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Der Vollstrecker des Zaren

Lomonossow im akademischen Dienst

Zurück in Sankt Petersburg widmet sich Lomonossow sofort wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit. Sehnlichst wünscht er sich nun die Aufnahme in die Reihen der angesehenen Wissenschaftler der Akademie.

Geduldsprobe in St. Petersburg

Schließlich wird er als Assistent der physikalischen Fakultät angestellt, darf jedoch selbst keine Vorlesungen halten. Für die damaligen Verhältnisse wird Lomonossow ein fürstliches Gehalt von 360 Rubeln pro Jahr zugesichert, von denen er im ersten Jahr jedoch nur ein Drittel ausgezahlt bekommt.

Seit seiner Rückkehr nach Sankt Petersburg setzt sich Lomonossow für den Bau und die Einrichtung eines Chemielabors ein. Doch die Akademie stellt dafür keine Mittel bereit, weil sie das Labor nicht für notwendig erachtet. Lomonossow hat mittlerweile einen Mineralien- und Fossilien-Katalog verfasst und der Akademie vier weitere Dissertationen in Chemie und Physik vorgelegt, die bei den Gutachtern auch auf Zustimmung stoßen. Dennoch kann man sich nicht entschließen, ihn zum Professor zu berufen.

Endlich Professor!

Eines Tages schließlich verliert Lomonossow die Geduld und stürmt ins geographische Institut, wo er sich lauthals über die Akademiemitglieder beschwert, die ihm die Zuerkennung des höchsten akademischen Grades verweigern. Sein Auftritt wird zu Protokoll genommen, was Lomonossow folgendermaßen kommentiert: „Ja, ja, schreiben sie nur! Ich verstehe so viel wie ein Professor, und ich bin ein Landeskind!“ – Erst im Jahr 1745 wird er dann doch zum Professor der Chemie ernannt. Kurz darauf nimmt er auch Lesungen an der physikalischen Fakultät auf.

Gründungsurkunde der Moskauer Universität © Uni Moskau

Schon zwei Jahre zuvor war überraschend seine Frau aus Marburg mit der gemeinsamen Tochter in Sankt Petersburg aufgetaucht. Die drei ziehen zusammen und die Ehe hält bis ans Lebensende des Wissenschaftlers.

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Als Akademiemitglied erhält Lomonossow das Haus zugesprochen, in dem er vorher mit seiner Familie zwei Zimmer bewohnte. Mit finanzieller Unterstützung der Akademie richtet er hier nach sieben Jahren vergeblicher Bitten im Jahre 1748 endlich das ersehnte Chemielabor ein. Es ist das erste in Russland und gilt als eine der großen Leistungen des Wissenschaftlers.

Reform im Sinne Peters des Großen

Lomonossow ist das erste russische Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Als solches macht er sich neben seiner Forschungsarbeit daran, das Lehrsystem in Russland umzugestalten. Er übersetzt zahlreiche Schriften aus den damaligen Unterrichtssprachen Latein und Deutsch ins Russische. Außerdem plädiert er dafür, den Unterricht in russischer Sprache zu halten.

Peter der Große, der kurz nach der Gründung der von ihm initiierten Akademie im Jahre 1725 gestorben war, hatte ein modernes russisches Bildungssystem angestrebt. Bereits damals existierte die Idee von einem zweistufigen Ausbildungsweg. Neben der Akademie mit den führenden Köpfen der Wissenschaft des Landes, sollten ein Gymnasium für die vorakademische Ausbildung und eine Universität gegründet werden.

Eine Uni für alle!

Lomonossow arbeitet nun Pläne für die Errichtung einer Universität aus. Mit Hilfe der Tochter Peters des Großen, Elisabeth I., die ihren Vater als Zarin beerbt hatte, wird das Projekt umgesetzt. 1755 erfolgt schließlich die Gründung der Moskauer Universität. Nach der Studienordnung, die Lomonossow erarbeitet hat, besteht die Hochschule aus drei Fakultäten, einer philosophischen, einer juristischen und einer medizinischen.

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Unterrichtet wird in lateinischer und russischer Sprache. Schon in der Präambel zur Gründung ist festgelegt worden, dass die Universität für die Ausbildung nichtadliger Studenten geschaffen wurde. „An der Universität wird der Student angesehen, der mehr gelernt hat; ohne Belang, wessen Sohn er ist“, so Lomonossow. Der Unterricht ist kostenlos. An der Moskauer Universität entsteht schon bald die erste Buchdruckerei des Landes. Einhundert Jahre lang bleibt die Universitätsbibliothek die einzige öffentliche Bibliothek Moskaus. Und die Universität selbst entwickelt sich für die nächsten 200 Jahre zur bedeutendsten Bildungsinstitution in Russland.

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Stand: 28.07.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Michail Wassiliewitsch Lomonossow
Der Begründer der Wissenschaft in Russland

Flucht aus der Leibeigenschaft
Vom Bauernsohn zum Musterschüler

Als Austauschstudent in Deutschland
Lehrjahre in Marburg und Freiberg

Der Vollstrecker des Zaren
Lomonossow im akademischen Dienst

Von der Erhaltung der Masse
Experimentalforscher aus Leidenschaft

Tipps für russische Bergarbeiter
Praktische Geologie und Grundlagenforschung

Russisch als Leidenschaft
Der Sprach-Reformer

Die letzten Jahre …
… und was der Nachwelt erhalten blieb

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