Mehr Gleichberechtigung im Rudel als bei zeitgleich lebenden Amerikanischen Löwen Säbelzahnkater waren keine Machos - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mehr Gleichberechtigung im Rudel als bei zeitgleich lebenden Amerikanischen Löwen

Säbelzahnkater waren keine Machos

Keine Paschas: Säbelzahnkatzen © Mauricio Antón / UCLA

Trotz ihrer Angst einflößenden Reißzähne waren Säbelzahnkatzen-Männchen in ihrem Rudel vermutlich eher Schmusekater als aggressive Paschas. Das zeigt ein Vergleich der geschlechtsbedingten Größenunterschiede von Säbelzahnkatzen und dem zeitgleich lebenden Amerikanischen Löwen. Währen bei letzterem die Männchen deutlich größer waren als ihre Weibchen, herrschte bei den Säbelzahnkatzen Geschlechtergleichheit – und dies vermutlich nicht nur in Bezug auf die Körpergröße, wie Forscher jetzt im „Journal of Zoology“ berichten.

In Tierarten, in denen die Männchen um Weibchen kämpfen, haben die schwereren Männchen meist Vorteile im Kampf. Als Folge entwickeln sich im Laufe der Evolution bei diesen Arten oft ausgeprägte Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern, weil die Männchen immer größer werden. Ein solcher Dimorphismus existiert bei den meisten heute lebenden Großkatzen. Aber wie sieht es mit deren ausgestorbenen Vorfahren aus? Genau das haben jetzt Wissenschaftlerinnen des National Evolutionary Synthesis Center in Durham und der Loyola Marymount Universität in Los Angeles untersucht.

Fossile Zähne als Indizien

Ihre Forschungsobjekte: Fossile Zähne der Säbelzahnkatze Smilodon fatalis, die von vor 1,6 Millionen Jahren bis noch vor rund 10.000 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent lebte, und einer weiteren dort lebenden Raubkatzenart, dem Amerikanischen Löwen. Die Wissenschaftlerinnen nutzten deshalb Zähne statt Skeletten, weil nur dies gewährleistet, dass die untersuchten Relikte wirklich komplett ausgewachsenen Männchen und Weibchen angehören.

Die Forscherinnen röntgten die Unterkiefer und Zähne von 13 Amerikanischen Löwen und 19 Säbelzahnkatzen, die in den La Brea Tar Pits in Los Angeles gefunden worden waren. Sie maßen dann den Durchmesser der Zahnhöhlen und setzten es für jede Art ins Verhältnis zur Kieferlänge. „Zähne füllen sich im Laufe der Zeit“, erklärt Wendy Binder von der Loyola Marymount Universität. „In jungen Tieren ist die Zahnhöhle fast vollständig hohl, wenn sie dann älter werden, füllt sie sich im Dentin auf. Das gibt einem zwar nicht das exakte Alter, erlaubt aber eine relative Einordnung in jung, mittelalt oder alt.“

Amerikanische Löwen waren aggressive Paschas

Die Auswertung der Daten ergab für den Amerikanischen Löwen ein ähnliches Bild wie für seine heutigen Nachfahren: Es zeigten sich unabhängig vom Alter zwei Gruppen: „die kleinen waren die Weibchen, die großen die Männchen“, so die Forscherinnen. Der Größenunterschied war dabei sogar noch ausgeprägter als ihren nächsten rezenten Verwandten, den Afrikanischen Löwen. „Bei Afrikanischen Löwen gibt es aggressive Übernahmen, bei denen eines oder mehrere Männchen eine ganzes Rudel erobern – die Männchen haben dabei oft sogar Kämpfe bis zum Tode“, erklärt Julie Meachen-Samuels vom National Evolutionary Synthesis Center.

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Nach Ansicht der Forscherinnen lebten die Amerikanischen Löwen vermutlich in von Männchen dominierten Gruppen, in denen ein oder zwei Männchen sich jeweils mit mehreren Weibchen paarten. „Meiner Vermutung nach war der Amerikanische Löwe darin ähnlich dem Afrikanischen, bei dem Männchen Gruppen von Weibchen führen“, so Meachen-Samuels.

Gleichberechtigung bei Säbelzahnkatzen

Überraschend war jedoch das Ergebnis für die Säbelzahnkatzen: Denn ihre Zähne enthüllten, dass hier Größenunterschiede allein durch das Alter bestimmt wurden – unabhängig vom Geschlecht des Tieres. Offenbar waren damals männliche Exemplare äußerlich von ihren weiblichen Gegenparts nicht unterscheidbar. Nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen deutet dieser fehlende Geschlechtsdimorphismus auf ein sehr viel weniger aggressives Verhalten der Säbelzahnkater hin. „Statt Männchen mit einem Harem von Weibchen, waren hier Männchen und Weibchen in der Gruppe sehr viel gleichberechtigter“, so Binder.

(Duke University, 09.11.2009 – NPO)

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