obwohl wir BLC1 als Störsignal einstufen, werden die Lehren aus seiner Analyse den Suchen der nächsten Jahre zugutekommen“, erklären sie. Denn auf Basis dieser Erkenntnisse konnten nun die Checkliste und Prüfalgorithmen für solche Beobachtungen ergänzt und präzisiert werden.

„Auch wenn wir bisher noch keine echte Technosignatur gefunden haben, sind wir deshalb sehr zuversichtlich, dass wir die nötigen Werkzeuge haben, um solche Signale zu detektieren und zu validieren, wenn sie existieren“, kommentiert Pete Worden, Exekutivdirektor der Breakthrough Initiativen. (Nature Astronomy, 2021; doi: 10.1038/s41550-021-01479-w; doi: 10.1038/s41550-021-01508-8)

Quelle: Breakthrough Initiatives, Nature Astronomy

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