Menschen und Tiere nutzen gleiche Strategien gegen Krankheiten Auch Tiere nehmen Medizin - scinexx | Das Wissensmagazin
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Menschen und Tiere nutzen gleiche Strategien gegen Krankheiten

Auch Tiere nehmen Medizin

Rhesusaffe © CC-by-sa 3.0

Auch Tiere nutzen schon grundlegende medizinische Prinzipien: Sie beugen Infektionen vor, nehmen Medizin und pflegen ihre Kranken oder isolieren sie in einer Art Quarantäne. Die Parallelen zwischen menschlicher und tierischer Medizin hat ein US-amerikanischer Forscher jetzt zusammengetragen und analysiert. „Für jedes der vier Grundprinzipien der menschlichen Medizin gibt es Beispiele im Tierreich“, berichtet Benjamin Hart von der University of California in Davis im Fachmagazin „Philosophical Transactions of the Royal Society B“.

So verzehren beispielsweise einige Affenarten gezielt bittere, antimikrobiell wirkende Blätter von Heilpflanzen, wenn sie krank sind, wie der Forscher berichtet. Einige Nagetiere nutzen solche Blätter, um ihr Nest auszupolstern und so ihren Nachwuchs vor Parasiten zu schützen.

Auch eine Art Immunisierung werde im Tierreich praktiziert, sagt Hart. Viele Huftiere bringen ihre Neugeborenen früh mit anderen Herdenmitgliedern – und damit auch deren Keimen – in Kontakt. Dieses instinktive Verhalten stärke das Immunsystem der Jungen. Einen ähnlichen Zweck erfülle es, wenn Raubtiermütter ihre Beute über den Boden schleifen, bevor sie sie den Jungen zu fressen geben, meint der Biologe.

Kranke Artgenossen werden gepflegt

Auch die Pflege kranker Artgenossen könne man beispielsweise bei Elefanten oder den in Afrika heimischen Mangusten beobachten. Diese füttern und „lausen“ verletzte Gruppenmitglieder und bleiben selbst tagsüber an ihrer Seite, obwohl sie dann normalerweise umherziehen würden, berichtet der Wissenschaftler.

Die verschiedenen medizinischen Strategien habe aber nur der Mensch zu einem umfassenden und fortgeschrittenen System kombiniert, meint Hart. Der frühe Mensch sei gegenüber vielen Krankheiten anfälliger gewesen als seine tierischen Vorfahren. Dies könnte – gemeinsam mit der Fähigkeit zur Sprache – die Entwicklung der Medizin vorangetrieben haben, mutmaßt der Forscher.

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„Ob eine steinzeitliche Mutter, die ihr krankes Kind pflegt oder ein Heiler am Hof des ägyptischen Pharao, der eine Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden verabreicht: Die Wurzeln der modernen Medizin gehen zurück bis zu unseren frühesten menschlichen Vorfahren“, sagt Hart. Die grundlegenden Strategien aber seien ein instinktives Erbe, das wir mit dem Rest des Tierreichs teilen.

Ausgestoßen zum Wohl der Gruppe

Einige Affenarten praktizieren bereits eine Art Quarantäne, wie Hart berichtet. „Dabei werden Gruppenfremde wiederholt bedroht und an den Rand getrieben“, schreibt der Forscher. Dies geschehe ohne direkte körperliche Berührungen und verhindere so eine Ansteckung durch Neuankömmlinge.

Einige Raubtierarten – und auch Katzen und Hunde – fressen kranke Neugeborene auf. Auch dieser Kannibalismus sei eine Form der Quarantäne, meint der Forscher. Denn sie entferne einen potenziellen Seuchenherd aus der Gruppe.

Hygiene und Wundbehandlung auf tierische Art

Auch Hygienemaßnahmen gegen Infektionen seien im Tierreich weit verbreitet, berichtet der Forscher. Neben dem regelmäßigen „Lausen“ vieler Säugetiere und Vögel wisse man, dass beispielsweise weidende Kühe, Schafe oder Pferde kein Gras fressen, das in unmittelbarer Nähe ihres Kots wächst. Dadurch sinkt die Gefahr, dass die Tiere mit dem Kot ausgeschiedene Vermehrungsstadien von Würmern und anderen Darmparasiten aufnehmen.

Vorbeugend wirke auch das Lecken von Wunden und Körperöffnungen, wie man es beispielsweise von Hunden kenne. „Speichel ist eine immer verfügbare medizinische Allzweckwaffe“, sagt Hart. Er enthalte zahlreiche antibakterielle und heilungsfördernd wirkende Substanzen und könne daher Infektionen verhindern. (Philosophical Transactions of the Royal Society B, 2011; doi:10.1098/rstb.2011.0092)

(Philosophical Transactions of the Royal Society B / dapd, 31.10.2011 – NPO)

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