Eis reagiert stärker auf Klimaerwärmung als bisher angenommen Schnellster Gletscher verdoppelt Geschwindigkeit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eis reagiert stärker auf Klimaerwärmung als bisher angenommen

Schnellster Gletscher verdoppelt Geschwindigkeit

Rückzug des Jakobshavn Glacier zwischen 2001 und 2003 © NASA/USGS

Der schnellste Gletscher der Welt, der Jakobshavn Isbrae auf Grönland, hat zwischen 1997 und 2003 seine Fließgeschwindigkeit verdoppelt. Das ist das Ergebnis einer neuen, jetzt in Nature veröffentlichten Studie. Gleichzeitig deckt sie auch bisher unbekannte Zusammenhänge zwischen Packeis, dem Meeresspiegelanstieg und der Klimaerwärmung.

Der Jakobshavn Isbrae ist der größte Gletscher Grönlands, er nimmt 6,5 Prozent der gesamten Eisfläche des Landes ein. Messungen unter anderem von Satelliten zeigen, dass die Fließgeschwindigkeit des Gletschers sich von 1985 noch 6.700 Metern pro Jahr auf 5.700 Meter pro Jahr in 1992 zunächst verlangsamt hat. Doch ab 1997 kehrte sich dieser Trend durch zunehmendes Tauen dramatisch um und der Eisfluss beschleunigte immer weiter, bis er im Frühjahr Rekordwerte von 12.600 Metern erreicht hatte.

“In vielen Klimamodellen gelten Gletscher als nur langsam auf Klimaveränderungen reagierend“, erklärt Ian Joughin, Hauptautor der Studie und Glaziologe an der Universität von Washington. „In dieser Untersuchung sehen wir eine Verdopplung weit über das hinaus, was die meisten Modelle vorhersagen würden. Die Eisdecken können offensichtlich dramatisch und schnell auf Klimaveränderungen reagieren.“

Schnelle Eiswanderung © NASA/USGS

Durch den stärkeren Eiseinstrom vom Land in den Ozean hat sich auch der Meeresspiegelanstieg in dieser Zeitperiode beschleunigt. Rund 0,6 Millimeter pro Jahr – oder rund vier Prozent des gesamten Meeresspiegelanstiegs gehen nach Berechnungen der Forscher auf das Konto des Jakobshavn Isbrae. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die plötzliche Beschleunigung mit einer starken Ausdünnung des Eises um bis zu 15 Meter einherging. Gleichzeitig zog sich auch die Gletscherzunge, der Teil des Gletschers, der in das Meer hineinragt, ab dem Jahr 2000 deutlich zurück und begann in Stücke zu brechen. Im Mai 2003 war sie fast vollständig verschwunden.

“Dieses Ergebnis deutet auf ein Potenzial für ein weiteres starkes Ausdünnen auch anderer Gletscher in Grönland hin”, erklärt Waleed Abdalati, Koautor und Forscher am Goddard Space Flight Center der NASA. „Andere Gletscher sind um mehr als einen Meter pro Jahr dünner geworden – unserer Meinung nach zu viel um nur mit einer Schmelze erklärt zu werden.. Wir glauben, dass es einen dynamischen Effekt gibt, durch den die Erwärmung die Gletscher schneller werden lässt.“

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(NASA, 02.12.2004 – NPO)

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