Fehlende Schneedecke nimmt vielen Kleintieren ihre winterliche Kälteisolation Klimawandel erhöht winterliche Frostgefahr - scinexx | Das Wissensmagazin
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Klimawandel erhöht winterliche Frostgefahr

Fehlende Schneedecke nimmt vielen Kleintieren ihre winterliche Kälteisolation

Maus im Schnee
Viele Nagetiere suchen im Winter Schutz unter der isolierenden Schneedecke – doch die bleibt immer häufiger aus. © BushAlex/ iStock

Paradoxer Effekt: Die globale Erwärmung könnte viele Tiere dem winterlichen Frosttod aussetzen. Denn weil im Winter immer weniger Schnee fällt, fehlt die isolierende Decke, unter viele Insekten, Nagetiere und andere Tiere vor der Kälte Schutz suchen. Allein in den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke in den gemäßigten Breiten von 40 auf 35 verringert, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ berichten.

Der winterliche Schnee ist nicht nur schön anzusehen – er hat auch eine wichtige Schutzfunktion für die Tier- und Pflanzenwelt. Er isoliert den darunterliegenden Boden gegen die Kälte und bietet so vielen Organismen geschützte Refugien zum Überwintern.

Schneefall versus Frostgefahr

Doch wie verändert sich dieses sogenannte Subnivium mit dem Klimawandel? Prognosen zufolge könnten die Winter zwar vielerorts milder werden, gleichzeitig sorgen Veränderungen beim polaren Jetstream aber dafür, dass Europa und der Norden Russlands sogar stärkere Kälteperioden erleben. Verschiebungen bei den Niederschlägen reduzieren zudem den Schneefall in vielen Regionen, bringen einigen Gebieten wie dem Westen Alaskas dagegen sogar mehr Schnee.

Bisher war offen, wie sich der Klimawandel in Bezug auf die Frostgefahr für die im Subnivium lebenden Tiere bemerkbar macht: Wird es häufiger freiliegende, gefrorenen Böden geben oder gleicht der fortschreitende Klimawandel den fehlenden Schnee durch milderes Wetter aus? Um das herauszufinden, haben Likai Zhu von der Universität Linyi in China und seine Kollegen weltweite Temperatur- und Satellitendaten der Zeit von 1982 bis 2014 ausgewertet.

Mehr Frosttage mit unbedecktem Boden

Das Ergebnis: Die Dicke und Dauer der winterlichen Schneebedeckung hat in den letzten 30 Jahren in vor allem in den gemäßigten Breiten deutlich abgenommen. Betroffen sind unter anderem Mittel- und Osteuropa, aber auch der Norden Russlands, die Mongolei und Teile Nordamerikas, wie Zhu und sein Team berichten. Dadurch erhöhte sich in diesen Regionen auch die Zahl der Wintertage mit freiliegenden, aber trotzdem gefrorenem Boden.

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Ursache dafür ist den Forschern zufolge primär die Veränderung der Wintertemperaturen: Weil es zwischendrin häufiger frostfreie Wintertage gibt, taut der zuvor gefallene Schnee. Wird es dann wieder frostig kalt, ist der freigetaute Boden der Kälte ungeschützt ausgesetzt. „Der Hauptgrund für diesen Trend ist das Wärmerwerden der Winter, nicht so sehr eine Veränderung der winterlichen Niederschläge“, berichten Zhu und sein Team.

„Funktional kälter“

Dieser Trend zu weniger Schnee und stellenweise mehr frostigem Boden könnte sich in Zukunft fortsetzen. Den Prognosen der Forscher zufolge wird sich die Zahl der Wintertage mit einer Schneedecke global von bisher rund 136 Tagen auf nur noch 110 Tage in der Zeit von 2071 bis 2100 verringern. In den gemäßigten Breiten steigt dadurch die Zahl der Tage mit freiliegenden gefrorenen Böden von 35 auf 45 Tage. „Die größten Veränderungen erwarten wir dabei zwischen dem 40. und 50. nördlichen Breitengrad in Nordamerika und Asien, so die Wissenschaftler.

Paradoxerweise könnten demnach gerade die durch den Klimawandel milder werdenden Winter viele Tiere im Winter verstärkt Frost und Kälte aussetzen – für sie wird es im Winter funktional kälter. „Arten mit geringen Ausweichmöglichkeiten, darunter vielen Insekten, Nagetieren, Bodenmikroben und Pflanzen, werden gegenüber diesen Veränderungen des Subniviums besonders anfällig sein“, erklären die Forscher. Einige Pflanzenfresser wie Rehe könnten dagegen vom fehlenden Schnee profitieren, weil sie dadurch auch im Winter besser an Futter kommen. (Nature Climate Change, 2019; doi: 10.1038/s41558-019-0588-4)

Quelle: Nature Climate Change

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