Wasserrisiko-Atlas zeigt Hotspots des Wassermangels 17 Länder stehen kurz vor dem "Day Zero" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wasserrisiko-Atlas zeigt Hotspots des Wassermangels

17 Länder stehen kurz vor dem „Day Zero“

Wassermangel
17 Länder leiden unter extremen Wasserstress, vielen weiteren droht ebenfalls ein Wassermangel. © cinoby/ iStock

Wasseralarm: Einem Viertel der Weltbevölkerung droht akuter Wassermangel, wie ein neuer Wasserrisiko-Atlas enthüllt. Denn sie leben in einem der 17 Länder, die schon ohne Dürren oder Hitzewellen 80 Prozent ihres Grund- und Oberflächenwassers ausschöpfen. Dazu gehören vor allem Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas, aber auch Indien, Pakistan und San Marino. Doch die europäischen Mittelmeerländer stehen ebenfalls unter erheblichem Trockenstress, wie die Forscher berichten.

2017 musste Rom erstmals sein Wasser rationieren, 2018 stand Kapstadt kurz vor dem „Day Zero“, dem Abschalten der Wasserversorgung, und in diesem Jahr steht die nordindische Millionenstadt Chennai vor leeren Wasserreservoiren: Weltweit geraten immer mehr Regionen in den Wassernotstand – und dies gilt nicht mehr nur für traditionell aride Gebiete. Hauptursache dafür ist die steigende Übernutzung von Grundwasser und Oberflächenreservoiren durch Bewässerung, Industrie und Kommunen.

Wie es um die Wasserversorgung weltweit steht, haben nun Wissenschaftler des World Resources Institute (WRI) in Washington ermittelt. Ihr neuer Wasserrisiko-Atlas zeigt für 189 Länder, in welchem Verhältnis die Wasserentnahme zu Wassernachschub und Grundwasservorräten steht – und wie hoch dadurch das Risiko für Trockenheit und Wassermangel ist.

Wasserrisiko-Atlas
Wasserrisiko-Atlas: Diese Karte zeigt den Wasserstress von 189 Ländern. © World Resources Institute (WRI)

Wasserverbrauch verdoppelt

„Wasserstress ist die größte Krise, über die kaum jemand spricht“, sagt Andrew Steer, Leiter des World Resources Institute. „Seine Folgen in Form von Hunger, Konflikten, Migration und finanzieller Unsicherheit sind jedoch nicht zu übersehen.“ Wie er und sein Team ermittelt haben, hat sich der weltweite Wasserverbrauch seit den 1960er Jahren mehr als verdoppelt. Die Ressourcen jedoch sind nicht mitgewachsen.

Der Atlas enthüllt: In 17 Ländern ist der Wasserstress extrem hoch – ein Viertel der Weltbevölkerung ist davon betroffen. In diesen Ländern werden schon in einem normalen Jahr 80 Prozent der verfügbaren Wasserressourcen verbraucht. Kommt dann jedoch eine Hitzewelle oder längere Trockenzeit hinzu, droht ein dramatischer Wassermangel. Zudem steigt auch in diesen Gebieten der Wasserbedarf weiter an.

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Naher Osten und Nordindien besonders betroffen

Zu den 17 Ländern gehören vor allem Länder des Nahen Ostens und Nordafrika. Hier nähert sich die Wasserknappheit vielerorts einem „Day Zero“, dem Zeitpunkt, zu dem fließendes Wasser nicht mehr verfügbar sein wird. Darunter sind die arabischen Golfstaaten, Israel, Jordanien, der Libanon, Libyen, Botswana und Eritrea. Aber auch der kleine Mittelmeerstaat San Marino, Turkmenistan sowie Indien und Pakistan gehören dazu.

In besonderem Maße ist Nordindien betroffen, wie die Forscher berichten. Hier sind die Grundwasservorräte nahezu erschöpft. „Die aktuelle Wasserkrise in Chennai hat globale Aufmerksamkeit erregt, aber auch viele andere Gebiete in Indien erfahren chronischen Wasserstress“, sagt Shashi Shekhar vom WRI Indien. Indien steht an 13. Stelle auf der Liste der extrem von Wassermangel gefährdeten Länder, umfasst aber dreimal so viele Menschen wie die restlichen 16 Länder dieser Kategorie.

Wasserstress auch in Europa

Doch auch Europa ist betroffen: In der Kategorie der Länder mit hohem Wasserstress – Ränge 18 bis 44 auf der Liste – sind auch einige europäische Länder vertreten. Sie schöpfen im Schnitt rund 40 Prozent ihrer verfügbaren Wasserressourcen aus. Unter ihnen sind viele Mittelmeerländer wie Italien, Portugal, Spanien und Griechenland. Aber auch einige Balkanstaaten und erstaunlicherweise Belgien sind hier vertreten.

Eine ebenfalls bedenkliche Entwicklung sehen die Forscher in weiteren Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Bewässerung wie dem Westen der USA, China oder Süd- und Westindien. Und selbst in Deutschland sind inzwischen regionale Konkurrenzen um die Ressource Wasser keine Seltenheit mehr.

Wiedernutzen statt verschwenden

Nach Ansicht der Wissenschaftler vom WRI könnte ein Großteil der Wasserprobleme durch eine effizientere Nutzung der vorhandenen Ressourcen vermieden werden. Dazu gehöre vor allem eine konsequentere Wiederverwendung von Abwasser. So werde in den arabischen Golfstaaten zwar 84 Prozent allen Abwassers gesammelt und aufbereitet, aber nur 44 Prozent werden auch wiedergenutzt.

Ähnlich sieht es auch Wasserexperte Engelbert Schramm vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE): „Wenn wir bei der weltweiten Wasserversorgung niemanden zurücklassen wollen, wie die Vereinten Nationen das in den Nachhaltigkeitszielen erklärt haben, müssen wir Wasser konsequent mehrfach nutzen“, sagt er. „Anstatt meist mit Zwangsumsiedlungen verbundene Talsperren zu bauen oder die letzten Grundwasserressourcen zu erschließen, die sich zudem teilweise nur sehr langsam erneuern, müssen wir Abwasser als zusätzliche Wasserressource etablieren. Damit können wir den Druck auf den natürlichen Wasserkreislauf deutlich verringern.“

Quelle: World Resources Institute (WRI)

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