Pupille als Geheimnisträger - scinexx | Das Wissensmagazin
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Pupille als Geheimnisträger

Auf der Suche nach neuen Spionagewerkzeugen

Als Fellow der Max-Planck-Gesellschaft kann Michael Backes zusammen mit seinen Mitarbeitern frei von Verpflichtungen forschen. Er arbeitet auf hohem Abstraktionsniveau, und es gibt Leute, die ihn unumwunden als genial bezeichnen. Doch seine Arbeit ist keineswegs so abgehoben, dass sie an Bodenhaftung verliert. Sie ist praxisrelevant. „Deshalb bin ich ja Kryptograf geworden“, sagt er. „Ich wollte mich in ein Fachgebiet einarbeiten, bei dem die Menschen noch nachvollziehen können, was ich mache.“

Bisher unbekannte Bedrohungen identifizieren

Der Forscher war nach nur zwei Semestern mit dem Informatikgrundstudium fertig und musste sich ein weiteres Jahr später schon für das Diplomthema entscheiden. Er wählte die Datenverschlüsselung und ist auch jetzt noch mit Begeisterung dabei. „Beim Thema Sicherheit geht man immer von bestimmten Annahmen aus – dem Hacker, der sich über die Datenleitung einwählt etwa. Und dann konstruiert man eine Gegenmaßnahme. Wirklich spannend aber wird es erst, wenn man die Annahmen verschiebt und plötzlich ganz andere Bedrohungen denkbar werden“, sagt Backes.

Gläserne Teekanne als Reflexions-Spitzenreiter © Anarkia777 / GFDL

Mindestens einmal jährlich gönnt er sich den Luxus, diesen Gedanken auf die Spitze zu treiben und Bedrohungen zu erforschen, mit denen er im Alltag eigentlich nichts zu tun hat und die vor ihm noch niemandem aufgefallen sind. So kam er auf die Idee, die Bilder von Computermonitoren mit einem starken Teleskop und einer Kamera aus der Ferne abzufotografieren. Das wäre keine große Leistung gewesen, wenn Backes und seine Mitarbeiter die Bildschirme direkt abgelichtet hätten. Doch meist stehen die Monitore mit der Rückseite zum Fenster. Das fiel Backes beim Gang in die Mensa und beim Blick in die Büros der Kollegen auf.

Teekanne als Reflexions-Spitzenreiter

Dann kam ihm der zündende Gedanke: Es müsste doch möglich sein, die Reflexion des Bildschirms von spiegelnden Oberflächen im Büro abzufotografieren? Die Ergebnisse waren beeindruckend. Fast jeder glänzende Gegenstand im Zimmer wirft das Computerbild quasi zum Fenster hinaus.

Sinnesorgan Auge. © MMCD

Reflexions-Spitzenreiter war eine gläserne Teekanne. Aus einer Entfernung von zehn Metern konnten die Saarbrücker Wissenschaftler auf der gewölbten Oberfläche noch gespiegelte 12-Punkt-Schrift erkennen – mit einer Ausrüstung, die gerade einmal 1.200 Euro gekostet hatte: einer Digitalkamera, zwei Teleskopen und ein wenig Bildanalysesoftware. Auch Brillengläser und sogar die Pupille des Computernutzers spiegeln passabel. Bei der Bildanalyse unterstützten Backes Kollegen aus dem Institut und aus der Universität.

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Tim Schröder / MaxPlanckForschung
Stand: 23.09.2011

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