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Dienstag, 19.09.2017
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Vogelgrippe: Panikmache oder berechtigte Sorge?

Seuche rückt näher

Die für den Menschen lebensgefährliche Variante der Vogelgrippe hat die Grenzen Europas erreicht. Noch ist die Seuche in erster Linie eine Bedrohung für Geflügel, doch die Sorge wächst, dass das Virus mutieren und so zu einem Menschenerreger werden könnte. Was und wann zu tun ist, darüber allerdings gehen die Meinungn weit auseinander.
Vogelgrippe-Virus H5N1

Vogelgrippe-Virus H5N1

Seuche rückt näher


Nach letzen Meldungen scheint der Virus-Stamm H5N1 in der Türkei isoliert worden zu sein, für Rumänien herrscht dagegen weiter Unklarheit. Hier soll erst der Test eines britischen Labors heute feststellen, ob es sich auch bei den im Donaudelta gefundenen Vogelgrippe-Erregern um den gleichen Erregerstamm handelt.

Haupteinfallschneisen des Virus aus Südosteuropa sind nach Einschätzungen der Experten vor allem illegale Importe von Gefügel oder Geflügelprodukten, erst in zweiter Klinie Zugvögel, da nach Auskunft von Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Instituts zu diesem Zeitpunkt kein regulärer Vogelzug zwischen Rumänien und Deutschland bestehe.

Bisher Bedrohung primär für Geflügel


Ein nach Deutschland eingeschlepptes hochpathogenes H5N1 wäre in erster Linie für das Geflügel eine Bedrohung. Würde die Geflügelpest auch in Deutschland aufgetreten, würden Personen mit engem Kontakt zu kranken Tieren jedoch geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen müssen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Etngegen anderslautenden Meldungen in den Medien sei für die allgemeine Bevölkerung in Deutschland derzeit kein Risiko erkennbar. Eine Grippeimpfung schütze nicht vor der Vogelgrippe, sei daher als Vorbeugeungsmaßnahme nicht geeignet.


Aber Pandemierisiko hoch wie lange nicht mehr


Das Robert Koch-Institut wies aber ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hin, dass das Pandemierisiko derzeit so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht. In Südostasien sind bei Menschen bislang mehr als hundert Infektionen aufgetreten, praktisch alle nach engem Kontakt mit infiziertem Geflügel. Die effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch ist H5N1 bislang noch nicht gelungen.

Eine wahrscheinliche Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch wurde bislang nur bei zwei Erkrankungen in einer Familie in Thailand im Herbst 2004 nachgewiesen. Das Virus könne aber durch ständige Änderungen seines Erbguts oder – schlagartig – durch den Austausch ganzer Gene mit humanen Influenzaviren die Fähigkeit erlangen, effektiver als bisher Menschen zu infizieren und vor allem effizient von Mensch zu Mensch übertragen zu werden.

Informationspolitik und Maßnahmen kritisiert


Der Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Alexander Müller kritisierte gestern in Berlin die Informationspolitik der Europäischen Kommission: "Nachdem die Kommission gestern im Fall der Verdachtsfälle auf Vogelgrippe in Rumänien öffentlich Entwarnung gegeben hat, wurde diese Entwarnung heute teilweise wieder revidiert. Nun wird berichtet, dass das H5-Virus an verendeten Tieren im Donaudelta festgestellt worden sei.“

Müller plädierte dafür, das EU-weite Importverbot für lebendes Geflügel, Geflügelfleisch und sonstige Geflügelprodukte aus Rumänien schon im Vorgriff auf die endgültige EU-Entscheidung umzusetzen. "Gerade in unklaren Situationen muss ein verlässliches Krisenmanagement vom Worst case ausgehen. Entwarnung darf nur dann gegeben werden, wenn auch wirklich belastbare Informationen vorliegen. Sowohl die Geflügelhalter in Europa, vor allem aber die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, dass mit Ihren Sorgen vor der Vogelgrippe und deren Auswirkungen sorgfältig und verantwortungsbewusst umgegangen wird“, so der Politiker.

Angesichts der Diskussion um Vogelgrippe- Vorsorgemaßnahmen von Bund und Ländern hat der Naturschutzbund NABU erneut vor Panikmache gegenüber der Freilandhaltung von Geflügel sowie vor überzogenen Maßnahmen im Rahmen eines Zugvogel-Monitorings gewarnt. Die Aufhebung von Schonzeiten für gefährdete Entenarten und die so genannte Beprobungsjagd in Schutzgebieten seien keinesfalls angemessen. "Die mit Abstand größte Gefahr geht von Tiertransporten und illegalen Einfuhren von Vögeln aus", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Dagegen sei die Übertragung des Virus von Wildvögeln auf Geflügel nach Meinung aller Experten sehr unwahrscheinlich.
(Robert-Koch-Institut (RKI), Friedrich-Loeffler-Institut, BMVEL, NABU, 14.10.2005 - NPO)
 
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