Der Duft von Frauentränen lässt Männer die Lust am Sex verlieren Tränen transportieren chemische Signale - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der Duft von Frauentränen lässt Männer die Lust am Sex verlieren

Tränen transportieren chemische Signale

Tränen weinender Frauen werden gesammelt © Weizmann Institute

Dass der Anblick von Tränen uns emotional beeinflusst, ist nichts Neues. Doch jetzt haben Forscher herausgefunden, dass Tränen auch chemische Signale aussenden. Wie sie in „Science“ berichten, dämpft schon der – nicht bewusst wahrnehmbare – Geruch weiblicher Tränen bei Männern die sexuelle Erregung. Ob dies auch im umgekehrten Fall so ist, ist bisher nicht geklärt, ebensowenig die Frage, welche Komponente für diese Wirkung verantwortlich ist.

Bei vielen Tieren und auch beim Menschen spielt der Geruch von Körperflüssigkeiten eine wichtige Rolle als Vermittler von chemischen Signalen. Vom menschlichen Schweiß ist beispielsweise bekannt, dass der Geruch einiger Inhaltsstoffe von anderen Menschen unbewusst wahrgenommen wird und eine emotionale Reaktion auslöst. Bei Mäusen enthalten auch die Tränen spezifische chemische Botenstoffe, die anderen Mäusen Informationen übermitteln. Aber könnte dies auch für menschliche Tränen der Fall sein?

Tränen sind geruchlos – oder?

Bekannt war bisher nur, dass durch Emotionen ausgelöste Tränen eine andere chemische Zusammensetzung haben als die Tränen, die nur der Reinigung des Auges dienen, beispielsweise von einem Fremdkörper. Aber wie sollte ein chemisches Signal wahrgenommen werden? Tränen sind geruchslos – so schien es bisher jedenfalls. Jetzt jedoch haben Wissenschaftler des Weizman Instituts in Israel herausgefunden, dass Tränen tatsächlich chemische Signale senden und dass diese unbewusst auch wahrgenommen werden.

Der erste Experiment der Forscher um Shani Gelstein und Noam Sobel, Professor für Neurobiologie am Weizman Institut, schien zunächst die Geruchslosigkeit der Tränen zu bestätigen: Die Wissenschaftler sammelten zunächst Tränen von weiblichen Probanden, die diese beim Anschauen eines traurigen Films vergossen. Dann ließen sie männliche Freiwillige an Proben dieser Tränen und an Proben von Salzwasser schnuppern und die Tränen zu identifizieren. Die Männer lagen dabei genauso oft falsch wie richtig: Sie rochen keinen Unterschied.

Proband mit Tränenpad unter der Nase © Weizmann Institute

Der Duft weiblicher Tränen macht Frauen weniger attraktiv

In einem zweiten Experiment wurde den männlichen Probanden ein Pflaster unter die Nasen geklebt, das entweder mit einer weiblichen Tränenprobe oder mit Salzwasser getränkt war. Damit ausgerüstet sollten sie auf einem Computerbildschirm gezeigte Bilder von Frauengesichtern nach verschiedenen Kriterien bewerten. In diesem doppelblinden Versuch wussten weder die durchführenden Forscher noch die Probanden, welche Proben gerade im Spiel waren. Am nächsten Tag wurden die Versuche mit anderer Proben-Probanden-Kombination wiederholt.

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Das Ergebnis: Wenn es darum ging, die im Bild ausgedrückten Gefühle der Frauen einzuschätzen, unterschieden sich die Bewertungen der Probanden nicht: Ob Tränen oder Salzwasser, das Urteil darüber, ob das Gesicht traurig oder mitleidig schaute, zeigte keinerlei Beeinflussung. Anders sah es dagegen aus, wenn die Probanden gebeten wurden, den Sex-Appeal der Frauen einzuschätzen. Die Männer, die weibliche Tränen rochen, stuften die abgebildeten Frauen tendenziell immer etwas weniger attraktiv ein als ihre Salzwasser-Kollegen.

Kein Effekt auf emotionale Stimmung

Um diesen Effekt weiter zu untersuchen, schlossen die Wissenschaftler ein weiteres Experiment an, bei dem die Probanden – wieder unter dem Einfluss von Tränen oder Salzwasser – gefühlvolle Filme anschauten. Während des Films wurden sie gebeten, ihre subjektive Stimmung einzuschätzen, gleichzeitig wurden physiologische Parameter wie Hauttemperatur und Puls gemessen. Das Ergebnis zeigte, dass die Tränen auf die Gefühlslage offenbar keinen Einfluss hatten. Die Teilnehmer mit der Tränenprobe stuften ihre Stimmung, beispielsweise bei traurigen Filmen, nicht emotionaler oder trauriger ein als die Salzwasser riechenden Probanden.

Sexuelle Erregung physiologisch gedämpft

Doch in einem Punkt zeigten sich deutliche Unterschiede: Die Tränen-Probanden stuften ihre sexuelle Erregung bei entsprechenden Filmszenen als durchschnittlich etwas geringer ein als die Kontrollgruppe. In ihren unbewussten körperlichen Reaktionen fiel die Reaktion noch klarer aus: Alle physiologischen Anzeichen für Erregung waren deutlich gedämpft. Auch der im Blut gemessenen Spiegel des Geschlechtshormons Testosteron war bei den Männern niedriger, die die weiblichen Tränen rochen.

Ein viertes Experiment zeigte, dass sich dieser Effekt auch im Gehirn manifestierte: Bei diesem lagen die Probanden während der Filmsession in einem Gerät zur funktionellen Magnetresonanztomografie. Die Messungen ergaben eine deutlich gedämpfte Aktivität in den Gehirnarealen, die mit sexueller Erregung in Verbindung stehen. Offenbar enthalten weibliche Tränen tatsächlich eine Komponente, die die männliche Erregung negativ beeinflusst. Warum, ist allerdings noch unklar.

„Diese Studie eröffnete viele interessante Fragen“, erklärt Sobel. „Welche Chemikalie ist hier involviert? Senden unterschiedliche emotionale Situationen auch unterschiedliche Tränen-Signale? Sind weibliche Tränen von Männer oder Kindertränen verschieden? Diese Studie bestätigt die Idee, dass chemische Signale des Menschen – derer wir uns nicht bewusst sind – das Verhalten anderer beeinflussen.“ (Science, 2011; DOI: 10.1126/science.1198331)

(Weizmann Institute of Science, 10.01.2011 – NPO)

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