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Deutschland und die Stromlücke

Künftig zu viel oder zu wenig Energie?

Im Frühjahr 2008 stellte die Deutsche Energie-Agentur Dena eine Studie zur Energieversorgungssicherheit in Deutschland bis zum Jahr 2020 vor. Darin rechnet die Agentur vor, dass in Deutschland bereits ab 2012 nicht mehr genügend gesicherte Kraftwerksleistung zur Verfügung steht, um die Jahreshöchstlast beim Strombedarf zu decken.

Dena-Studie: Stromlücke kommt

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Ab 2015 soll die Deckungslücke etwa 2.800 Megawatt, das entspricht etwa drei bis vier Großkraftwerken, betragen. Bis 2020 werde die Deckungslücke sogar auf etwa 12.000 Megawatt anwachsen. Anfang August 2008 hat Dena-Chef Stephan Kohler in einem Interview mit der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ die Warnung erneuert, indem er meinte, dass die „Stromlücke“ weiter zunehme, wenn in Deutschland keine Kohlekraftwerke mehr gebaut würden. Dann würden bei der Stromversorgung im Jahre 2020 sogar bis zu 15.000 Megawatt Leistung – das entspricht 18 bis 19 Kraftwerken – fehlen

Die Umweltorganisation Greenpeace ließ darauf hin eine eigene Studie anfertigen, um die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen, die von der Dena angekündigte Stromlücke sei ein „Märchen“.

Laut Greenpeace steht die Dena-Studie im Widerspruch zu einer Vielzahl anderer Energie-Studien und sei mit dem Regierungsbericht zur Versorgungssicherheit, den der damalige Bundeswirtschaftsminister Glos im August 2008 vorgestellt hatte, auch amtlich widerlegt worden. „Laut diesem Gutachten,“ so Greenpeace, „ist der Bau von 11.000 der bis 2015 benötigten 15.000 Megawatt (MW) zusätzlicher Kraftwerksleistung bereits heute gesichert. Auch für die Realisierung weiterer 9.000 MW Kraftwerkskapazitäten bis 2020 sehen die Experten keine grundsätzlichen Probleme, zumal statt der erforderlichen 20.000 MW bis 2020 sogar 30.000 MW in Planung sind.“

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Greenpeace: Überproduktion

In der Greenpeace-Studie wurden die von der Dena vorgenommenen Prämissen untersucht und mit anderen Studien verglichen. Dabei sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Vielzahl der in der Dena-Studie verwendeten Annahmen und die daraus resultierenden Schlüsse einer Überprüfung nicht Stand hielten. „Die Dena-Annahmen zum Strombedarf, zu den Laufzeiten von Kraftwerken, sowie zur gesicherten Leistung der Erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung sind nicht nachvollziehbar. Die Herangehensweise führt im Jahre 2020 zu einer um 22.000 bis 27.000 Megawatt verringerten Leistung.“

Die Greenpeace-Studie stellt eine eigene Rechnung auf und kommt zu dem Ergebnis, „dass die in der Dena-Studie bis 2020 postulierte Deckungslücke nicht zu erwarten ist.“ Im Gegenteil: Bei Einhaltung des von der Bundesregierung formulierten

Energieeffizienz-Ziels sei 2020 mit Überkapazitäten in einer Größenordnung von rund 9.000 MW zu rechnen.

Experten gehen davon aus, dass möglicherweise beide Studien, sowohl die der Dena als auch die von Greenpeace, überzogen sind. Dennoch wird eines klar. Angesichts der bevorstehenden Veränderungen auf den weltweiten Märkten für Energie und fossile Energieträger muss auch Deutschland seinen bisherigen Energiemix überdenken.

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Stand: 20.03.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Geht uns der Strom aus?
Gazprom, Pipelines und die deutsche Energieversorgung

Beben in der Nachbarschaft
Russland und Ukraine im Erdgasstreit

Machtpoker am Gashahn
Wie verlässlich ist Russland?

Stabiler Energiemix
Wie verwundbar ist Deutschland?

Deutschland im Netz
„Energiedrehscheibe“ in Europa

Neue Pipeline-Projekte
North Stream und South Stream

Nabucco und der Kaspische Raum
Direktzugriff an Russland vorbei

Ein neues „Great Game“?
Wettlauf um Energie in Zentralasien

Wie lange noch?
Fossile Energieträger weltweit

Deutschland und die Stromlücke
Künftig zu viel oder zu wenig Energie?

Sonne, Wind und Effizienz
Der Energiemix der Zukunft

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