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Samstag, 29.07.2017
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Impfstoff lässt SIV-infizierte Affen länger überleben

Forscher entdeckten Marker für langfristige Wirkung einer Impfung

Bei der Suche nach einem Aids-Impfstoff gibt es neue Hoffnung: Wie zwei neue, jetzt in „Science“ veröffentlichte Studien zeigen, kann selbst ein Impfstoff, der nur unvollständig gegen das Virus schützt, für den Geimpften einen wertvollen Vorteil bringen: Er fördert die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer Infektion.
HI-Virus

HI-Virus

Zwei amerikanische Forscherteams, geleitet von Norman L. Letvin von der Harvard Medical School sowie Mario Roederer vom Impfstoffforschungszentrum der National Institutes of Health (NIH) untersuchten die Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen SIV, die „äffische“ Variante des HI-Virus an Affen. Dabei wurde die Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen Aids an den Viruskonzentrationen im Blut und der Anzahl einer speziellen Sorte von T-Zellen, den CD4+ Gedächtnis-T-Zellen gemessen. Normalerweise werden diese Zellen beim ersten Kontakt mit einem Erreger aktiviert und sorgen dafür, dass das Immunsystem beim späteren erneuten Kontakt schneller reagieren kann. Im Verlauf einer SIV-Infektion beim Affen sinkt die Anzahl dieser Zellen innerhalb von zehn Tagen nach der Infektion rapide ab, 80 Prozent der CD4+ Zellen gehen zugrunde.

Überlebensdauer erhöht


In den Studien zeigte sich, dass der getestete Impfstoff diesen Verlust hinauszögerte: Bei den mit SIV infizierten Affen sank die Zahl der CD4+ Zellen erst nach 100 Tagen ab. Doch das eigentlich Neue beobachteten die Forscher, als sie die Studie nicht, wie sonst üblich, an diesem Punkt abbrachen, sondern sie weitere 750 Tage weiter laufen ließen.

“Wir stellten fest, dass die geimpften Affen deutlich länger lebten als die nicht geimpften und dass ihre CD4+-Werte deutlich höher blieben“, erklärt Letvin. „Das deutet darauf hin, dass der anfängliche Schutz, den der Impfstoff ihnen in den Wochen direkt nach der Infektion gibt, offensichtlich auch das Langzeit-Überleben fördert und dass diese Wirkung mit einer deutlich höheren Anzahl von CD4+-Zellen einhergeht.“


„Zwar kann dieser Impfstoff-Ansatz nicht eine Infektion verhindern, aber es kann das Aids-Virus dämpfen und eine wesentlich mildere Form der Krankheit in den geimpften Affen auslösen“, ergänzt der Forscher. „Wir wissen dies, weil auch der Verlust von T-Helferzellen weitaus weniger dramatisch ist, die Virenreplikation niedriger und zudem die Tiere einfach länger leben.“

Marker für Impfwirkung


Die Studien brachten jedoch noch eine wichtige Erkenntnis, denn sie identifizierten einen messbaren Marker für die Effektivität einer Aids-Impfung. Es zeigte sich, dass die Konzentrationen einer Untergruppe der CD4+Zellen, der zentralen Gedächtnis-CD4+ Zellen, schon sehr früh widerspiegelten, ob ein Impfstoff langfristig die Überlebenschancen erhöht. Zunächst nur für die Affenvariante SIV getestet, sollen weitere Studien zeigen, ob dieser Marker auch die Suche nach einem Impfstoff für Menschen erleichtern könnte.

„Wenn wir einen solchen Marker der Impfeffektivität haben, könnte dies erheblich die Zeit reduzieren, die wir brauchen, um zu bewerten, ob ein HIV-Impfstoff-Kandidat in Menschen funktioniert“, erklärt Gary J. Nabel, Direktor des Impfstoffforschungszentrums der NIH. „Dies könnte zukünftige Tests deutlich beschleunigen.“ „Indem wir die Gehalte an zentralen Gedächtniszellen in Blutproben von menschlichen Teilnehmern klinischer Versuche analysieren, könnten wir vorhersagen, wie gut dieser Impfstoff über die Zeit wirkt“, ergänzt Letvin.

Der weltweite Bedarf für einen HIV-Impfstoff ist groß“, kommentiert Elias A. Zerhouni, Direktor der NIH. „Im Jahr 2005 haben sich mehr als 11.000 Menschen jeden Tag neu mit HIV infiziert. Wenn diese Rate weiterhin ungebremst anhält, wird das Virus in der nächsten Dekade weitere 40 Millionen Menschen infizieren. Obwohl unser Endziel ein Impfstoff ist, der die HIV-Infektion komplett blockiert, weisen diese Studien auf den potenziellen Nutzen auch von nur teilweise effektiven Impfstoffen hin.“
(NIH/National Institute of Allergy and Infectious Diseases, 12.06.2006 - NPO)
 
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