Der amerikanische Schornsteinsegler frisst seit den 50er Jahren mehr Wanzen und weniger Käfer Insektizid DDT veränderte Speiseplan von Vögeln - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der amerikanische Schornsteinsegler frisst seit den 50er Jahren mehr Wanzen und weniger Käfer

Insektizid DDT veränderte Speiseplan von Vögeln

In Händen gehaltener junger Schornsteinsegler (engl. chimney swift) © Ed Schipul / CC-by-sa 2.0

Insektizide ändern die Ernährung von Vögeln – oft zu deren Nachteil. Das haben kanadische Forscher am Beispiel des Insektizids DDT und dem bedrohten, insektenfressenden Schornsteinseglers gezeigt. „Die Anwendung von DDT veränderte die Insektengemeinschaft bis in die 60er Jahre hinein dramatisch“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“. Das inzwischen verbotene Kontaktgift DDT tötete viele Käferarten; Wanzen wurden hingegen häufiger. Der Schornsteinsegler sei daher gezwungen gewesen, mehr Wanzen zu fressen, obwohl diese nährstoffarmer als Käfer sind.

An einem fast 50 Jahre alten, zwei Meter hohen Vogelmisthaufen konnten die Wissenschaftler um Joseph Nocera von der Trent University im kanadischen Peterborough die Ernährung einer Schornsteinseglergruppe über einen langen Zeitraum hinweg untersuchen. Diese amerikanische Vogelart jagt tagsüber Insekten; abends versammeln sich viele der geselligen Tiere an Ruheplätzen. In dem Vogelmistarchiv sammelten sich daher sowohl die Überreste von verdauten Insekten als auch zur damaligen Zeit verwendete Insektizide wie DDT und deren Abbauprodukte.

Käfer empfindlich, Wanzen resistent

„Der vermehrte Einsatz von DDT in den späten 40er Jahren hat die Käferbeute in der Nahrung der Segler drastisch reduziert“, schreiben die Forscher um Joseph Nocera von der Trent University im kanadischen Peterborough. Käferbestände hätten besonders empfindlich auf die Verbreitung des Insektizids reagiert, „Wanzen hingegen können innerhalb weniger Generationen resistent gegen Pestizide werden.“

Zwar nahmen Käferüberreste im Kot der Vögel bis zu den 90er Jahren wieder etwas zu, erreichten allerdings niemals die Mengen wie vor dem Einsatz von DDT, heißt es in der Studie. Für die Vögel sei das nicht so gut: Käfer enthalten nach Angaben der Forscher mehr Energie als Wanzen, sind für die Vögel also eine lohnendere Beute.

DDT bleibt lange in der Umwelt

DDT reichert sich in der Umwelt an. Die Vögel und Insekten waren dem Gift auch noch ausgesetzt, als es bereits verbannt war. Seit 2001 steht DDT auf der Liste des „Dreckigen Dutzends“ und sein Einsatz ist nach Stockholmer Konvention weltweit verboten. Lediglich gegen Mücken in Malariagebieten darf es als Ausnahme noch eingesetzt werden.

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(doi: 10.1098/rspb.2012.0445)

(Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 18.04.2012 – BOS)

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