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Hautnah am Geschehen

Brutpflege bei Amphibien

Wabenkröte © Patrick C. Morgan

Die meisten Amphibien legen ihre Eier einfach ins Wasser ab und überlassen sie nach der Befruchtung durch das Männchen sich selbst. Doch diese „Sorglosigkeit“ bedeutet oft den Verlust der gesamten Nachkommenschaft, beispielsweise, wenn der Laich oder die frisch geschlüpften Kaulquappen Räubern zum Fraß fallen. Um dieser Gefahr zu entgehen, haben einige Arten erstaunliche Strategien entwickelt. Sie betreiben eine Brutpflege, bei der sie das Gelege nicht aus den Augen lassen. Erst, wenn sich der Nachwuchs vollständig entwickelt hat, entlassen die Eltern sie aus ihrer Obhut.

Brutpflege im Huckepack …

Wabenkröte © Hugo Claessen

Besonders „anhänglich“ geht die südamerikanische Wabenkröte mit ihrem Gelege um. Während der Paarung vollbringen die Tiere zunächst erst einmal akrobatische Höchstleistungen unter Wasser, die an Synchronschwimmer erinnern. Im Laufe mehrerer Drehungen und Loopings stößt das Weibchen einige Eier aus, die das Männchen sogleich besamt und anschließend an den Rücken des Weibchens schiebt, wo sie kleben bleiben. Innerhalb der nächsten Stunden wächst die Haut nach und schließt jedes Ei in einer Zyste ein. Sicher von der Außenwelt abgeschirmt, entwickeln sich die Kaulquappen in diesen Brutkammern weiter. Nach etwa 80 Tagen ist die Metamorphose abgeschlossen und die kleinen Kröten schlüpfen aus dem Rücken des Weibchens.

… im Maul

Ähnlich dicht am Geschehen verfolgt der Darwinfrosch die Entwicklung seiner Nachkommen. Im Gegensatz zu allen anderen Amphibien legt das Weibchen die Eier jedoch nicht ins Wasser, sondern auf den feuchten Boden. Hier ist es das Männchen, das sich von nun an um die Brut kümmert. Wenn die Kaulquappen schlüpfen, nimmt der Frosch sie in seinem Kehlsack auf und trägt sie mit sich herum, bis die Entwicklung zum Frosch abgeschlossen ist. Während dieser Zeit ernähren die Kaulquappen sich vom Eidotter. Nach circa sechs Wochen schlüpfen die kleinen Frösche dann aus dem Maul des Vaters.

… und im Magen

Noch besser hat eine andere Froschart ihren Nachwuchs vor der Außenwelt versteckt. Seit 1984 gelten sie leider als ausgestorben, aber zu ihren Lebzeiten haben sie ganz Erstaunliches geleistet. Die in Australien beheimateten Magenbrüterfrösche haben ihre Jungen im Bauch ausgebrütet. Das Weibchen schluckte dazu ihren eigenen Laich und die Kaulquappen schlüpften einige Zeit später im Magen. Doch wie konnte die Mutter verhindern, dass sie ihre eigenen Jungen verdaut? Forscher haben entdeckt, dass die Kaulquappen ein Hormon absonderten, das beim Weibchen die Nahrungsaufnahme und infolgedessen auch die Produktion von Magensäure einstellte. Sobald die Metamorphose der Kaulquappen zum Frosch abgeschlossen war, wurden sie hochgewürgt und hüpften aus dem Maul der Mutter. Erst dann begann diese wieder zu fressen.

Warum die Art heute ausgestorben ist, können Wissenschaftler nur vermuten. Die Theorien erstrecken sich von der Austrocknung der Lebensräume über Pilzbefall bis hin zu Missbildungen an Jungtieren durch die zunehmende UV-Strahlung.

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Stand: 14.06.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kampf um die Kinderstube
Tricks und Strategien bei der Brutpflege

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Spektakel von morgens bis abends
Leben auf dem Vogelfelsen

Aufzucht im Kindergarten
Das Sozialleben der Pinguine

Geschick mit Schnabel und Faden
Webervögel als Architekten

Brutparasitismus mit kriminellen Folgen
Kuckucks-Kinder

Leben im Harem
Straußenvögel gehen fremd

Hautnah am Geschehen
Brutpflege bei Amphibien

Familienleben – nein danke!
Verantwortungslose Schildkröten

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