“Brennendes Eis” in nur 50 bis 120 Meter Sedimenttiefe entdeckt Gashydrat auch in geringer Tiefe - scinexx | Das Wissensmagazin
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“Brennendes Eis” in nur 50 bis 120 Meter Sedimenttiefe entdeckt

Gashydrat auch in geringer Tiefe

Gashydrat aus geringen Tiefen © IODP

Gashydrate bilden sich offenbar in weitaus geringerer Tiefe als bisher angenommen. Das hat ein internationales Wissenschaftlerteam während einer Bohrexpedition des Integrated Ocean Drilling Program (IODP) vor Kanadas Westküste entdeckt. Die Forscher stießen schon in 50 bis 120 Metern Tiefe unter dem Meeresboden auf die eisähnliche Methangas-Verbindung.

Im Fachmagazin EOS berichten die Forscher um Michael Riedel von der McGill Universität in Montreal über ihren Fund, der das Wissen um die Entstehung, aber auch die Risiken des Gashydrats deutlich erhöht. Die Mischung aus Methangas und anderen Gasen wie Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff mit Wasser ist sehr energiereich, aber auch sehr instabil: Es kann schon bei geringen Änderungen des Drucks oder der Temperatur plötzlich ausgasen und so ganze Hänge des Meeresbodens zum Abrutschen bringen. Aufsteigende Methangasblasen wiederum transportieren große Mengen des hochwirksamen Treibhausgases in die Atmosphäre und können möglicherweise so das Klima anheizen.

Das internationale Team an Bord des Bohrschiffs JOIDES Resolution hatte die Gashydrate bei einer Bohrexpedition im Herbst 2005 in der Cascadia Region vor der Küste Westkanadas in überraschend geringer Sedimenttiefe entdeckt. „Wir fanden unnormale Vorkommen von hohen Konzentrationen des Gashydrats in relativ niedrigen Tiefen, 50 bis 120 Meter unter dem Meeresboden“, erklärt Riedel. Da Gashydrate nur unter hohem Druck und niedrigen Temperaturen stabil sind, kommen sie typischerweise in deutlich größeren Sedimenttiefen von einigen hundert Metern vor. Eine Ausnahme bilden nur Permafrostregionen und kalte Quellen direkt am Meeresboden.

Die jetzigen Funde geben auch einen neuen Einblick in die Entstehungsmechanismen des Hydrats: Vor der Bohrung hatten die Wissenschaftler nicht nur eine größere Tiefe, sondern auch eine gleichmäßigere Verteilung des Gashydrats im feinkörnigen Sediment erwartet. Doch die Funde deuten auf einen anderen Zusammenhang hin: „Nachdem wir wiederholt hohe Konzentrationen des Gashydrats in sandreichen Schichten des Sediments gefunden haben, sehen wir darin eine starke Bestätigung für die Korngröße des Sediments als kontrollierenden Faktor in der Gashydratbildung“, so Timothy S. Collett vom US Geological Survey.

(IODP, 22.08.2006 – NPO)

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