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… und was der Nachwelt erhalten blieb

Die letzten Jahre …

1758 wird Lomonossow Direktor des Geographischen Institutes an der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist er während der gesamten Zeit als Angestellter der Akademie bei Beförderungen häufig übergangen worden. So hatte er zu seinem Leidwesen beispielsweise zwölf Jahre lang den gleichen Dienstgrad inne.

1762 will er – bereits gezeichnet von der Krankheit, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens mit schmerzenden, offenen Beinen ans Bett fesselt – endgültig kündigen. Doch seinem Antrag wird nicht stattgegeben. Anstelle dessen erinnert sich die Zarin der Bedeutung seiner Arbeiten und befördert ihn schließlich zum Staatsrat mit dem lebenslangen Gehalt von 1.875 Rubeln pro Jahr.

Letzte Expedition zum Nordmeer

Nachdem Lomonossow eine kurze Abhandlung über Reisen zum Nordpolarmeer veröffentlicht hat, in der er eine mögliche Passage vom Sibirischen Ozean ins östliche Indien andeutet, erhält er im Mai 1764 von höchster Stelle den Auftrag, eine neue Expedition vorzubereiten. Sie soll eben jenen Weg nach Indien erkunden. Für das Unternehmen werden 20.000 Rubel zur Verfügung gestellt, den Teilnehmern winken hohe Auszeichnungen und – im Falle eines Todes – ihren Witwen lebenslange Renten. Lomonossow kümmert sich persönlich darum, dass die Schiffe mit den notwendigen Navigationsinstrumenten ausgerüstet werden, und sorgt für die Ausbildung der Steuermänner.

Lomonossow-Rücken © Marum DFG

Es ist ihm dann jedoch nicht mehr vergönnt, den Start der Expedition selbst mitzuerleben. Im April 1765 stirbt der große Gelehrte im Alter von nur 54 Jahren. Wenige Wochen später stechen drei Schiffe in Richtung Nordmeer in See. Doch weder diese Reise noch der zweite Versuch ein Jahr später haben Erfolg. Weil das Packeis undurchdringbar bleibt, müssen die Schiffe jeweils nach kurzer Zeit nach Archangelsk zurückkehren…

In den Augen der Zeitgenossen

Doch welchen Stellenwert hatten Lomonossow und seine Entdeckungen im 18. Jahrhundert? Und wie nimmt man den ersten Universalgelehrten aus Russland heute wahr? Nur wenige seiner Zeitgenossen erkannten die Brillanz des russischen Wissenschaftlers bereits zu Lebzeiten. Seine Forschungen zur Physikalischen Chemie beispielsweise wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts wirklich gewürdigt, erlebte die Wissenschaft doch erst 150 Jahre nach Lomonossow ihren Höhepunkt.

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Einer seiner Akademiekollegen sagte immerhin über ihn: „Wenn es denn einen Nachteil an ihm geben sollte, dann ist es der, dass man auf viel Gutes von ihm noch warten muss.“ Puschkin, der Lomonossow trotz dessen Ruhm als Dichter für einen schlechten Poeten hielt, räumte zumindest hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Arbeit ein: „Er gründete die erste Universität, doch besser könnte man sagen, er ist selbst eine ganze Universität.“

Die Entdeckungen

Lomonossows Entdeckungen reichten von seinen Hauptinteressengebieten Physik und Chemie über Geologie, Mathematik, Geometrie, Philosophie und Philologie, Vermessungswesen, Meteorologie und Ozeanologie bis hin zur Astronomie. Er erkannte beispielsweise bereits, dass sich Eisberge nur in Küstengebieten und aus Frischwasser bilden können. Er entwarf ein Teleskop und ermittelte den Gefrierpunkt von Quecksilber. Er stellte fest, dass sich Licht wellenförmig ausbreitet und dass Wärme eine Form der Bewegung kleinster Teilchen sein muss.

Beim Venustransit im Jahr 1761 beobachtete Lomonossow rund um den Planeten einen schmalen Lichtring. Er schlussfolgerte daraus, dass die Venus eine Atmosphäre haben müsse. Diesen Effekt, der tatsächlich durch die Brechung des Sonnenlichts in den oberen Atmosphärenschichten der Venus ausgelöst wird, nennt man heute Lomonossow-Effekt.

Doch damit längst nicht genug. Lomonossow wollte noch viel mehr: Er strebte eine genaue Wetter-Prognose an, für die er meteorologische Stationen bauen wollte. Mit selbstschreibenden Instrumenten beabsichtigte er zudem die oberen Schichten der Atmosphäre zu untersuchen – eine Methode, die erst Ende des 19. Jahrhunderts erstmals realisiert wurde

Ein berühmter Name

Als Namensgeber diente Lomonossow nicht nur in der Astronomie. Aufgrund seiner Leistungen in der Geologie wurde unter anderem ein unterseeischer Gebirgszug im Nordpolarmeer, der über 1.500 Kilometer von Nord-Grönland über den Nordpol bis an das sibirische Küstenmeer hinzieht, nach ihm benannt.

Und schließlich würdigte man die Lebensleistungen von Lomonossow, der aufgrund seiner vielfältigen Impulse als Begründer der russischen Wissenschaft gilt, mit der wahrhaft schönsten Ehrung, die ihm posthum widerfahren konnte. 1940, 185 Jahre nach ihrer Gründung durch Michail Lomonossow, wurde die Moskauer Universität in Lomonossow-Universität umbenannt. Und so heißt sie noch heute.

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Stand: 28.07.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Michail Wassiliewitsch Lomonossow
Der Begründer der Wissenschaft in Russland

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Flucht aus der Leibeigenschaft
Vom Bauernsohn zum Musterschüler

Als Austauschstudent in Deutschland
Lehrjahre in Marburg und Freiberg

Der Vollstrecker des Zaren
Lomonossow im akademischen Dienst

Von der Erhaltung der Masse
Experimentalforscher aus Leidenschaft

Tipps für russische Bergarbeiter
Praktische Geologie und Grundlagenforschung

Russisch als Leidenschaft
Der Sprach-Reformer

Die letzten Jahre …
… und was der Nachwelt erhalten blieb

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