Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 07.02.2012
Molekülrätsel an porösen Materialien gelöst
Neuer Experimentalansatz hilft bei Entschlüsselung der Sorptionshysterese
Die Geschwindigkeit, mit der ein poröses Material Moleküle aufnehmen oder abgeben kann, wird durch sie so genannte Sorptionshysterese beschrieben.Jetzt haben Wissencshaftler erstmals experimentell nachgewiesen, wodurch das Tempo dieser Austauschprozesse bestimmt wird.

Poröse Systeme kommen unter anderem in der Industrie zum Einsatz, wenn etwa bestimmte Stoffe voneinander getrennt werden sollen. Auch bei der Umwandlung von Stoffen werden poröse Oberflächen eingesetzt. Die Untersuchungen dazu, wie sich flüssige oder gasförmige Moleküle in solchen Porensystemen verhalten, sind daher von ganz praktischer Bedeutung: Denn ein technologischer Prozess kann nicht schneller verlaufen als die Geschwindigkeit, mit der die beteiligten Moleküle in das Porensystem eintreten und es wieder verlassen. Eine schnelle Umwandlung des Moleküls im Porensystem nutzt gar nichts, wenn dieses dann sehr lange braucht, um aus dem Porensystem wieder auszutreten.

Das physikalische Phänomen der Sorptionshysterese ist seit mehr als 100 Jahren bekannt: Wenn poröse Oberflächen Moleküle aufnehmen und wieder abgeben, ist die Gesamtmenge der Moleküle im Porensystem während der Aufnahme und Abgabe unterschiedlich, obwohl die äußeren Bedingungen wie Druck und Temperatur völlig gleich sind. Warum dies so ist, haben jetzt die Grenzflächenphysiker Jörg Kärger, Rustem Valiullin, Sergej Naumov und Petrik Galvosas von der Universität Leipzig näher untersucht. Sie sind dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen, wie die renommierte Fachzeitschrift "Nature" berichtet.

Bislang war die Wissenschaft nach Angaben von Kärger davon ausgegangen, dass die Geschwindigkeit, in der sich ein Gleichgewicht der Moleküle bei Adsorption und Desorption einstellt, durch eine Verlangsamung der molekularen Beweglichkeiten hervorgerufen wird. Die Leipziger Forscher stellten nun jedoch fest, dass das Tempo der Gleichgewichtseinstellung eine Folge der Umverteilung der Moleküle und der Entspannungsprozesse im Porensystem ist, die damit verbunden sind.

Möglich war die Entschlüsselung dieses Rätsels geworden, weil sich die Wissenschaftlergruppe eines neuen Experimentalansatzes bediente: Sie ging dem dynamischen Prozess der Sorptionshysterese mittels verschiedener Verfahren der Kernmagnetischen Resonanz auf den Grund.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Molekül, Sorptionshysterese, Absorption, Geschwindigkeit, Chemie, Reaktion
Weitere News zum Thema
Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn (03.02.2012)
Spezialmikroskop macht winzigste Veränderungen von Gehirnzellen sichtbar
Massage wirkt ähnlich wie Schmerzmittel (02.02.2012)
Forscher klären molekularen Mechanismus hinter der Behandlung auf
Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis (26.01.2012)
Neue Technologie ermöglicht noch schärfere Bilder aus der Nanowelt
Archaeopteryx hatte schwarze Flügel (25.01.2012)
Forscher bestimmen erstmals die Farbe einer 150 Millionen Jahre alten Feder
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
News des Tages
Saturnmond als kosmischer Graffitikünstler
"Out of Africa" - auch für Bakterien
Rosetta wirft ersten Blick auf Asteroiden
Chemotherapie mit magnetischen Nanopartikeln
Unterirdische „Autobahnen" für Bakterien entdeckt
Klimawandel drückt Sozialprodukt
Molekülrätsel an porösen Materialien gelöst
Bücher zum Thema
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Pythons gefährden Säugetiere der Everglades
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
5. Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration