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Sonntag, 22.01.2017
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Körber-Preis für „Anstandsdamen“ bei der Proteinfaltung

Mediziner Professor Dr. Franz-Ulrich Hartl erhält Auszeichnung

Für seine bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Proteinfaltung erhält der Mediziner Professor Dr. Franz-Ulrich Hartl den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2006. Detaillierte Erkenntnisse darüber, wie Eiweiße im Körper in die richtige Form gefaltet werden, ermöglichen neue Therapieansätze bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington.
Modell eines gefalteten Proteins

Modell eines gefalteten Proteins

Proteinmoleküle, also Eiweiße, steuern nahezu alle Lebensfunktionen in biologischen Systemen. Doch bevor sie in den Zellen aktiv werden können, müssen die einzelnen Abschnitte des Proteins zunächst in eine bestimmte dreidimensionale Form gebracht werden. Dazu brauchen die Eiweiße in den meisten Fällen Helfermoleküle - so genannte Chaperone (engl.: Anstandsdamen), wie Hartl mit seinem Team 1989 erstmals nachweisen konnte. Diese Anstandsdamen verhindern, dass Moleküle sich fehlerhaft falten oder unerlaubte Kontakte mit anderen Molekülen eingehen und dadurch verklumpen.

Hartls Erkenntnisse sind von entscheidender Bedeutung nicht nur für die biotechnologische Herstellung von Eiweißmolekülen, sondern vor allem auch für die Behandlung neurogenerativer Erkrankungen. So entstehen altersbedingte Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson dadurch, dass Schlüsselproteine in Nervenzellen Aggregate bilden und ihre eigentliche Funktion nicht ausüben können. Diese fehlerhafte Aggregatbildung, so konnte der Preisträger in Reagenzglas-Versuchen und intakten Zellen zeigen, kann durch eine künstliche Vermehrung der Chaperone verhindert werden.

Auch Anstandsdamen zollen dem Alter Tribut


Mit dem Preisgeld möchte Hartl neue biophysikalische, biochemische und zellbiologische Untersuchungsmethoden etablieren. Sein Ziel ist es, die Ausbeute funktionsfähiger Proteine bei der biotechnologischen Herstellung zu erhöhen. Vor allem aber gilt es herauszufinden, wie genau die Fehlfaltung zur Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen beiträgt und warum die Leistung der molekularen Anstandsdamen mit zunehmendem Alter nachlässt.


Überreicht wird der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2006 am 7. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Die seit 22 Jahren von der Hamburger Körber-Stiftung verliehene Auszeichnung ehrt jeweils einen europäischen Wissenschaftler für ein konkretes, zukunftsweisendes Forschungsvorhaben.
(Körber-Stiftung, 05.04.2006 - DLO)
 
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