Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 15.03.2010
Schalter aus nur einem Molekül
Erster Test für kleinsten elektrischen Schalter
Wissenschaftler haben den bisher wohl kleinsten elektrischen Schalter jetzt in einer Simulation getestet. Wie sie in der Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ berichten, nutzten sie dafür ein Isomer, ein Molekül, dass in zwei räumlichen Strukturen vorliegen kann.

Schematische Darstellung eines Azobenzolmoleküls gebunden an zwei metallischen Elektroden (Kohlenstoffnanoröhren)
Schematische Darstellung eines Azobenzolmoleküls gebunden an zwei metallischen Elektroden (Kohlenstoffnanoröhren)
© Franz Stadler / Universität Regensburg Schematische Darstellung eines Azobenzolmoleküls gebunden an zwei metallischen Elektroden (Kohlenstoffnanoröhren)
"Immer kleiner, immer effizienter" lautet die Devise, wenn es um die Entwicklung von Computern und anderen elektronischen Geräten geht. Längst bewegen sich die Bauteile in unvorstellbar kleinen Dimensionen; ein Silizium basierter Transistor beispielsweise hat heute eine Seitenlänge von 90 Nanometern. Und die Entwicklung geht weiter: Größenordnungen von einem Nanometer - das sind ein Milliardstel Millimeter - sollen die Bauteile der Zukunft haben. Sie wären damit so klein wie Moleküle.

Doch können Moleküle als elektronische Bauelemente fungieren? Sie können, sagen jene Wissenschaftler, die an der Grenze von Quantenphysik und Elektronik auf dem jungen Gebiet der "Molekularen Elektronik" führend sind. Unter ihnen auch die von der Volkswagen-Stiftung mit 960.000 Euro geförderte Regensburger Nachwuchsgruppe um Dr. Gianaurelio Cuniberti und Wissenschaftler der Universität Madrid: Sie simulierten jüngst einen Schaltkreis, in dem ein einzelnes organisches Molekül als elektrischer Schalter agierte. Die Ergebnisse der Versuche sind in der aktuellen März-Ausgabe der Zeitschrift Nature Nanotechnology veröffentlicht.

Isomere als Schalterkandidaten
Azobenzol heißt das Molekül, mit dem die Forscher einen der bisher wohl kleinsten elektrischen Schalter simulierten. Das Azobenzol gehört zu der Klasse von Molekülen, die in verschiedenen räumlichen Strukturen vorliegen. Solche auch als Isomere bezeichneten Zustände eines Moleküls können qualitativ unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Sie reagieren beispielsweise ganz verschieden auf ein elektrisches Feld. Diesen Umstand will man sich in der molekularen Elektronik zunutze machen. Um die elektrischen Transporteigenschaften des Azobenzol-Moleküls und seiner Isomere zu untersuchen, wählten die Regensburger Physiker komplexe Computersimulationstechniken.

Molekülstruktur beeinflusst Leitungseigenschaften
Im Modell wurde das Molekül chemisch gebunden an zwei metallischen Nanoröhrchen - bestehend aus Kohlenstoffatomen -, die als Nanoelektroden wirken. Wurde nun eine elektrische Spannung angelegt, konnten Ladungen durch das Molekül fließen. In der Simulation zeigte sich, dass beide Isomere völlig verschiedene elektrische Leitungseigenschaften aufweisen. Eine Änderung der räumlichen Molekülstruktur - induziert zum Beispiel durch Laserlicht unterschiedlicher Wellenlänge - könnte demnach den Fluss des elektrischen Stroms dramatisch verändern und somit eine Schaltfunktion auf der molekularen Skala realisieren.

Ein wichtiges Ergebnis: Die Schaltfähigkeit wird besonders beeinflusst von den chemischen Gruppen, die das Molekül an die Elektroden binden. Cuniberti und sein Team planen weiterführende Untersuchungen, um die Effizienz und die Stabilität dieses molekularen Schalters zu testen. Ihre Ergebnisse werden wichtige Informationen zur Entwicklung modernster Elektronik liefern. Bei aller Zuversicht wissen die Forscher aber auch: "Auf den molekularen Computer wird man noch eine Weile warten müssen."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanotechnologie, Schalter, MOlekül, Transistor, Miniaturisierung, Schaltkreis, Chemie, Elektronik, Technik, Isomer, Azobenzol
Weitere News zum Thema
Rauschen macht Nanoelektroden schneller (12.03.2010)
Neue Methode kann Verhalten elektrochemischer Nanosysteme vorausberechnen
Forscher starten kleinste Lasershow der Welt (10.03.2010)
Ultraschnelles Schalten nanooptischer Anregungen demonstriert
Forscher enthüllen winzige atomare Kräfte (24.02.2010)
Neue Methode kann atomare Wechselwirkungskräfte in bisher unerreichter Genauigkeit messen
"Tinte" mit zwei Gesichtern (24.02.2010)
Materialwissenschaftler entdecken universelles selbstorganisierendes Molekül
Röntgenblitze bringen Licht in die Nanowelt (23.02.2010)
Forscher führen Pionier-Experimente mit dem weltweit ersten Röntgen-Freie-Elektronen-Laser durch
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Duell in der Quantenwelt
Wie Quanten Information verarbeiten
Künstliche Intelligenz
Wenn Maschinen zu denken beginnen...
Smart Dust
Die unsichtbaren Computernetze der Zukunft
News des Tages
Antarktis: Seen unter dem Eis beeinflussen Klima
Schalter aus nur einem Molekül
Trendsportarten bedrohen Wildtiere
Kleine Flöße gegen Anthrax
Leukämie: Genschalter macht Zellen therapieresistent
Wandernde Atome unter dem Erdmantel
Klimawandel im Wattenmeer begonnen
Lage alpiner Speicherseen dramatisch
Bücher zum Thema
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
Die Wunder maschine
Die unendliche Geschichte der Daten- verarbeitung von Herbert Matis
Homo sapiens: Leben im 21. Jahrhundert
Was bleibt vom Menschen? von Ray Kurzweil
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen
3. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
4. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
5. Gehirn liebt keine Überraschungen