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Donnerstag, 23.03.2017
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Über den Dächern von Berlin

Virtuelles 3D-Stadtmodell hilft bei Stadt- und Wirtschaftsplanung

Wie in einem Computerspiel kann jetzt jeder über Berlins Dächer fliegen - in fotorealistischer Qualität und mit einer Unmenge an Daten nur einen Mausklick entfernt. Möglich macht dies ein virtuelles 3D-Stadtmodellsystem, das von der Stadt Berlin zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (HPI) und dessen Ausgründung, der 3D Geo GmbH erstellt wurde.
3D-Modell Berlin mit ehemaligem Mauerverlauf (rot)

3D-Modell Berlin mit ehemaligem Mauerverlauf (rot)

Mit dem Programm lässt sich vieles darstellen. Zum Beispiel kann man das gesamte Nahverkehrsnetz samt Abfahrtzeiten über die Straßenzüge legen oder den Verlauf der Mauer mitsamt der Todeszone noch einmal genau verfolgen. In der Wirtschaftsförderung gibt es zusätzliche Daten für das Modell, so sind beispielsweise zum Verkauf oder zur Miete stehende Flächen und Immobilien ebenso verzeichnet, wie Versorgungsleitungen, das amtliche Geländemodell und Gebäude-Grundrisse aus dem Grundbuch. Sozialdaten über die Bevölkerung enthält das System nicht. „So interessant manche Daten auch wären, dies könnte zu leicht zu Missbrauch und Datenschutzverletzung führen“ erläutert Jürgen Döllner, Projektleiter am HPI. Über 100.000 Gebäudemodelle – zum Teil mit Innenansichten – sind in der Datenbank gespeichert und in Echtzeit während des Fluges über die Dächer abrufbar. Ob Grünanlagen, einzelne Bäume oder Gebäude - alles wird in der 3D-Grafik dargestellt.

Kombination aus Luft- und Satellitenbildern


Möglich wird die Detailgetreue durch eine Vielzahl von Luft- und Satellitenbildern. Besonders scharf sind dabei die Bilder der hoch auflösenden Stereo Kamera (HRSC) die das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt für die Erforschung des Mars entwickelt hat. Sie wurden mit einer Auflösung von 25 Zentimetern aus einer Flughöhe von unter 200 Metern aufgenommen. Fassaden besonders markanter Gebäude, wie zum Beispiel der Gedächtniskirche und des Bundestages sind im Computer zusätzlich erfasst, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen und die Orientierung zu erleichtern.

Kanzleramt von oben

Kanzleramt von oben

Was eventuell für manche wie eine touristische Spielerei anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Gerade in Berlin wurde seit dem Fall der Mauer ein Großprojekt nach dem anderen realisiert, das Gesicht der Stadt hat sich stark verändert. Mit dem jetzt entwickelten Werkzeug können solche Veränderungen in ihrer Wirkung schon vorher im Computer realistischer als bisher simuliert werden. Vor diesem Hintergrund hatte vor ein paar Jahren die Erfassung von 3D-Daten durch die Architekturwerkstatt des Senatsbaudirektors begonnnen. Diese Daten bilden den Grundstock für das jetzige Projekt.


Funknetz und Flächennutzungsplan optimieren


Praktische Anwendungen gibt es viele: „Seit etwa vier Jahren arbeiten wir mit T-Mobile zusammen. Mit unseren Daten und Programmen optimieren sie die Funknetzplanung, damit in Berlin möglichst keiner mehr ins Funkloch fällt“, erläutert Jürgen Döllner. Das Business Location Center in Berlin zeigt potentiellen Investoren, wo welche Immobilien zu welchem Preis zu haben sind. Der Flächennutzungsplan soll in Zukunft ebenfalls objektbezogen, also jeweils pro Haus aufgeschlüsselt eingebunden werden. Zurzeit liegt er zwar digital vor, aber eben nicht auf die einzelnen Gebäude bezogen. Genau dies ist aber das neuartige an dem Projekt – sämtliche Daten, von Dachfarbe und -form bis Quadratmeterpreis sind mit dem jeweiligen Objekt verknüpft und können so je nach Bedarf vom Programm abgerufen werden.

Nahverkehr am Potsdamer Platz

Nahverkehr am Potsdamer Platz

Die Herausforderungen bei der Umsetzung waren vielfältig. Das System sollte amtliche Geodaten sowohl in 2D als auch in 3D automatisch einbinden können und so eine hohe Aktualität erhalten. Außerdem muss das System die enormen Datenmengen in Echtzeit verarbeiten– immerhin soll nicht nur der Hubschrauberflug nicht stocken, sondern auch der Anwender zeitnah an seine Daten kommen. Die Anwendung soll sich mit möglichst vielen verschiedenen Systemen verständigen können. So könnten zum Beispiel andere Spezialprogramme die Daten nutzen, um die Lärmausbreitung innerhalb einer Stadt schon vorher zu berechnen. Die Daten sollen außerdem in Bild, Video, Internet und DVD übertragbar sein. Und nicht zuletzt sollen die Veränderungen, die sich nach und nach in der Stadt ergeben nachvollziehbar sein, so dass auch vorherige Zustände abgerufen werden können. Und natürlich lässt sich mit dem System in die Zukunft schauen, denn bevor man baut, kann man sich jetzt schon das fertige Ergebnis in seiner ganzen Pracht anschauen.

Weitere Informationen finden Sie unter:


3D-Stadtmodell Berlin
Hasso-Plattner-Institut
3D Geo GmbH
(Kirsten Achenbach, DFG-Forschungszentrum Ozeanränder, 23.08.2006 - AHE)
 
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