Freispruch für die Termiten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Freispruch für die Termiten

Eine Symbiose mit drei Partnern

Termiten – wer denkt da nicht zuerst an durchlöcherte Möbel, zerfressene Böden und ausgehöhlte Balken. Schon seit der Antike haben die holzfressenden Termiten den Menschen zu schaffen gemacht. So sagt man ihnen nach, fast das gesamte kulturelle Erbe Ägyptens, das auf Papyrus festgehalten war, vernichtet zu haben. Im 19. Jahrhundert sollen sie die Artillerielafetten in den Depots der Franzosen auf den Antillen ausgehöhlt haben. Die Engländer werden es ihnen bei ihrem Angriff auf die Franzosen gedankt haben.

Aber auch heute noch sorgen Termiten für Ärger. Da sie sich auf der Suche nach Futter auch durch die Gummi-Isolierung elektrischer Kabel fressen, legten Termiten bereits die Steuerung der Schleusen des Panamakanals lahm. Und nicht einmal vor dem Vatikan machen die Tiere halt: Seit einigen Jahren vergreifen sie sich dort an den Büchern der Bibliothek.

Symbiose zwischen drei Organismen

Doch die Termiten müssen – zumindest teilweise – von diesen „Sünden“ freigesprochen werden. Denn nicht sie alleine sind die Übeltäter. Ohne eine Symbiose wären auch die Termiten nicht in der Lage, Holz zu fressen. Termiten selber besitzen keine Verdauungsenzyme, die die Cellulose des Holzes spalten können. In den Blindsäcken ihres Hinterdarmes leben aber symbiotische Protozoen (Einzeller), wie der Zooflagellat Trichonympha.

Die Flagellaten nehmen die von den Termiten zerkleinerten Holzpartikel auf. Für die eigentliche Cellulosespaltung sind jedoch primär Bakterien verantwortlich, die wiederum als Symbionten im Zellplasma der Flagellaten leben. Die von ihnen bei der Cellulosespaltung freigesetzten Nährstoffe kommen dann den Termiten zugute. Diese faszinierende Symbiose besteht also zwischen drei Organismengruppen.

Die symbiotischen Mikroorganismen werden unter den Termiten über den Austausch von Flüssigkeiten zwischen After- und Mundöffnung, die sogenannte anale Trophalaxis, an die anderen Nestbewohner weitergegeben. Nach der Häutung, bei der auch die Innenwände des Enddarms erneuert werden, müssen die Termiten ihre Symbionten durch Kotfressen jedesmal wieder neu aufnehmen.

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Regenwürmer der Tropen

Und das alles nur, um uns das Holz wegzufressen? Nein, natürlich nicht. Termiten sind äußerst nützliche Komponenten ihres natürlichen Lebensraumes. Nicht umsonst nennt man sie die Regenwürmer der Tropen. Durch ihre Grabarbeit lockern sie den Boden auf, verwerten abgestorbenes Pflanzenmaterial und düngen mit ihrem Kot den Boden.

Die Nährstoffe von Holz- und Pflanzenteilen können durch Termiten sehr viel schneller wieder in den Nährstoffkreislauf gelangen als allein durch Verrottung. Die Bedeutung der Termiten erkannten schon die traditionellen Kulturen der Tropen, in denen Termitenhügel von Menschen sorgsam gehütet und auf den Sohn weitervererbt wurden.

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Stand: 22.04.2000

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Symbiosen
Eine Hand wäscht die andere

Miteinander - Gegeneinander
Interaktionen verschiedener Arten

Wichtiger als man denkt
Symbiotische Beziehungen sind mehr als Lehrbuchbeispiele

Raus aus der Ursuppe
Endosymbiose stand am Anfang höheren Lebens

Biene Maja und Co.
Auch bei der Bestäubung profitieren beide Partner

Höher als das Empire State Building
Riffwachstum mithilfe von Symbionten

Evolution
Kein Fortschritt ohne Symbiose

Ameisen als Gärtner
Pilzkulturen unter der Erde

Algen als Sklaven von Pilzen?
Flechten - immer als erste da

Freispruch für die Termiten
Eine Symbiose mit drei Partnern

Ein ungleiches Paar
Die Grundel als Alarmanlage

Mitfahrgelegenheit gegen Schutz
Eine Abmachung zwischen Einsiedlerkrebsen und Anemonen

Wie eine Festung verteidigt
Von Ameisen die auf Akazien leben

Bakterien überall
Ohne Bakterien geht es nicht

Pflanzenfressen will gelernt sein
Was Kühe und Koalas gemeinsam haben

Wie im Paradies
Bakterien als Symbionten des Menschen

Licht an
Leuchtkraft dank Bakterien

Nahrungsergänzung bei Leguminosen
Stickstoff-Fixierung in den Wurzelknöllchen

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