Phtalate wirken schon auf das Ungeborene im Mutterleib Weichmacher fördern Neurodermitis bei Kindern - scinexx | Das Wissensmagazin
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Phtalate wirken schon auf das Ungeborene im Mutterleib

Weichmacher fördern Neurodermitis bei Kindern

Neurodermitis-Ausschlag bei einem Kleinkind © Bernd Untiedt / CC-by-sa 3.0

Der in Bodenbelägen vorkommende Weichmacher Butylbenzylphthalat erhöht das Risiko von Kindern, an Neurodermitis und anderen Ekzemen zu erkranken. Der Schadstoff wirkt dabei schon im Mutterleib auf den kindlichen Organismus. Das haben US-amerikanische Forscher bei einer Studie mit 407 schwangeren Frauen herausgefunden. Hatten die Schwangeren höhere Werte des Weichmachers im Urin, stieg das Erkrankungsrisiko ihrer Kinder um mehr als 50 Prozent. Diese litten in den ersten zwei Lebensjahren deutlich häufiger an den juckenden Hautauschlägen als die Kinder von weniger stark belasteten Schwangeren. Erstmals habe man damit einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Weichmachern im Mutterleib und Neurodermitis nachgewiesen, berichten die Forscher im Fachmagazin „Environmental Health Perspectives“.

„Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn Hautekzeme sind eine häufige und unangenehme Erkrankung bei kleinen Kindern“, sagt Studienleiterin Rachel Miller vom Columbia University Medical Center in New York. Neurodermitis, auch als atopisches Ekzem bezeichnet, tritt am häufigsten in den ersten beiden Lebensjahren auf. Die Krankheit äußert sich durch rote, trockene und juckende Stellen auf der Haut. „Dass erbliche Faktoren, Allergene und Tabakrauch Neurodermitis bei Kindern fördern, war schon bekannt „, sagt Miller. Jetzt wisse man, dass auch die pränatale Belastung mit Weichmachern ein Risikofaktor sei.

Der Weichmacher Butylbenzylphthalat ist in Kinderspielzeug, Babyartikeln und Kosmetika seit 2005 in der EU verboten. In PVC-Böden, aber auch in Kunstledermöbeln und Verpackungs- und Isoliermaterial kommt er jedoch noch immer vor. Aus diesen Materialien wird der Weichmacher allmählich an die Luft abgegeben, wie die Forscher berichten. Schwangere Frauen können daher den Schadstoff mit dem Atmen aufnehmen.

Wirkmechanismus noch unklar

Auf welche Weise der Weichmacher den kindlichen Organismus im Mutterleib beeinflusst, ist noch unklar. Die Forscher vermuteten zunächst, dass der Weichmacher das allgemeine Allergierisiko erhöht haben könnte. „Wir wissen, dass Allergien bei einigen Kinder-Ekzemen eine Rolle spielen“, sagt Miller. Sie und ihre Kollegen testeten daher die Reaktion der Kinder auf drei typische Allergieauslöser in Innenräumen: Hausstaubmilben, Schaben und Mäusedreck. Auch den Wert von Immunglobulin E, einem Marker für eine allergietypische Immunreaktion, analysierten sie. Man habe aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Butylbenzylphthalat und Allergien gefunden, sagen die Forscher. Kinder, die im Mutterleib hohen Weichmacher-Werten ausgesetzt waren, reagierten nicht häufiger allergisch als die geringer belasteten.

Für ihre Studie hatten die Forscher die Butylbenzylphthalat-Belastung von 407 schwangeren Frauen in New York City untersucht. Sie analysierten dafür Urinproben im letzten Schwangerschaftsdrittel der Frauen. Bei allen Frauen bis auf eine wiesen die Wissenschaftler den Weichmacher im Urin nach. Die Höhe der Belastung variierte allerdings stark. Ob das Kind nach der Geburt und bis zu seinem zweiten Lebensjahr ein Ekzem entwickelte, ermittelten die Wissenschaftler durch Befragung der Mütter und Untersuchung der Kinder. (doi: doi:10.1289/ehp.1104544)

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(Environmental Health Perspectives, 27.06.2012 – NPO)

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