Anzeige

Feuchtgebiete am Tropf

Auswirkungen auf die Landschaft

Grundwasser, für die Einen ist es Quell des Lebens, für die Anderen jedoch ein technisches Hindernis. Denn im Tagebau kann nur oberhalb des Grundwasserspiegels ohne die Gefahr eines Wassereinbruchs gebaggert werden kann. Damit es nicht „Land unter“ heißt, muss für die gesamte Region das Grundwasser künstlich abgesenkt – „gesümpft“ – werden. Denn am Niederrhein liegt die Braunkohle in bis zu 400 Metern Tiefe, während hingegen das Grundwasser an einigen Stellen bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche verläuft.

Grundwasserabhängiges Feuchtgebiet © Andreas Heitkamp

Mithilfe von mehr als 1.000 über das Gebiet verteilten Pumpanlagen wird das Grundwasser abgeführt und durch ein 120 Kilometer langes Leitungssystem ins Jüchener Wasserwerk geleitet. Jedes Jahr werden so über 600 Millionen Kubikmeter unterirdischen Wassers umgeleitet. Dies entspricht dem dreifachen jährlichen Trinkwasserverbrauch von Berlin. Ein Teil wird als Trinkwasser aufbereitet, ein anderer als Kühlwasser in den RWE-Kraftwerken eingesetzt oder ungenutzt in den Rhein abgelassen. Doch das meiste Wasser wird dem Grundwasserleiter in ausgewählten Versickerungsgebieten wieder zugeführt.

Technisch ist dies zwar eine Meisterleistung, doch lassen sich die Eingriffe in den Wasserhaushalt nicht exakt steuern. Vielmehr entsteht eine großflächige und bis einem Kilometer tiefe Grundwasserabsenkung, die sich bis in die Niederlande und ins rechtsrheinische Gebiet erstreckt. Mit der Erschließung von Garzweiler II wird das Grundwasser letztendlich in einem Gebiet von über 3.000 Quadratkilometern Größe beeinträchtigt, dies entspricht ungefähr zehn Prozent der nordrhein-westfälischen Landesfläche. Die Folge: grundwasserabhängige Feuchtgebiete im Umfeld des Tagebaus trocknen aus und der Trinkwasserspeicher geleert.

Wasser als Streitfall © IMSI MasterClips

Auch der nördlich gelegene Naturpark Schwalm-Nette ist unmittelbar von Garzweiler II betroffen. Das unter europäischem Naturschutz stehende Gebiet besteht aus einem ausgedehnten Gewässersystem mit seltenen Erlenbruchwäldern und grenzt an den niederländischen Nationalpark Meinweg. Doch zahlreiche Quellen sind dort seit Inbetriebnahme der Pumpen im Jahr 2001 bereits versiegt. Mit Hilfe von Versickerungsanlagen wird versucht, einige dieser Feuchtgebiete zu retten:

Auf Jahrzehnte müssen diese künstlich bewässert werden. RWE-Rheinbraun lässt keine Zweifel am Erfolg der Vernässung aufkommen, während hingegen die Naturschutzverbände die Austrockung des Feuchtgebietes befürchten. Praktische Erfahrungswerte aus vergleichbaren Gebieten gibt es nicht. Erst in einigen Jahren wird sich zeigen, ob die künstliche Bewässerung die Grundwasserabsenkung wirklich kompensieren kann.

Anzeige

Nach Ende der Braunkohlenförderung, wahrscheinlich 2045, werden die Pumpen abgebaut und die Grundwasserregulation wieder sich selbst überlassen. Unklar ist aber, inwieweit sich die dann seit mehreren Jahrzehnten geleerten Grundwasserleiter wieder füllen können. Zumindest bei den bereits aufgelassenen Tagebaubereichen scheint dies jedoch sehr zum Leidwesen einiger umliegender Ortschaften zu funktionieren: Denn im Verlauf der letzten zwanzig Jahre wurde in einigen Neubaugebieten nicht immer dieser mögliche Wiederanstieg des Grundwasserspiegels berücksichtigt. Und nun steigt nach Abschalten der nicht mehr benötigten Pumpen der Grundwasserspiegel nicht nur wieder auf sein altes Niveau, sondern auch in die unzureichend abgedichteten Kellerräume.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. weiter


Stand: 28.01.2004

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Garzweiler II
Ein Tagebau sorgt für Aufregung

kein Dossierinhalt gefunden

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Biomasse - Holz, Stroh und Biogas - Energielieferanten der Zukunft?