Schwarz-gelbe Warntracht ahmt wehrhaften Laufkäfer nach Mimikry-Schabe in Vietnam entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Schwarz-gelbe Warntracht ahmt wehrhaften Laufkäfer nach

Mimikry-Schabe in Vietnam entdeckt

Kaum vom ungenießbaren Original zu unterscheiden – eine neue, bisher noch namenlose Schabenart aus Südvietnam. © Peter Geissler, ZFMK, Bonn

Bonner Forscher haben in den Regenwäldern Südvietnams eine ungewöhnliche Schabe entdeckt. Statt einer unauffällig braunen Färbung trägt das Insekt leuchtend gelbe Flecken auf schwarzem Grund. Hinter dieser Färbung steckt Methode: Damit ahmt die Schabe einen wehrhaften Laufkäfer nach und schreckt so ihre Fressfeinde ab. Das jetzt entdeckte Tier ist das erste Beispiel für diese Mimikry bei Schaben.

Schwarz-gelb ist eine Warnfärbung, die im Tierreich oft zum Einsatz kommt – beispielsweise bei Wespen, Bienen oder dem Feuersalamander. Doch nicht immer ist der Träger dieser Farben auch notwendigerweise giftig. So auch in diesem Fall. Forscher vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn haben in Vietnam eine bisher unbekannte Schabenart entdeckt, die diese Warntracht ebenfalls zu Unrecht trägt.

Das Original - der übelriechende Laufkäfer Craspedophorus sublaevis. Aufgrund seines Gestanks wird er von Fressfeinden gemieden. © Peter Geissler, ZFMK, Bonn

Die Forscher erkannten schnell, dass die Schabe einen ungenießbaren Mitbewohner im Regenwald nachahmt – den ebenfalls schwarz-gelben Laufkäfer Craspedophorus sublaevis. Dieser spritzt seinem Angreifer eine übelriechende Flüssigkeit entgegen und verhindert so erfolgreich, gefressen zu werden. Die schwarz-gelbe Schabe macht sich dies zunutze und täuscht darüber hinweg, dass sie zum Beispiel für Vögel vermutlich ein echter Leckerbissen wäre. Diese Täuschung wird von Biologen als Mimikry bezeichnet. Sie war bei Schaben in dieser Form bisher unbekannt.

Ob die Schabe möglicherweise trotz dieser Nachahmung auch selbst schlecht schmeckt, ist noch nicht klar. Um dies nachzuweisen, müsste man Experimente mit potenziellen Fressfeinden durchführen. Weil es sich um eine Schabennymphe handelt, kann auch die Art noch nicht bestimmt und benannt werden. Die Artbeschreibung soll erfolgen, wenn die ausgewachsenen Insekten vorliegen. (doi: 10.1111/j.1479-8298.2012.00529.x)

(Entomological Science / Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, 22.06.2012 – NPO)

Anzeige

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

Dossiers zum Thema

News des Tages

Skurril: Haie snacken Singvögel

Bücher zum Thema

Warnen, Tarnen, Täuschen - Mimikry und Nachahmung bei Pflanze, Tier und Mensch von Klaus Lunau

Kunst der Tarnung - von Art Wolfe und Barbara Sleeper

Warum Elefanten große Ohren haben - Dem genialen Bauplan der Tiere auf der Spur von Chris Lavers

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige