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Donnerstag, 19.01.2017
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Stammzell-Therapien für neurologische Erkrankungen gesucht

BMBF fördert Forschungsnetzwerk gegen Hirnkrankheiten

Mit rund 1,6 Millionen Euro wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den nächsten drei Jahren den Kampf gegen Hirnerkrankungen wie Multiple Sklerose gezielt fördern. Im Fokus der Forscher stehen Therapieansätze mit embryonalen und adulten Stammzellen.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Das Projekt konzentriert sich auf Krankheiten, die mit dem Verlust der Isolierschicht um die Nerven einhergehen; dazu gehören beispielsweise die Multiple Sklerose und die relativ seltenen Leukodystrophien.Das bundesweite Netzwerk, an dem als externer Partner die Universität Cambridge beteiligt ist, wird vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn koordiniert.

Die Nervenzellen im Gehirn sind durch zahlreiche Ausläufer miteinander vernetzt, über die sie elektrische Impulse austauschen. Diese Ausläufer sind von einer weißen, sehr fetthaltigen Schicht umgeben, dem so genannten Myelin. Es verhindert, dass sich Kurzschlüsse bilden, und sorgt vor allem für eine schnelle Signalübertragung. Bei bestimmten Erkrankungen verlieren die Nerven ihre weiße Hülle. Die Folge sind beispielsweise fortschreitende Bewegungs-, Hör- und Sehstörungen.

Die Projektpartner wollen unter anderem versuchen, den Myelin-Verlust durch den Einsatz von Stammzellen zu bremsen. Dabei konzentriert sich die Arbeitsgruppe um den Bonner Wissenschaftler Professor Dr. Volkmar Gieselmann auf die so genannte metachromatische Leukodystrophie. Bei dieser seltenen Erbkrankheit wird die Isolierschicht instabil. Ursache der Erkrankung ist ein Gendefekt, durch den die „Produzenten“ der Isolierschicht, die so genannten Oligodendrozyten, nicht mehr korrekt arbeiten. Zusammen mit Professor Dr. Oliver Brüstle will Gieselmann bei Leukodystrophie-kranken Mäusen versuchen, die defekten durch gesunde Zellen zu ersetzen.


Dazu arbeitet Brüstle mit seinen Mitarbeitern an neuen Verfahren zur Gewinnung von genetisch optimierten Oligodendrozyten aus embryonalen Stammzellen. „Damit die Ersatzzellen an die Stellen im Gehirn wandern, an denen sie gebraucht werden, wollen wir sie genetisch so modifizieren, dass sie beweglicher werden“, erklärt der Hirnforscher, der das Verbundprojekt koordiniert. Die Mediziner injizieren die Reparaturzellen dann in das Mäusegehirn und hoffen, dass sie die defekten Oligodendrozyten ersetzen. Dasselbe Verfahren wollen sie bei Mäusen mit Multipler Sklerose testen.

In dem Verbundprojekt arbeiten die Bonner mit Medizinern der Unikliniken Hamburg-Eppendorf und Düsseldorf sowie Neurobiologen der Universitäten Bochum und Hamburg zusammen. Externer Projektpartner ist die Universität Cambridge. Die Wissenschaftler versuchen auch, Therapieansätze mit adulten Stamzellen zu entwickeln. Selbst wenn alles wie geplant funktioniert, wird es aber noch eine Reihe von Jahren dauern, bis sich die Ergebnisse für die Humanmedizin verwerten lassen.
(BMBF, 12.09.2005 - NPO)
 
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