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Von der Plattentektonik geprägt

Die große Karambolage

Dass die Grenzregion zwischen Bayern und Tschechien eine bewegte Geschichte hat, wird schon bei einem ersten Blick auf die Landschaft sichtbar: Gleich mehrere große Gräben und Senken trennen hier die Mittelgebirgsmassive voneinander ab – das Fichtelgebirge im Norden vom Oberpfälzer Wald im Süden und dem tschechischen Kaiserwald und Westerzgebirge im Osten. Wie mehrfach überkreuz eingekerbt sieht die Gegend aus.

Topografische Karte
Topografische Karte der Grenzregion zwischen Bayern und Tschechien. © Geopark Bayern-Böhmen

Zweimal unter Druck

Prägend für diese Landschaft sind – neben vielen kleineren – zwei große Ereignisse der Erdgeschichte. Das erste ereignete sich vor rund 320 Millionen Jahren. Damals stieß der Südkontinent Gondwana mit der im Norden liegenden Landmasse Laurussia zusammen und beide Urkontinente verkeilten sich ineinander. Die enormen Kräfte dieser Plattenbewegung stauchten den Untergrund entlang der Nahtzone und falteten eine mehrere tausend Kilometer lange Gebirgskette auf, das Variszische Gebirge.

Viele Gesteine in der Region stammen noch aus der Kern- und Wurzelzone dieses Urzeit-Gebirges. In den folgenden Millionen Jahren durchlebte das Gebiet eine wechselvolle Geschichte: Die Erosion trug große Teile des Gebirges ab, die Region verwandelte sich in eine heiße-trockene Wüste, später dann wurde sie bei einem Meeresvorstoß zum tropischen Riffgebiet.

Vor rund 50 Millionen Jahren begann dann das zweite prägende Ereignis: Die anhaltende Nordwanderung Afrikas setzte den Untergrund Europas so stark unter Druck, dass nicht nur die Alpen herausgehoben wurden, sondern auch an einigen Stellen Brüche entstanden. Einer von ihnen, die sogenannte Fränkische Linie, verläuft längs durch das Gebiet des heutigen Geoparks. Quer dazu bildeten sich weitere Gräben und Schwächezonen.

Luisenburg- Felsenlabyrinth
Vom Luisenburg- Felsenlabyrinth war schon Goethe beeindruckt. © Dickbauch/ CC-by-sa 3.0

Im Reich des Granits

Entlang der Bruchzonen hob sich die gesamte Region an – teilweise um bis zu tausend Meter. Dadurch entstanden die prägenden Gebirgszüge des Geoparks: Fichtelgebirge, Steinwald, Erzgebirge, Kaiserwald, Böhmerwald und Oberpfälzer Wald. Gleichzeitig trug die Erosion Deckschichten ab und legte an vielen Stellen die alten Wurzeln des Variszischen Gebirges frei. Diesem Prozess verdanken viele Granit-Formationen der Region ihre Entstehung. Besonders eindrucksvoll ist der Granitdom des Schlossbergs von Flossenbürg im Oberpfälzer Wald. Hier hat die Verwitterung das Gestein in große Brocken zerlegt, die wie von einem Reisen aufgeschichtet den Berggipfel krönen.

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Ebenfalls durch Verwitterung von Granit entstanden ist das Luisenburg-Felsenlabyrinth bei Wunsiedel – das größte Felsenlabyrinth Europas. Von dieser Ansammlung metergroßer Granitblöcke war sogar schon Johann Wolfgang von Goethe beeindruckt, er fertigte Zeichnungen der Blöcke an, in denen er ihren ursprünglichen Zustand zu rekonstruieren versuchte. Heute kann man die riesigen Brocken, Schluchten und Höhlen dieses Geotops auf einem eigens angelegten Rundweg erkunden.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Silber, Gold und tiefe Glut
Die reichen Schätze des Geoparks Bayern-Böhmen

Weißes Gold
Im Zentrum der europäischen Porzellanherstellung

Die große Karambolage
Von der Plattentektonik geprägt

Der Atem des Vulkanismus
Vom unterirdischen Feuer geprägt

Metallene Schätze
Goldrausch und Silberboom

Vorstoß in die Tiefe
Die senkrechteste Tiefbohrung der Erde

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