DNA-Analysen enthüllen Ursache der von den Spaniern eingeschleppten Epidemie Waren Salmonellen schuld am Ende der Azteken? - scinexx | Das Wissensmagazin
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DNA-Analysen enthüllen Ursache der von den Spaniern eingeschleppten Epidemie

Waren Salmonellen schuld am Ende der Azteken?

Die Azteken und andere Kulturen Mittelamerikas gingen nach der Ankunft der spanischen Eroberer unter - auch, wiel diese Seuchen einschleppten. © Ulises.rubin/ CC-by-sa 3.0

Fatale Epidemie: Eine der schlimmsten Epidemien der Neuen Welt könnte durch eingeschleppte Salmonellen verursacht worden sein. Die Seuche raffte ab 1545 einen Großteil der Azteken und andere Bewohner Mittelamerikas dahin. Ihre Ursache blieb jedoch unklar. DNA-Analysen der Zähne damals Verstorbener sprechen nun dafür, dass eine Infektion mit Salmonellen der Auslöser gewesen sein könnte – eingeschleppt von den Spaniern.

Als die Spanier die Neue Welt eroberten, bedeutet dies für Millionen von Ureinwohner den Tod. Denn die Konquistadoren wüteten nicht nur mit dem Schwert, sie schleppten auch Krankheitserreger aus Europa ein, gegen die die Immunabwehr der Ureinwohner keine Chance hatte. Zwei der schlimmsten Seuchenausbrüche in der Geschichte der Neuen Welt ereigneten sich ab 1545 und ab 1576.

Millionen Tote

Diesen als „Cocoliztli“ bezeichneten Epidemien – vom aztekischen Pestilenz – fielen geschätzt sieben bis 18 Millionen Menschen zum Opfer. „In den Ortschaften und Städten wurden große Gräben gegraben und vom Morgen bis zum Abend taten die Priester nichts anderes, als die toten Körper dorthin zu tragen und die Gräben zu werfen“, berichtet ein Franziskanerpriester, der 1576 Zeuge der Epidemie wurde.

Die Bevölkerung der Ureinwohner sank durch diese Seuchen innerhalb von 100 Jahren um bis zu 95 Prozent. Welcher Krankheitserreger jedoch für diese Cocoliztli-Epidemien verantwortlich waren, blieb bisher umstritten. Einige Forscher halten ein hämorrhagisches Virus für die Ursache, andere die Pocken, Pest, Masern, Mumps oder die Grippe.

Fahndung in Zähnen der Seuchenopfer

Um den Erreger der Cocoliztli-Epidemien zu finden, haben Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und seine Kollegen nun bei Opfern der Epidemie von 1545 nach Spuren gesucht. Für ihre Studie sammelten sie Zahnproben von 24 Toten, die damals in Massengräbern auf einer Art Seuchenfriedhof im mexikanischen Oaxaca beerdigt worden waren.

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In den Zahnproben fahndeten die Forscher nach der DNA von Bakterien, die damals in Blut und Gewebe der Toten enthalten waren und in der geschützten Zahnhöhle überdauert haben könnte. Die gefundenen DNA-Fragmente verglichen sie mit dem Genom von mehr als 2.700 modernen Bakterien.

Salmonellen (rot) in menschlichem Gewebe © National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Salmonellen-DNA entdeckt

Das Ergebnis: Bei drei der Toten fanden die Krause und seine Kollegen signifikante DNA-Mengen des Erregers Salmonella enterica – den Bakterien, die noch heute gefürchtete Durchfallerkrankungen auslösen. Bei fünf weiteren Toten aus dem Seuchenfriedhof waren immerhin Spuren dieses Bakteriums zu finden, wie die Forscher berichten.

„Wir dokumentieren damit den ersten molekularen Beleg für eine mikrobielle Infektion bei mit der Epidemie assoziierten Begräbnissen aus der Zeit des ersten Kontakts mit den Spaniern“, berichten die Wissenschaftler. Nähere Analysen ergaben, dass es sich bei den Salmonellen um Vertreter des Stamms Paratyphi C handelte, einer besonders virulenten Form dieses Krankheitserregers.

Eingeschleppt durch die Konquistadoren

„Wir glauben, dass dieser Salmonellenstamm aus der Alten Welt eingeschleppt wurde“, sagen Krause und seine Kollegen. Wie eine frühere Studie bereits belegt hat, existierte dieser Stamm spätestens seit 1200 in Europa. Zudem ist bekannt, dass einige mit diesem Bakterium infizierte Menschen dieses auch ohne Symptome lange mit sich herumtragen können und so unwissentlich zu Seuchenüberträgern werden.

„Es ist daher durchaus vorstellbar, dass einige Spanier als asymptomatische Träger diese Salmonellen aus Europa zu den mesoamerikanischen Populationen des 16. Jahrhunderts brachten“, sagen die Forscher. Zwar erkrankten auch Spanier an der Seuche, die sie „Pujamiento de Sangre“ nannten. Während sie die Krankheit aber häufig überstanden, hatten die nicht an Salmonellen gewöhnten Ureinwohner den Erregern wenig entgegenzusetzen und starben.

Gefördert wurde die Seuchenausbreitung wahrscheinlich noch durch die Zerstörung der indianischen Infrastruktur durch die Konquistadoren und vermehrte Dürren zu jener Zeit. „Diese Veränderungen könnten die Hygienemaßnahmen gestört und damit die Übertragung der Salmonellen erleichtert haben“, so die Forscher. (Preprint, bioRxiv)

(nature news / bioRxiv, 21.02.2017 – NPO)

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