Nächtliches Licht verrät Wohlstand von Orten und Regionen in Entwicklungsländern Wohlstandsmessung aus dem Weltall - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nächtliches Licht verrät Wohlstand von Orten und Regionen in Entwicklungsländern

Wohlstandsmessung aus dem Weltall

Blick auf das nächtliche Asien und Afrika bei Nacht. Die Lichter verraten hier, wie wohlhabend eine Region ist. © NASA/Earth Observatory, Suomi NPP

Wie wohlhabend ein Land oder eine Region ist, lässt sich sogar aus dem Orbit erkennen: Je reicher die Menschen, desto heller erleuchten ihre Lampen die Nacht. Wie erstaunlich genau diese Zuordnung funktioniert – und dass sogar in nahe beieinander liegenden Orten – belegen Forscher nun mit einer vergleichenden Studie. Allerdings: Diese beinahe ortsgenaue Messung klappt nur in Entwicklungsländern.

Wenn der Mensch die Nacht zum Tag macht: Lichtverschmutzung ist ein zunehmendes Problem in Industrieländern. 60 Prozent der Europäer bleibt deswegen bereits der Blick auf die Milchstraße verwehrt, wie jüngst eine Studie ergab. Doch auch ernsthafte Folgen wie Depressionen und Übergewicht werden mit Lichtverschmutzung in Verbindung gebracht.

Während die Industriestaaten bereits Gegenmaßnahmen diskutieren, um das nächtliche Leuchten zu verringern, sind ärmere Länder im Zuge der Industrialisierung auf dem Weg, selbst in die Lichtfalle hineinzugeraten. Dabei konnten Nils Weidmann und Sebastian Schutte von der Universität Konstanz jetzt belegen, dass in den aufstrebenden Entwicklungsländern ein direkter Zusammenhang zwischen Wohlstand und dem Grad der Lichtverschmutzung herrscht.

Vergleich von Wohlstandsindizes aus Umfragen des „Demographic and Health Survey“ (DHS) und Nachtlicht-Emissionen in Pakistan. © Universität Konstanz

Je reicher der Ort, desto heller die Nacht

Die Wissenschaftler verglichen für ihre Untersuchung die Daten aus einer Umfrage zu Demographie und Gesundheit mit Satellitendaten zur Lichtverschmutzung. In über 40 Entwicklungsländern konnten sie so anhand der Umfrageergebnisse einen Wohlstandsindex ermitteln und mit dem Ausmaß der Lichtverschmutzung abgleichen.

Das Ergebnis der Forscher ist eindeutig: Mehr Licht korreliert mit mehr Reichtum, was an der pakistanischen Stadt Hyderabad beispielhaft gezeigt werden kann. Hier entspricht die höchste Licht-Emission dem Wohlstandsindex von 4,54 auf der bis fünf reichenden Skala von arm bis reich. Eine vergleichsweise arme Region mit einem Wohlstandsindex von 1,82 zeigt hingegen wenig oder kein nächtliches Licht, wie die Forscher berichten.

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Ortsgenaue Vorhersage

Mit ihrer Studie zeigten Weidmann und Sebastian Schutte, dass Analyse von Nachtlicht-Emissionen nicht nur auf Länderebene eingesetzt werden kann, wie es bereits praktiziert wird, sondern auch innerhalb eines Landes sogar für einzelne Dörfer oder andere kleine geographische Einheiten funktioniert. „Wir können mit sehr hoher Genauigkeit vorhersagen, in welcher Rangordnung befragte Haushalte zueinander stehen“, erklärt Schutte.

Der Datenvergleich zeigt, dass die Satelliten-Methode in der Lage ist, fehlende Daten zum Wohlstand zu ergänzen, wo Umfrageergebnisse nicht vorhanden und nur schwer einzuholen sind. Besonders in Krisengebieten könnte die Auswertung der Lichtverschmutzung von Bedeutung sein, zum Beispiel um den wirtschaftlichen Schaden durch Konflikte und Kriege in bestimmten Regionen abzuschätzen.

Nicht jedes Land leuchtet gleich

Da Wohlstand und Wohlstandsunterschiede auch einen starken Einfluss auf das Konfliktrisiko haben, sind Daten zum Wohlstand einzelner Regionen auch für die Friedensforschung von Bedeutung. Mit der Satelliten-Methode haben die Wissenschaftler nun ein starkes Werkzeug, um diese schwer zu erfassende Größe verlässlich und einfach messen zu können.

Allerdings hat auch diese Methode ihre Grenzen: Im globalen Vergleich ist das Verhältnis von Wohlstand und Licht nicht mehr einheitlich, wie die Forscher betonen. In Albanien ist die Licht-Emission einer wohlhabenden Region zum Beispiel deutlich höher als in einer vergleichbar wohlhabenden Region in Liberia.

Für ein reiches Industrieland wie zum Beispiel Schweden funktioniere die Methode allerdings gar nicht, erklären die Wissenschaftler. Hier sind bewohnte Gegenden in der Nacht unabhängig von Wohlstand hell erleuchtet. (Journal of Peace Research, 2017; doi: 10.1177/0022343316630359)

(Universität Konstanz, 26.04.2017 – CLU)

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