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Faltungen, Eisberge und einseitige Kräfte

Das Rätsel der Gebirgswurzeln

Auch wenn die Theorie des „schrumpfenden Apfels“ nach wie vor die Grundlage der meisten geologischen Überlegungen bildete, im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass sie zur Erklärung der Gebirgsentstehung nicht ausreichte. Es musste noch andere Kräfte und Bewegungen geben, die die merkwürdigen Faltungen und Verwerfungen der Alpen, Anden und Appalachen erklären konnten.

Satellitenaufnahme des Alpenraumes
Die Alpen aus dem All gesehen. © Jacques Descloitres, MODIS Rapid Response Team, NASA/GSFC

Nordneigung der Alpen passt nicht ins Bild

Besonders die komplexen Formationen in den Alpen gaben den Geologen Rätsel auf. Die gefalteten und teilweise überkippten Gesteinsschichten waren teilweise auffällig nach Norden gekippt, wie Wellen an einem Strand zeigten sie in eine Richtung. Diese Beobachtung widersprach der gängigen Annahme, Gebirge seien durch Stauchung und Zusammendrücken der Gesteine beim Schrumpfen der Erdkruste entstanden. Stattdessen legten sie den Gedanken nahe, dass hier einseitig wirkende seitliche Verschiebungen am Werk gewesen sein mussten.

Und noch eine weitere Beobachtung warf Probleme auf: Im Zuge der Vermessung Indiens wurde die gewaltige Größe und Ausdehnung des Himalaya-Massivs immer deutlicher. Wie konnten diese aufgetürmten Materialmengen nur durch Schrumpfen der Kruste erklärt werden? Und warum blieb ein solcher Koloss von einem Gebirge auf der nur dünnen Erdkruste, ohne in das glutflüssige Innere der Erde einzusinken?

Schematische Darstellung einer Subduktionszone
Entstehung von Gebirgen © MMCD NEW MEDIA GmbH

Auch Gebirge haben Wurzeln

Die einzige plausible Erklärung war die, mit der der Geologe und Astronom G.B. Airy aufwartete: Er verglich die Gebirge mit Eisbergen, und stellte fest, dass sie unter der Oberfläche tiefreichende „Wurzeln“ haben mussten, die sie im Gleichgewicht hielten. Zusätzlich aber müsse es einen Unterschied in der Dichte des Materials geben, damit die Berge auch wie Eisberge auf dem flüssigen Magma schwimmen.

Tatsächlich schienen die Gesteinsschichten unter den Gebirgen erheblich dicker zu sein, als die dünnen Ablagerungen auf dem Meeresgrund. Und auch ein Dichteunterschied zeigte sich: Die ozeanischen Böden bestanden meist aus dunklem basaltischen Gestein hoher Dichte, während in den Gebirgen meist helles Granitgestein geringerer Dichte überwog. Doch wie waren diese Unterschiede zustande gekommen? Der „schrumpfende Apfel“ allein lieferte dafür keinerlei Erklärung…

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Plattentektonik
Alfred Wegener und der Weg zu einem neuen Bild der Erde

Auf der Suche nach einer "Theorie der Erde"
Descartes und die Anfänge eines geologischen Weltbildes

Feuer oder Wasser?
Streit um die "Hauptrolle" bei den geologischen Veränderungen

Von schrumpfenden Äpfeln und Pentagonalnetzen
Wie entstehen Gebirge?

Faltungen, Eisberge und einseitige Kräfte
Das Rätsel der Gebirgswurzeln

Jede Menge ungelöster Rätsel...
Die Situation zur Zeit Wegeners

Die "Bombe" platzt
Wegener präsentiert seine Theorie

Auf tönernen Füßen....
Ablehnung und Kritik

Die Konvektion kommt ins Spiel
Wegener erhält Unterstützung

"Und sie bewegen sich doch..."
Der späte Sieg der Plattentektonik

Wechselwirkungen aller Art
Was passiert an den Plattengrenzen?

Die leise Revolution in der Theorie der Tektonik
Was hat sich bis heute getan?

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