Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Schlafen macht schlau
Nickerchen von Babys unterstützen das Lernen von abstrakten Zusammenhängen
Babys sind wirklich zu beneiden: Sie bekommen Nahrung, bedingungslose Liebe und jede Menge Schlaf wann immer sie wollen. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die häufigen Nickerchen nicht nur erholsam sind, sondern auch die Lern- und Abstraktionsfähigkeit der Kleinkinder verbessern.

Baby
Baby
© IMSI MasterClips
Die Psychologen Rebecca Gomez, Richard Bootzin, und Lynn Nadel von der Universität von Arizona berichten in der Fachzeitschrift „Psychological Science“ über die Ergebnisse ihrer Studie an 48 Kleinkindern im Alter von 15 Monaten. In den Experimenten spielten sie den Kindern jeweils Phrasen einer künstlichen Sprache vor und wiederholten dies so lange, bis die Kinder sich an sie gewöhnten. Bevor die Wissenschaftler aber die Lernfähigkeit der Kinder anhand dieser Phrasen testeten, teilten sie diese in zwei Gruppen ein: Die Hälfte von ihnen durfte die gesamte Zeit über normale Nickerchen machen, die Tests der anderen wurden zeitlich so gelegt, dass die Babys dazwischen nicht schliefen.

Abstrakte Wortbausteine mit innerer Logik
Die Phrasen, beispielsweise „pel – wadim – jic“ umfassten immer drei Bausteine, von denen der erste und letzte in immer im gleichen Verhältnis zueinander standen. Im Beispiel stand „pel“ immer vor „jic“. “Obwohl das sinnlose Töne sind, hat diese Kunstsprache einige Ähnlichkeit zur Struktur des englischen Satzbaus“, erklärt Gomez. Wenn die Kinder nach einem ersten Versuchsdurchgang in das Labor zurückkehrten, wurden ihnen die bekannten Phrasen zusammen mit neuen Phrasen, aber der gleichen inneren Logik vorgespielt.

Die Wissenschaftler beobachteten die Augenbewegungen und Blickrichtung der Kinder während der akustischen „Bespielung“. Je nachdem, ob und wie lange die Kinder ihren Blick auf eine gleichzeitig zu den abgespielten Phrasen aufleuchtende Lampe richteten, schlossen die Forscher auf eine mehr oder weniger große Aufmerksamkeit. Ob den Kindern die Phrasen bekannt vorkamen oder nicht, entnahmen sie dem Verhalten ebenfalls.

„Schläfer“ konnten generalisieren
Die Versuche ergaben deutliche Unterschiede zwischen den „Schläfern“ und „Nichtschläfern“: Die Babys, die nicht geschlafen hatten, erkannten zwar die bereits gehörten Phrasen, nicht aber die bekannte innere Logik bei den neuen Phrasen. Anders bei den „Schläfern“. Die Babys, die zwischen den Versuchen Nickerchen gehalten hatten, erkannten auch die neuen Wortkombinationen als bekannt. Sie hatten offenbar die die Grundlogik erkannt und auf die neuen Phrasen übertragen.

Nach Ansicht der Forscher ist dies ein Hinweis darauf, dass Nickerchen das abstrakte Lernen und speziell die Fähigkeit allgemeine Muster auch in neuer Information zu entdecken, unterstützt. Das abstrakte Lernen stellt dabei einen Wandel in der Entwicklung des Gedächtnisses dar. „Diese Veränderung spielt eine entscheidende Rolle in der kognitiven Entwicklung“, erklärt Gomez. „Sie erhält die Sensibilität für die bereits bekannte Information und befähigt die Lernenden gleichzeitig dazu, bei neuen Fällen zu generalisieren.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Psychologie, Lernen, Babys, Kleinkinder, kognitive ENtwicklung, KOgnitionsforschung, NIckerchen, Schlaf, Mittagsschlaf, Generalisierung
Weitere News zum Thema
Kindesmisshandlung hinterlässt bleibende Spuren im Gehirn (12.12.2011)
Langzeitfolgen mittels Magnetresonanz-Tomografie nachweisbar
Aggressive Grundschüler stehen auf brutale Computerspiele (11.10.2011)
Studie: Verhalten verfestigt sich mit fortschreitendem Alter
Vertrautheitsgefühl beeinflusst Entscheidungen (25.08.2011)
Hirnströme verraten Wahl schon im Voraus
Opfer von "Cyber-Mobbing" leiden stärker (08.08.2011)
Langfristige psychische Folgen wurden besonders bei Jugendlichen festgestellt
Diät: Positives Körperbild erleichtert das Abnehmen (19.07.2011)
Gezielte psychologische Beratung hilft Übergewichtigen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Träumen
Wenn das Gehirn eigene Wege geht...
Die innere Uhr
Was lässt uns ticken?
Was Hänschen nicht lernt...
Streit um die frühkindliche Bildung
Wie klug sind Tiere?
Zwischen Instinkt und Intelligenz
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
News des Tages
USA bald “Darwin–freie Zone”?
Atome werden „lockerer“
Membran reinigt Abwässer
Schlafen macht schlau
Bücher zum Thema
Was ist Intelligenz?
von Joachim Funke und Bianca Vaterrodt - Plünnecke
Gott-Gen und Großmutter neuron
Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft von Manfred Spitzer
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm, und Behinderte nicht arm dran sind
von Wolfram Henn
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes