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Die ganze Erde als Labor

Großversuch mit unkalkulierbaren Risiken

Gegner einer Klimatherapie durch Schwefeldioxid führen jedoch die Unwägbarkeit der Risiken dieses Modells ins Feld. „Niemand weiß bisher genau,welche Folgen ein solches Experiment auf das globale Klimasystem haben könnte und wie unterschiedlich einzelne Regionen davon betroffen wären“, sagt der Rechtswissenschaftler David Reichwein, der sich für seine Dissertation am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht mit den rechtlichen Grenzen und der Regulierung des Geo Engineering beschäftigt.

Schwefelgase könnten zum Abbau der Ozonschicht beitragen © NASA/JSC

Denn das Scheitern von Geo-Engineering- Experimenten muss nicht immer so vergleichsweise harmlos verlaufen wie die Algendüngung im Südatlantik, bei der außer einigen übergewichtigen Ruderfußkrebsen kaum größerer Schaden für die Umwelt entstanden sein dürfte. „Doch auch bei diesem Versuch, das Kohlendioxid aus dem Kreislauf herauszubekommen, droht bei einem großflächigen Einsatz eine erhebliche Störung des ökologischen Gleichgewichts“, so Reichwein.

Abbau der Ozonschicht durch Schwefelgase?

Bei seinen Recherchen stieß der Forscher etwa auf verschiedene ernst zu nehmende Studien, die sich mit den unerwünschten Nebenwirkungen der Klimatherapie durch Aerosolschirme in der Stratosphäre befassen. Als Beispiel nennt er eine Studie vom November vergangenen Jahres: Auf Grundlage ihrer Modelle kommen Patricia Heckendorn vom Institute for Atmospheric and Climate Sciences der ETH Zürich und ihre Kollegen zu dem Ergebnis, dass beim Einsatz von Schwefelaerosolen in der Stratosphäre mit einem erheblichen Abbau der Ozonschicht zu rechnen ist.

Niederschlagsmuster aufgenommen vom TRMM-Satellit © NASA/GSFC Scientific Visualization Studio, TRMM

Verschiebungen der Niederschlagsmuster

Auch sind laut Reichwein nach dem Vulkanausbruch auf den Philippinen im Jahr 1991 Verschiebungen der Niederschlagszonen beobachtet worden, was bei einem groß angelegten Klimaexperiment durchaus zu den unerwünschten Nebeneffekten gehören könnte. In einem solchen Fall könnten die Folgen verheerend sein – zumindest für die Bewohner jener Regionen, die plötzlich auf dem Trockenen sitzen oder deren Felder nach Regenfluten versinken.

„Das Problem hierbei ist, dass man die Folgen nicht einfach im Versuch ausprobieren kann, denn nicht alle Risiken sind im kleinen Rahmen oder in einer Simulation erkennbar“, sagt David Reichwein. „Mit dem ersten großflächigen Einsatz stellen sich auch die Konsequenzen ein.“ Zudem müsste jedenfalls die Aerosolinjektion über einen längeren Zeitraum betrieben werden, um nicht bei einem Injektionsstopp eine möglicherweise noch rasantere Erderwärmung zu bewirken.

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MaxPlanckForschung 2/2010 / Birgit Fenzel
Stand: 19.11.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Geo-Engineering
Klima-Manipulation im Großlabor Erde

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