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Deutschland im Netz

„Energiedrehscheibe“ in Europa

Deutschland ist bereits jetzt in ein Netzwerk von Öl- und Gas-Pipelines eingebunden, das sich quer durch Europa zieht. GUS-Experte Roland Götz von der Stiftung Wissenschaft und Politik spricht sogar von Deutschland als einer „Energiedrehscheibe“, die besonders für die russische Energiewirtschaft eine wichtige Rolle spielt.

Gas braucht Pipelines

Erdgas-Verdichterstation © PPS Pipeline Systems GmbH

Pipelines sind bisher vor allem für den Transport von Erdgas wichtig, denn anders als Erdöl, kann es bisher kaum in Tankern transportiert werden. Die Technologie, Erdgas als Flüssiggas (LNG – Liquified Natural Gas) zu transportieren und somit unabhängig von Pipelines zu machen, ist bisher noch wenig verbreitet. Der Energieverlust ist bisher zu groß: Zehn bis 25 Prozent der Energie einer bestimmten Gasmenge müssen aufgewendet werden, um das Erdgas auf unter -160 Grad Celsius zu kühlen, damit es sich verflüssigt und in Tanks per Schiff, Schiene oder Straße transportiert werden kann. Erst ab 2.000 Kilometern Transportdistanz lohnt sich dieser Aufwand, alle Distanzen darunter sind sehr viel billiger per Pipeline zu überbrücken.

Allein in Deutschland ist das Erdgasnetz mit allen Fernleitungen, regionalen Leitungen und örtlichen Leitungen zu den Hausanschlüssen über 360.000 Kilometer lang.

Gas-Pipelines nach Deutschland

Das in Deutschland verwendete Erdgas wird über Pipelines aus Russland, Polen, Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen ins Land transportiert. Als wichtigste Verbindungen aus Russland gelten die bereits zu Sowjetzeiten gebaute Druschba-Trasse (aus Westsibirien über die Ukraine und Polen) sowie die in den 1990er Jahren fertig gestellte Jamal-Trasse von der Jamal-Halbinsel in Sibirien (über Weißrussland und Polen).

Mit diesen Gas-Pipelines kommt Deutschland auch eine wichtige Verteilungsfunktion innerhalb Europas zu. Denn durch Deutschland hindurch erhalten auch die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Österreich und Italien russisches Gas.

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Öl-Pipelines nach Deutschland

Die wichtigste internationale Öl-Pipeline für Deutschland heißt ebenso wie die Gas-Trasse Druschba (deutsch: Freundschaft) und verläuft aus Westsibirien über Weißrussland und Polen bis nach Schwedt in Brandenburg. Gebaut wurde die die Pipeline bereits Anfang der 1960er Jahre, und später weiter ausgebaut. Heute hat sie eine Länge von über 5.000 Kilometern und eine Transportkapazität von mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag.

Dazu ist Deutschland über weitere Pipelines mit Frankreich, Italien, den Niederlanden und Tschechien verbunden. Das Rohölfernleitungsnetz innerhalb Deutschlands hat eine Gesamtlänge von 2.400 Kilometern.

Verteilung am Kaspischen Meer

Zahlreiche Öl-Pipelines, die auch für Europa eine Rolle spielen, konzentrieren sich im Raum ums Kaspische sowie ums Schwarze Meer. Sie dienen vor allem dazu, Öl aus dem Kaspischen Raum nach Europa und in den Mittelmeerraum zu verteilen. Dazu gehören die Baku-Ceyhan-Pipeline, die von Aserbaidschan aus zum Mittelmeer führt, Northern Early Oil, die das Kaspische und das Schwarze Meer verbindet und die KPK-Pipeline vom westkasachischen Tengiz-Ölfeld zum Schwarzen Meer.

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Stand: 20.03.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Geht uns der Strom aus?
Gazprom, Pipelines und die deutsche Energieversorgung

Beben in der Nachbarschaft
Russland und Ukraine im Erdgasstreit

Machtpoker am Gashahn
Wie verlässlich ist Russland?

Stabiler Energiemix
Wie verwundbar ist Deutschland?

Deutschland im Netz
„Energiedrehscheibe“ in Europa

Neue Pipeline-Projekte
North Stream und South Stream

Nabucco und der Kaspische Raum
Direktzugriff an Russland vorbei

Ein neues „Great Game“?
Wettlauf um Energie in Zentralasien

Wie lange noch?
Fossile Energieträger weltweit

Deutschland und die Stromlücke
Künftig zu viel oder zu wenig Energie?

Sonne, Wind und Effizienz
Der Energiemix der Zukunft

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