Plasmawolke aus zwei Richtungen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Plasmawolke aus zwei Richtungen

Erste Ergebnisse der STEREO-Mission

Im ersten Jahr nach dem Start der Mission betrug der Abstand der Sonden noch weniger als etwa 40 Grad, so dass nur bestimmte Strukturen aus dem Messwerten rekonstruiert werden konnten. Dazu gehörten die aktiven Regionen, die in den STEREO-Aufnahmen im Bereich der Extrem Ultravioletten Strahlung (EUV) der Sonne die auffälligsten Phänomene sind.

Stereoskopische Rekonstruktion von Plasmabögen einer aktiven Region. Die rekonstruierten Plasmabögen sind gelb, die Feldlinien des Magnetfeldes der aktiven Region aus Extrapolationsrechnungen sind rot gezeichnet. © Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Das bis zu einer Million Grad heiße, in einzelnen magnetischen Flussröhren eingefangene Plasma strahlt intensiv in den EUV-Wellenlängen während die mit 6.000 Grad kühle Sonnenoberfläche dunkel erscheint. Die stereoskopische Rekonstruktion der sichtbaren Plasmabögen entspricht dem Verlauf magnetischer Feldlinien, wie die Gegenüberstellung der kontrastverstärkten EUV-Beobachtung einer aktiven Region und ihrer dreidimensionale Rekonstruktion zeigt.

Vorhersage von „Erdtreffern“

Ein wichtiges Ziel der STEREO-Mission ist die Vorhersage der Ausbreitung von Massenauswürfen, insbesondere wenn sie sich in Richtung auf die Erde zu bewegen. Im Koronagraphen sind Plasmawolken eines Massenauswurfs normalerweise durch eine erhöhte Streulichtintensität, hervorgerufen durch die Streuung des Sonnenlichts an der Plasmawolke, sichtbar. Wissenschaftler können daher die Grenzfläche der Plasmawolke anhand eines beobachteten starken Gradienten des Streulichts identifizieren.

EUV-Beobachtung von Plasmabögen einer aktiven Region in der Spektrallinie der Wellenlänge 17,7 nm durch eine der STEREO-Sonden. © Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Allerdings zeigt sich auf diese Weise im Koronagraphen nur die Projektion dieser Grenzfläche in der jeweiligen Blickrichtung des Instruments. Mit den Koronagraphen der STEREO-Sonden stehen nun um ersten Mal simultane Beobachtungen aus zwei Blickrichtungen zur Verfügung, so dass sich Teile dieser Grenzfläche rekonstruieren lassen.

Mehr Chancen bei höherer Sonnenaktivität

Leider ist die Aktivität der Sonne im Moment sehr gering, so dass die Wissenschaftler die Stereorekonstruktion bislang an nur wenigen Exemplaren eines Massenauswurfs ausprobieren konnten. Mit der in den nächsten Jahren wieder anwachsenden Aktivität wird aber auch die Häufigkeit von koronalen Eruptionen wieder deutlich zunehmen – und damit auch die Beoabchtungschance der Sonnenforscher.

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Der Abstand der STEREO-Sonden zur Erde und von einander nimmt ebenfalls kontinuierlich zu, so dass auch die Beobachtungsbedingungen für Massenauswürfe günstiger werden. Der größere Basiswinkel lässt in Zukunft einerseits genauere Rekonstruktionen zu, andererseits werden die Massenauswürfe, die sich auf die Erde zu bewegen, sich dann von den STEREO-Sonden aus gesehen seitlich ausbreiten und weitere Teile der Grenzfläche der Plasmawolke werden sichtbar. Die Wissenschaftler können dann insbesondere auch die interessante Frontfläche der Wolke rekonstruieren und genaue Rückschlüsse über die Ausbreitungsgeschwindigkeit und -richtung ziehen.

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Aus dem Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft; Bernd Inhester, Thomas Wiegelmann / Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
Stand: 05.12.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Sonneneruptionen im Visier
STEREO-Mission erforscht die Physik solarer Ausbrüche

Solare Eruptionen
Wenn die Korona aus dem Gleichgewicht gerät

Energiereservoir der Korona
Sonnenmagnetfeld als Quelle der Eruptionsenergie

Zwillingssonden auf Sonnenkurs
Die STEREO-Mission

Plasmawolke aus zwei Richtungen
Erste Ergebnisse der STEREO-Mission

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