Das tobende Rudel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ein Sturm kommt selten allein...

Das tobende Rudel

Zyklonengruppe © NASA/GSFC

Winterstürme sind keine Einzelkämpfer. Im Gegenteil: Mit Vorliebe suchen sie Europa gleich rudelweise heim. Im Winter 1990 ließen „Daria“, „Vivian“, „Wiebke“ und fünf weitere Tiefdruckwirbel Mensch und Natur kaum eine Atempause: Innerhalb von nur zwei Monaten rasten neun Stürme über den Kontinent, die beiden stärksten von ihnen, „Vivian“ und „Wiebke“ folgten im Abstand von nur zwei Tagen aufeinander. Sie hinterließen eine Rekord-Schadensbilanz von annähernd neun Milliarden Euro und kosteten 64 Menschen das Leben.

Neun Jahre später, fast um die gleiche Zeit, schien sich die Geschichte zu wiederholen: Innerhalb von nur Tagen überzogen gleich drei schwere Stürme Europa: Am 3. Dezember 1999 bildete „Anatol“ den tosenden Auftakt. Er raste mit Windstärke zwölf und Windgeschwindigkeiten von mehr als 180 Stundenkilometern über Großbritannien, Dänemark und Schweden hinweg. Die Folge war unter anderem ein neuer dänischer Schadensrekord von mehr als zwei Milliarden Euro.

"Lothar" im Anmarsch © NOAA

Doch kaum hatte sich Nordeuropa erholt, folgten dicht hintereinander am 26. und 27. Dezember schon die nächsten beiden Rudelmitglieder: „Lothar“ und „Martin“. Sie übertrafen „Anatols“ Schadensrekord noch einmal locker um das Dreifache.

Doch was macht diese Stürme so „gesellig“? Ursache dafür sind die besonderen meteorologischen Gegebenheiten in solchen „Sturmjahren“. Sowohl 1990 als auch 1999 waren außergewöhnlich warm. Gemessen am langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 lag die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland um 1,3°C höher. Meteorologen rechnen beide Jahre zu den drittwärmsten des letzten Jahrhunderts in Europa. Bis weit in den Dezember hinein herrschte mildes Klima vor.

Und genau hier lag das Problem: In sehr kalten Wintern sorgt ein Hochdruckgebiet über dem Osten Europas für „sibirische Kälte“. Dieses Kältehoch bringt jedoch nicht nur Schnee und Eis mit sich, es wirkt auch als Schutzwall: Wie ein Riegel schiebt es sich zwischen Europa und den Atlantik. Als Folge werden die von Westen heranziehenden Luftmassen, und damit auch die Sturmtiefs blockiert und abgelenkt. In milden Wintern aber fehlt dieses Schutzhoch – und Europa ist den rudelweise einfallenden Stürmen schutzlos ausgeliefert.

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Stand: 20.10.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Winterstürme
Stürmische Zeiten für Mitteleuropa?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Winter, Wolkenwirbel und Wellen
Stürme und ihre Folgen

Konfrontation im Nordatlantik
Warum unsere Stürme immer von Westen kommen...

Eine Bombe zur Jahrtausendwende
"Lothar" - Sturmlauf über Europa

Das tobende Rudel
Ein Sturm kommt selten allein...

Kein Gegenmittel?
Mit Karten und Warnungen gegen die Gefahr

Alarmstufe Sturm
Mehr Stürme durch den Klimawandel?

Nasser, näher und zu mild
Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

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