Den sexuell aktiveren Gewinnern eines Zweikampfs, gehen die Weibchen des Atlantik-Kärpflings lieber aus dem Weg Fischdamen bevorzugen Verlierer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Den sexuell aktiveren Gewinnern eines Zweikampfs, gehen die Weibchen des Atlantik-Kärpflings lieber aus dem Weg

Fischdamen bevorzugen Verlierer

Ein männlicher (oben) und zwei weibliche Atlantik-Kärpflinge. © David Bierbach

„The winner takes it all“ gilt auch im Tierreich nicht immer: Frankfurter Biologen haben herausgefunden, dass sich die Weibchen des Atlantik-Kärpflings für den Unterlegenen eines Zweikampfes unter Männchen entscheiden. Allerdings nur, wenn sie Zeugin des Kampfes wurden. Vermutlich schreckt der gesteigerte Sexualtrieb des Gewinners nach dem Kampf die Weibchen ab, berichten die Forscher im Fachmagazin „Behavioral Ecology and Sociobiology“.

Häufig gilt in der Natur das Recht des Stärkeren. Die Alphatiere eines Rudels etwa haben das Vorrecht beim Fressen oder bei der Paarung. Früher ging man daher davon aus, dass die stärksten und aggressivsten Tiere stets eine höhere Fortpflanzungs- und Überlebenschance haben als ihre schwächeren Artgenossen. Dass es nicht ganz so einfach ist mit der natürlichen Selektion, zeigen in den letzten Jahren immer mehr Studien. Und auch bei den Weibchen des Atlantik-Kärpflings – eine Unterart der lebendgebärenden Zahnkarpfen – haben nicht immer Siegertypen die Nase vorn.

Partnerwahl per Video

Dies fanden die Biologen von der Universität Frankfurter am Main jetzt heraus, indem sie den Weibchen in ihrem Aquarium Videos unterschiedlicher Männchen zeigten und beobachteten, wie lange sich die Weibchen in der Nähe der im Film gezeigten Männchen aufhielten. Im ersten Test spielten die Forscher den Fischdamen Videos von zwei etwa gleich großen Männchen vor. Wie erwartet, zeigten die Weibchen keine Präferenz für einen der potentiellen Partner, denn sie geben normalerweise dem größeren Männchen den Vorzug. Deshalb hielten sie sich neben beiden Videos, die nahe am Versuchsbecken aufgestellt waren, gleich häufig auf.

Danach wurden einem Teil der Weibchen Videos vorgespielt, auf denen die zuvor gesehenen Männchen miteinander kämpften. In jedem der Kämpfe gab es am Ende einen klaren Gewinner. Erneut vor die Wahl gestellt, verbrachten die Weibchen nun überraschenderweise mehr Zeit bei dem Verlierermännchen. In der Kontrollgruppe wurden die Weibchen dagegen nicht Zeuginnen des Kampfes, sondern erhielten lediglich die Gelegenheit, beide Männchen nach dem Kampf direkt nebeneinander für längere Zeit in einem Video zu vergleichen. Diese Weibchen verbrachten mehr Zeit neben den Siegern. „Interessant ist, dass die Weibchen des Atlantik-Kärpflings offenbar fähig sind, potenzielle Gewinner zu identifizieren, ohne sie jemals beim Kämpfen beobachtet zu haben“, erklärt David Bierbach.

Zwei männliche Atlantik-Kärpflinge: Kämpfen sie miteinander, hat der Verlierer gute Chancen bei den zuschauenden Weibchen. © David Bierbach

„The looser takes it all“ – aber wieso?

Warum es für ein Weibchen vorteilhaft ist, Gewinnermännchen direkt nach einem Kampf zu meiden, untersuchten die Forscher in einem weiteren Experiment. Sie stellten fest, dass die Gewinner nach dem Kampf sexuell deutlich aktiver waren. Ihrer Ansicht nach ist dies auf die erhöhte Ausschüttung von Sexualhormonen nach dem Sieg zurückzuführen. Für die Weibchen ist die gesteigerte Paarungsrate allerdings wenig vorteilhaft. Denn vor lauter Sex verlieren die Fischdamen Zeit zum Fressen verlieren und müssen teilweise sogar häufigere Verletzungen ihres Genitaltraktes in Kauf nehmen.

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Daher werden zwar grundsätzlich die stärkeren Männchen bevorzugt, direkt nach einem Kampf ist der erhöhte Sexualhormonspiegel der Kärpflinge allerdings für deren Fortpflanzungserfolgt von Nachteil. „Unsere Studie zeigt, wie stark das weibliche Partnerwahlverhalten von Informationen aus dem sozialen Umfeld abhängt und wie kompliziert auch das Liebesleben eines Fischweibchens sein kann“, folgert Martin Plath von der Universität Frankfurt. Auch im Tierreich gilt demnach nicht immer: The winner takes it all. (Behavioral Ecology and Sociobiology, 2013; doi:10.1007/s00265-013-1487-8)

(Behavioral Ecology and Sociobiology, 01.02.2013 – KBE)

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