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Männergehirne sind anders – die von Frauen auch

Beim Lösen gleicher Aufgaben nutzen beide Geschlechter unterschiedliche Gehirnbereiche

Männer und Frauen – zwei Welten? Zumindest in Hinsicht auf einige ihrer Gehirnfunktionen vielleicht schon. Denn Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass die Gehirne beider Geschlechter beim Lösen der gleichen Aufgaben ziemlich unterschiedlich arbeiten. Bildgebende Verfahren zeigten, dass jeweils andere Gehirnbereiche aktiv waren.

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Wissenschaftler der Universität von Alberta in Kanada untersuchten für ihre Studie freiwillige Versuchspersonen beiderlei Geschlechts. Die Probanden mussten unter anderem verbale, visuell-räumliche und einfache motorische Aufgaben lösen und außerdem einen Gedächtnistest bestehen. Während sie diese Übungen absolvierten, beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität der Testpersonen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI).

Erstaunliches Ausmaß der Unterschiede

Das Ergebnis war überraschend: „Es war auffallend“, erklärt Emily Bell, Doktorandin für Psychiatrie an der Universität und Hauptautorin der in der Fachzeitschrift NeuroImage erschienenen Studie. „Manchmal führten Männer und Frauen die gleichen Aufgaben durch und zeigten trotzdem ganz unterschiedliche Aktivierungsmuster im Gehirn und manchmal wiederum beobachteten wir die gleiche Gehirnaktivität obwohl sie gerade unterschiedliche Aufgaben durchführten.“

Dass es Unterschiede zwischen dem „männlichen“ und dem „weiblichen Gehirn“ gibt, ist schon länger bekannt. Dass sich diese aber selbst bei Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen so manifestieren, überraschte die Forscher. „Die Feststellung, dass unterschiedliche Gehirnregionen bei Männern und Frauen aktiv sind, wenn sie die gleichen Aufgaben absolvieren, hat große potenzielle Auswirkungen auch auf eine ganze Reihe von klinischen Bereichen“, so der Psychiater Peter Silverstone.

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So zeigen viele neuropsychologische Störungen, wie beispielsweise die Depression, deutliche Abweichungen zwischen den Geschlechtern. In vielen Fällen unterscheidet sich die Krankheitshäufigkeit zwischen Männern und Frauen oder aber die Symptome sind verschieden. Frauen sind beispielsweise fast doppelt so häufig von schwerer Depression betroffen wie Männer, so der Forscher.

„Verdrahtung“ verschieden

Nach Ansicht von Silverstone sollten daher insbesondere die Erforschung und Behandlung solcher Krankheitsbilder in Zukunft stärker die geschlechtsspezifischen Aspekte berücksichtigen. Jedes Geschlecht müsse für sich genommen betrachtet werden, um jeweils ihrer neurophysiologischen Situation gerecht zu werden.

„Noch größere Bedeutung haben diese Ergebnisse in Bezug auf die Erkenntnis, dass wir immer mehr feststellen müssen, dass es Unterschiede in der ‚harten Verdrahtung’ der männlichen und weiblichen Gehirne gibt“, ergänzt Bell. „In diesem Bereich wollen wir weiterarbeiten. Auch um herauszufinden, wie wir diese Erkenntnisse zum Nutzen der Patienten einsetzen können.“

(University of Alberta, 02.12.2005 – NPO)

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