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Dienstag, 24.10.2017
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Protein als „Prostatakrebs-Alarm“

Neuer Marker unterscheidet gut- von bösartigen Veränderungen

Der bisherige Standardtest auf Prostatakrebs ist umstritten, da er auch bei gutartigen Tumoren „Alarm“ schlägt. Jetzt haben Forscher ein Protein entdeckt, das dem bisher verwendeten Tumormarker überlegen sein könnte, da es die Unterscheidung von gut- und bösartigen Veränderungen erlaubt.
Krebs-Tumorzelle

Krebs-Tumorzelle

Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei älteren Männern. Jedes Jahr erkranken rund 30.000 Männer neu an einem Prostatakarzinom. Bisher stehen dem Arzt für die Diagnose zwei einfache, wenig belastende Untersuchungsmethoden zur Verfügung: die Tastuntersuchung und die so genannte PSA-Bestimmung, für die eine Blutprobe abgenommen wird. Haupteinwand vieler Experten gegen den PSA-Test war und ist jedoch, dass bei Reihenuntersuchungen auch viele kleine, wenig bösartige Tumoren entdeckt würden, die vielleicht keiner Behandlung bedürften, und die betroffenen Männer nicht nur möglicherweise unnötig behandelt, sondern auch einer großen psychischen Belastung ausgesetzt würden.

Bessere Früherkennung gesucht


Weltweit suchen Fachleute daher nach Möglichkeiten, die die Früherkennung effektiver machen. In letzter Zeit gibt es verstärkt Hinweise, dass Proteine der S100-Familie, darunter S100A9, mit bestimmten Tumoren assoziiert sind, so etwa Leber-, Lungen- und Brustkrebs. Bei Patientinnen mit Eierstockkrebs ließen sich im Blut erhöhte Konzentrationen an S100A8 und S100A9 nachweisen. Es wird außerdem vermutet, dass S100-Proteine als Liganden dienen, die an den Rezeptor RAGE binden können. Der Rezeptor-Liganden-Komplex löst offenbar eine Kaskade von zellulären Signalen aus, die letztlich das Teilungs- und Wanderungsverhalten der Zelle beeinflussen.

Diese Daten und Erkenntnisse lieferten die Ausgangsbasis für die Arbeit von Alexander Hermani und Professor Dr. Doris Mayer vom Deutsdhen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Sie untersuchten Gewebeproben aus menschlichen Prostatatumoren unterschiedlicher Stadien. In Zusammenarbeit mit weiteren Heidelberger Kollegen und Partnern des Mannheimer Universitätsklinikums fanden die Wissenschaftler heraus, dass die beiden Proteine der S100-Familie und ihr potenzieller Rezeptor in Krebsvorstufen und in zunehmendem Maße in fortgeschrittenen Prostatatumoren produziert werden. Dagegen waren in gutartigem Gewebe keine oder nur geringe Konzentrationen der Proteine nachweisbar.


Neuer Marker auch im Blut messbar


Zudem prüften die Wissenschaftler, ob S100A9 im Blut vorkommt und sich damit als charakteristisches Merkmal für Prostatakrebs eignet. Und in der Tat: Im Vergleich zu gesunden Personen oder Patienten mit gutartigen Veränderungen der Prostata fanden sie im Blut der Krebspatienten eine deutlich höhere Konzentration an S100A9. Von besonderer Bedeutung ist dabei die höhere Aussagekraft, die der Nachweis S100A9 hat: Während der PSA-Test keine eindeutige Unterscheidung von gut- und bösartigen Prostataveränderungen ermöglicht, erlaubt der neu getestete Kandidat eine bessere Abgrenzung beider Diagnosen.

Auch im Hinblick auf die Vorbeugung von Prostatakrebs sowie neue Behandlungskonzepte könnten sich die Ergebnisse der Wissenschaftler als wertvoll erweisen. So bietet der Komplex aus S100-Ligand und seinem Rezeptor einen möglichen Angriffspunkt für entsprechende Strategien. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Funktion der Moleküle besser zu verstehen.
(Deutsches Krebsforschungszentrum, 02.08.2005 - NPO)
 
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