Wissenschaftler finden erstaunlich gut erhaltene Fossilien einer neuen Muschelkrebsart Brutpflege bereits vor 450 Millionen Jahren - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wissenschaftler finden erstaunlich gut erhaltene Fossilien einer neuen Muschelkrebsart

Brutpflege bereits vor 450 Millionen Jahren

Der Muschelkrebs Luprisca incuba, mit sichtbaren Beinen und Eiern, aus 450 Millionen Jahre altem Gestein aus dem US-Bundesstaat New York. © Siveter et al.

Henne oder Ei? Die Frage sollte neu gestellt werden: Muschelkrebse kümmerten sich bereits vor 450 Millionen Jahren um ihre Eier und betrieben Brutpflege, lange bevor es überhaupt Vögel gab. Muschelkrebse gehören zu den häufigsten Fossilien überhaupt, und sind eine wichtige Informationsquelle für Paläontologen. Bei dem jetzigen Fund handelt es sich um die ältesten bislang bekannten Fossilien dieser Klasse, wie die Wissenschaftler im Journal „Current Biology“ berichten.

Fossilien von Muschelkrebsen erscheinen auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär: Sie gleichen Körnchen von wenigen Millimetern Größe. Durch ihren Panzer aus zwei Halbschalen ähneln sie winzigen Miesmuscheln – daher der Name. Diese Schalen bleiben jedoch außerordentlich gut erhalten, weshalb Muschelkrebse mit Abstand die häufigsten Fossilien aller Gliederfüßer darstellen. Da solche Fossilien einen Zeitraum von vor mehr als 400 Millionen Jahren bis in die heute Zeit umspannen, liefern sie Paläontologen unter anderem Informationen über das Alter von Gesteinsschichten oder das Klima vergangener Epochen.

Extrem seltene Ausnahme

Das Team um David Siveter von der britischen University of Leicester hat im US-Bundesstaat New York 450 Millionen Jahre alte Fossilien von Muschelkrebsen aus der Zeit des Ordoviziums gefunden. Sie sind damit 25 Millionen Jahre älter als die bisher ältesten Fossilien dieser Klasse. Der Fund ist ein echter Glücksfall für die Paläontologen: Die Fossilien sind so gut erhalten, dass bei einigen Exemplaren im Inneren des Krebspanzers ein Gelege von Eiern erkennbar ist. Solche Fossilien sind extrem selten.

Siveter ist hocherfreut über diesen Fund: „Es gibt nur eine Handvoll Beispiele, wo fossilierte Eier den Eltern zugeordnet werden können“, erklärt der Geologe. „Diese Entdeckung verrät uns, dass diese uralten winzigen Meereskrebse sich auf besondere Art um ihre Brut kümmerten, genauso wie ihre heute lebenden Verwandten.“ Die Strategie, den Nachwuchs zu schützen anstatt die Eier einfach ins Wasser abzugeben, hat sich demnach über mindestens 450 Millionen Jahre erhalten. Die Wissenschaftler lehnten daher den Namen der neuen Art, Luprisca incuba, an die antike römische Göttin Lucina an, der Schutzpatronin der Geburtshilfe.

Fotographie und Röntgen-Tomographische Aufnahme von Luprisca incuba, mit Eiern an der Rückseite und Beinen an der Vorderseite des Tieres. (Eier und geschlüpfte Individuen in gelb) © Siveter et al.

Röntgenuntersuchung zeigt verborgene Details

Möglich ist diese Entdeckung durch einen weiteren glücklichen Umstand: Weil die Fossilien in Pyritgestein konserviert sind, können die Forscher mit Hilfe von Röntgen-Tomographie auch verborgene Details im Inneren der Schalen entdecken. Nicht nur die Gliedmaßen der Krebse sind so erkennbar, auch die Weichteile sind bei einigen Krebsen zu sehen. Dies ist bei Fossilien die absolute Ausnahme. Neben ungeschlüpften Eiern identifizierten die Forscher auch möglicherweise frisch geschlüpfte Jungtiere, die noch unter dem Panzer der Mutter lebten. Selbst ein Ei, das sich noch im Eierstock befindet, ist zu sehen.

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Die prähistorischen Muschelkrebse lebten in einem sauerstoffarmen Meeresgebiet an der Küste des nordamerikanischen Urkontinents. Wie ihre modernen Verwandten bewegten sie sich wahrscheinlich kriechend und schwimmend über den Meeresboden und ernährten sich von abgestorbenen Tieren und Pflanzen und von der Jagd auf andere Kleinstlebewesen. Heute lebende Muschelkrebse sind etwa einen halben bis zwei Millimeter groß. Geschätzte 10.000 bis 15.000 Arten leben in Seen, Flüssen und Ozeanen auf der ganzen Erde.

(Current Biology, 2014; doi: 10.1016/j.cub.2014.02.040)

(University of Leicester, 14.03.2014 – AKR)

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