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Das tobende Rudel

Ein Sturm kommt selten allein...

Winterstürme sind nur selten Einzelkämpfer. Im Gegenteil: Mit Vorliebe suchen sie Europa gleich rudelweise heim. Das demonstrierte unter anderem der Orkan „Sabine“ vom 9. Februar 2020 und seine Nachfolger. Auch im Winter 2017/2018 zogen in rascher Folge gleich mehrere Sturmtiefs über uns hinweg.

Negative NAO
Ist die NAO in einer negativen Phase, gibt es bei uns meist weniger Stürme. © Lamont -Doherty Earth Observatory

Die Folgen solcher Sturmserien sind erheblich. Im Winter 1990 rasten innerhalb von nur zwei Monaten neun Stürme über den Kontinent, die beiden stärksten von ihnen, „Vivian“ und „Wiebke“ folgten im Abstand von nur zwei Tagen aufeinander. Sie hinterließen eine Rekord-Schadensbilanz von annähernd neun Milliarden Euro und kosteten rund 100 Menschen das Leben.

Schützendes Blockadehoch

Doch was macht diese Stürme so gesellig? Eine Ursache dafür ist die Nordatlantische Oszillation (NAO) – ein atmosphärisches Zirkulationsmuster, das von der Balance zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief geprägt wird. Ist der NAO in einer negativen Phase, sind die Luftdruckunterschiede über dem Nordatlantik gering und auch der vom Atlantik nach Europa wehende Westwind bleibt schwach.

Als Folge kann sich über Europa ein blockierendes Hochdruckgebiet ausbilden, Wie ein Riegel schiebt dieses sich zwischen uns und den Atlantik. Als Folge werden die von Westen heranziehenden Luftmassen, und damit auch die Sturmtiefs, blockiert und abgelenkt. Gleichzeitig lässt dieses Blockadehoch kalte Polarluft zu uns einströmen, weshalb eine solche Wetterlage im Winter oft mit Kälte und klarem Himmel verbunden ist.

Positive NAO
Bei positivem NAO-Index ist der Jetstream stark und die Stürme haben freie Bahn zu uns. © Lamont -Doherty Earth Observatory

Sturmtiefs wie am Fließband

Anders ist dies, wenn der NAO-Index positiv ist: Dann sorgen starke Luftdruckgegensätze über dem Nordatlantik dafür, dass der Jetstream besonders kräftig ausgeprägt ist. Mit ihm dringen starke Westwinde weit nach Mitteleuropa vor und verhindern dort die Ausbildung eines starken Blockadehochs. Mit dieser sogenannten West-Wetterlage verbunden ist eine unbeständige, milde Witterung. Im Winter sinken die Temperaturen dabei nur selten unter den Gefrierpunkt, stattdessen prägt ein Wechsel von Schauern und kurzen sonnigen Abschnitten unser Wetter.

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Gleichzeitig können bei einer solchen Wetterlage winterliche Sturmtiefs weitgehend ungehindert über Europa hinwegziehen. Vom Jetstream vorangetrieben, kommen diese Tiefdruckgebiete dann wie am Fließband relativ schnell und in rascher Folge – es kommt zu Sturmserien wie nach „Sabine“. Dabei bewegen sich die Zentren dieser Tiefdruckgebiete meist auf einer Schneise, die von Frankreich bis nach Skandinavien zieht und uns im Norden passiert. Diese Tiefs überziehen Deutschland dann mit ihren windreichen Sturmausläufern.

Meteorologen können meist schon einige Tage im Voraus absehen, dass sich ein potenziell stürmisches Tiefdruckgebiet bildet. Doch wie schnell und auf welcher Höhe dieser Wintersturm dann über Europa hinwegzieht, lässt sich meist erst wenige Stunden vor seiner Ankunft genauer einschätzen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Winterstürme
Stürmische Zeiten für Mitteleuropa?

Konfrontation im Nordatlantik
Warum unsere Stürme immer von Westen kommen...

Aus Wind wird Sturm
Was einen Wintersturm so zerstörerisch macht

Das tobende Rudel
Ein Sturm kommt selten allein...

Alarmstufe Sturm
Mehr Stürme durch den Klimawandel?

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Mit Karten und Warnungen gegen die Gefahr

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