Oberflächenmoleküle öffnen Erregern die Tür in die Darmzellen Durchfallauslösendes Virus infiziert vor allem Menschen mit Blutgruppe A - scinexx | Das Wissensmagazin
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Oberflächenmoleküle öffnen Erregern die Tür in die Darmzellen

Durchfallauslösendes Virus infiziert vor allem Menschen mit Blutgruppe A

Rotavieren im Transmissions-elektronenmikroskop. Das radgleiche ('rota' lat. für Rad) Erscheinungsbild ist gut zu erkennen. © F.P. Williams, U.S. EPA

Ob jemand eine Durchfallerkrankung bekommt, hängt auch von der Blutgruppe ab. Einige durchfallauslösende Viren gelangen in die Zellen des Magendarmtrakts, indem sie an Zuckermoleküle binden, die für Menschen mit der Blutgruppe A typisch sind. Diese Menschen seien daher besonders anfällig für diese Art von Virus, schreiben US-amerikanische und französische Forscher im Fachblatt „Nature“.

Rotaviren heißen die Krankheitserreger, die sehr häufig eine sogenannte Magen-Darm-Grippe verursachen. Vor allem für Kleinkinder ist die Krankheit gefährlich: Viele sterben an dem extremen Wasserverlust. Das Virus zerstört nach und nach die Zellen im Magen-Darmtrakt.

Ein spezieller Rotavirusstamm namens P14 besitzt eine natürliche Bindungsstelle für Zuckermoleküle, die Menschen der Blutgruppe A auf ihren Blut- und anderen Körperzellen tragen, haben Forscher um Liya Hu am Baylor College of Medicine in Texas herausgefunden. Dadurch kann er diese Zellen besonders leicht infizieren.

Antikörper verhindert Infektion

Die Forscher testeten die Wirkung des Virusstammes auf Zellen in der Laborschale. Tatsächlich infizierte der Virus vor allem solche Zellen, die für Blutgruppe A typische Zuckermoleküle auf ihrer Oberfläche trugen. Zellen, denen diese Markierung fehlte, entgingen dem Virusangriff hingegen größtenteils. Auch wenn die Forscher mit einem Antikörper das verräterische Zuckermolekül auf den Zellen blockierten, war das Virus erfolglos.

Patienten mit Magen-Darm-Entzündung, die mit dem speziellen Virusstamm infiziert waren, hatten fast immer Blutgruppe A, konnten die Forscher in einer ersten Probandenstudie feststellen. Aber um genaue Aussagen machen zu können, müssten sie zunächst eine größere Patientengruppe untersuchen, schreiben die Forscher.

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Sind Viren der Grund für die verschiedenen Blutgruppen?

Ihr Ergebnis erkläre möglicherweise auch, warum Menschen überhaupt unterschiedliche Blutgruppen haben, sagt Studienleiter Venkataram Prasad. Vielleicht sei diese Veränderung in der Evolution entstanden, nachdem Krankheitserreger erstmals Menschen mit der Blutgruppe A infiziert hätten. Andere Blutgruppen seien somit ein Versuch gewesen, dem Angriff durch Erreger zu entgehen.

Die Frage sei nun, welche anderen Virusstämme die blutgruppenspezifischen Zuckermoleküle noch nutzen, um Zellen zu infizieren und sich auszubreiten, schreiben die Forscher. Man weiß bereits, dass auch das Bakterium Helicobacter pylori und Noroviren denselben Weg gehen. Helicobacter pylori verursacht Magengeschwüre, Noroviren sind wie die Rotaviren für Magen-Darm-Entzündungen verantwortlich.

(doi: 10.1038/nature10996)

(Nature, 17.04.2012 – BOS)

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